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Steigende Nachfrage des nichtmotorisierten Individualverkehrs (NMIV)

Erstellt am: 20.03.2018 | Stand des Wissens: 13.03.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Bedeutung des nichtmotorisierten Individualverkehrs (NMIV) nimmt stetig zu. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die Verkehrsnachfrage des NMIV vor allem im Stadtverkehr seit mehreren Jahren steigt.

Dies gilt in besonderem Maße für den Radverkehr, dessen Anteile am Verkehrsaufkommen - ungeachtet der witterungsbedingten Schwankungen - insgesamt leicht zunehmen [SrV13d]. Hierzu tragen einerseits die stärkeren planerischen Aktivitäten für eine attraktive radverkehrsbezogene Verkehrs- und Dienstleistungsinfrastruktur zum Beispiel durch Radschnellwege bei.

Andererseits bewirken zahlreiche technische Innovationen im Fahrradsektor, dass dieses Verkehrsmittel an Attraktivität weiter gewinnt und vermehrt nachgefragt wird. Dabei spielt die immer höherwertige Ausstattung und Leistungsfähigkeit eine wesentliche Rolle. Die Produktvielfalt, das Design und die Weiterentwicklung der Batterie- und Antriebstechnologie sorgen für wachsende Beliebtheit des E-Bikes bei den Verbrauchern. Zudem sind die neuen Geschäftsmodelle wie Leasing bzw. Cargo für den steigenden Absatz der E-Bikes verantwortlich. Infolgedessen hat der Zweiradbestand in Deutschland durch steigende Verkaufszahlen zugenommen. Von den schätzungsweise 79,1 Millionen Zweirädern sind etwa 7,1 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs [ZIV21].
Außerdem werden Lastenfahrräder immer beliebter. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach öffentlichen Abstellmöglichkeiten mit angepassten Bügelsystemen und ausreichender Fläche, um die Nutzung von Lastenrädern attraktiver zu gestalten. Eine mögliche Beschilderung der Parkplätze ist durch die neue Beschilderungsmöglichkeit seit der StVO-Reform (2020) möglich [ADFC21].
Nicht zuletzt haben auch Förderinstrumente wie zum Beispiel der Nationale Radverkehrsplan oder die Gründung von Arbeitsgemeinschaften fahrradfreundlicher Kommunen (AGFS) Anteil daran, dass die Verkehrsnachfrage des Radverkehrs stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.
Ähnliche Prozesse vollziehen sich wenngleich in geringerem Umfang auch in Bezug auf den Fußverkehr. Die Verkehrsnachfrage erweist sich hier im Unterschied zum Radverkehr allerdings eher als stabile Größe, wenn man die Entwicklung des Verkehrsaufkommens zugrunde legt [BMVI16c, S. 222].
Das wachsende Interesse und die zunehmende Nachfrage nach Alternativen zum Motorisierten Individualverkehr zeigen sich nicht zuletzt auch am Erfolg und der Kontinuität internationaler Veranstaltungen wie Walk21 und Velo-City. Die davon ausgehenden Impulse werden auf nationaler Ebene durch die Installation ähnlicher Formate wie dem Fußgängerverkehrskongress und dem Nationalen Radverkehrskongress aufgegriffen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nichtmotorisierter Individualverkehr (Stand des Wissens: 11.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?481394
Literatur
[ADFC21] ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) (Hrsg.) Erster Lastenradparkplatz in Sachsen, 2021/10/26
[BMVI16c] Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2016/2017, Ausgabe/Auflage 45, 2016/09, ISBN/ISSN 978-3-87154-591-7
[SrV13d] AHRENS, G.-A.;, HUBRICH, S.;, LIESSKE, F.;, WITTIG, S.;, WITTWER, R. Mobilität in Städten - SrV 2013, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 7/2015, 2015/07
[ZIV21] Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) (Hrsg.) Zahlen - Daten - Fakten zum Deutschen Fahrradmarkt 2020, 2021/3/09
Weiterführende Literatur
[BSW20] Freie und Hansestadt