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Modal Split

Erstellt am: 20.03.2018 | Stand des Wissens: 20.03.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der so genannte Modal Split wird genutzt, um die Anteile einzelner Verkehrsarten wie zum Beispiel des Fuß- und Radverkehrs an allen Verkehrsarten darzustellen. Modal-Split-Werte sind in der verkehrsplanerischen Praxis und Politik aber auch in der Verkehrswissenschaft von großer Bedeutung, um Erkenntnisse über den Stand, die Hintergründe und die Potenziale der Verkehrsentwicklung zu gewinnen.
Die Anteilswerte des Modal Split können für den Personenverkehr sowohl auf die Anzahl der absolvierten Wege oder der beförderten Personen (Verkehrsaufkommen) als auch auf die Menge der absolvierten Kilometer (Verkehrsleistung) bezogen werden.
Die folgende Abbildung 1 stellt Werte für den aufkommens- und den leistungsbezogenen Modal Split in Deutschland nebeneinander.
ViZ_2017_18_ModalSplit.png
Abbildung 1: Modal Split nach Personen und Personenkilometern [BMVI17q]
Der Nichtmotorisierte Individualverkehr trägt in Deutschland etwa ein Drittel des gesamten Aufkommens an beförderten Personen. Demgegenüber fallen bei der Verkehrsleistung die Anteile des Nichtmotorisierten Individualverkehrs deutlich geringer aus: Der Anteil von Fuß- und Radverkehr liegt bezogen auf Deutschland lediglich bei etwa 6 Prozent der gesamten Verkehrsleistung [BMVI17q].
23 Prozent des Gesamtaufkommens entfallen auf den Fußverkehr, etwa 10 Prozent auf den Fahrradverkehr. Hierbei ist zu bedenken, dass insbesondere beim Radverkehr große stadtspezifische Unterschiede auftreten können. Diese sind einerseits durch die Qualität des örtlichen Angebotes an Radverkehrsanlagen und andererseits stark durch die topographischen Gegebenheiten bestimmt.
In den 118 Untersuchungsräumen der stichtagsbezogenen Mobilitätserhebung Mobilität in Städten SrV 2013 [SrV13] wurden aufkommensbezogene Radverkehrsanteile zwischen 2 und 24 Prozent erhoben.
Der Modal Split unterliegt zeitlichen Veränderungen: Sowohl in der bundesweiten Erhebung Mobilität in Deutschland (MiD 2008) als auch im SrV 2013 wurden erstmals rückläufige Tendenzen um ein bis zwei Prozentpunkte bei den aufkommensbezogenen Anteilen des Motorisierten Individualverkehrs registriert. Demgegenüber stiegen die Verkehrsanteile des Öffentlichen und des Nichtmotorisierten Verkehrs gegenüber 2008 um jeweils etwa einen Prozentpunkt.
Unterschiedliche Werte für den Modal Split ergeben sich auch bei der Differenzierung nach dem Wegezweck [SrV15a], wie die folgende Abbildung 2 zeigt.
SrV2013_ModalSplit_Zweck.pngAbbildung 2: Modal Split nach Verkehrszweck [SrV15a]
In den Städten des SrV-Städtepegels erreichten im Jahr 2013 die Nichtmotorisierten Verkehrsmittel im Einkaufs- und Freizeitverkehr mit Aufkommensanteilen von mehr als 40 Prozent die größten Anteile. Das Fahrrad spielt insbesondere auf Wegen zur Arbeit oder zur Schule beziehungsweise zur Ausbildung eine wichtige Rolle (jeweils 14 Prozent aller Wege).
Die hier für den städtischen Verkehr dargestellten Anteile des Nichtmotorisierten Verkehrs fallen in den ländlichen Räumen aufgrund der dort größeren Entfernungen etwas geringer aus [infas10].

Die Verkehrsmittelwahl ist sowohl von der Verfügbarkeit individueller Verkehrsmittel wie Fahrrad und Pkw als auch vom Besitz eines Führerscheines bzw. einer Zeitkarte des Öffentlichen Personennahverkehrs abhängig. [UBA18d]

Auch das Alter spielt bei der Verkehrsmittelwahl eine wichtige Rolle: während in der jüngeren Generation Besitz und Nutzung des Autos an Bedeutung verlieren, steigt die Pkw-Verfügbarkeit und -Nutzung in der Generation der Senioren [SrV13d]. Im hohen Alter findet eine Konzentration der Wege auf Orte in der wohnnahen Umgebung statt, die fußläufig erreicht werden können und vorzugsweise in einem Umkreis von einem Kilometer liegen. Ältere Menschen legen in ihrem Wohnumfeld zwei Drittel aller Wege zu Fuß zurück [Rudi07].

Das Potenzial zur Stärkung des Nichtmotorisierten Verkehrs liegt vor allem in den kurzen Entfernungsbereichen, wie die folgende Abbildung 3 zeigt.
SrV2013_ModalSplit_Entfernungsklasse.pngAbbildung 3: Modal Split nach Entfernungsklassen [SrV15a]
Im städtischen Verkehr werden etwa 75 Prozent aller Wege bis zu einem Kilometer zu Fuß zurückgelegt [SrV13d]. Von diesen kurzen Wegen entfallen 10 Prozent auf das Fahrrad und immerhin 12 Prozent auf den Motorisierten Individualverkehr (MIV). In der Entfernungsklasse von mehr als einem bis zu drei Kilometern wird das Auto sogar für 37 Prozent aller Wege genutzt. Darin zeigt sich deutliches Potenzial für eine Verkehrsverlagerung weg vom Auto hin zum Nichtmotorisierten Verkehr.


Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nichtmotorisierter Individualverkehr (Stand des Wissens: 11.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?481394
Literatur
[BMVI17q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2017/2018, Ausgabe/Auflage 46. Jahrgang, 2017, ISBN/ISSN ISBN 978-3-87154-617-4
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[Rudi07] Rudinger, G., Prof. Dr., Käser, U., Dr. Smart Modes: Senioren als Fußgänger und Radfahrer im Kontext alterstypischer Aktivitätsmuster, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrssicherheit, Ausgabe/Auflage 3/2007, 2007
[SrV13] Wittwer, R., Hubrich, S., Wittig, S., Ließke, F. Sonderauswertung zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013". Städtevergleich, Dresden, 2015/05
[SrV13d] AHRENS, G.-A.;, HUBRICH, S.;, LIESSKE, F.;, WITTIG, S.;, WITTWER, R. Mobilität in Städten - SrV 2013, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 7/2015, 2015/07
[SrV15a] Ließke, F. , Hubrich, S. , Wittig, S. , Wittwer, R. Sonderauswertung zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013" - Stadtgruppe: SrV-Städtepegel , 2015/05/21
[UBA18d] Umweltbundesamt (Hrsg.) Fahrleistung im Personen- und Güterverkehr, 2018/05/14
Glossar
Personenkilometer
Die Einheit Personenkilometer [Pkm] beschreibt die im Rahmen einer Personenbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Verkehrsmenge (Summe der beförderten Personen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km.
Verkehrsarbeit [Pkm] = Verkehrsmenge [P] * Wegstrecke [km]
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
SrV-Städtepegel
Der SrV-Städtepegel stellt eine Stadtgruppierung dar. Er besteht aus den SrV-Städten, die seit dem Jahr 1972 mit wenigen Ausnahmen kontinuierlich am System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) teilgenommen haben. Demzufolge beinhaltet dieser lediglich ostdeutsche Städte. Der Städtepegel entspricht in seinem Ursprung den 14 Bezirksstädten der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ohne Berlin.
Der Städtepegel bildet damit die Basis für Analysen der zeitlichen Entwicklung des Personenverkehrs ostdeutscher Großstädte.
Modal Split Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?481960

Gedruckt am Mittwoch, 11. Dezember 2019 03:44:27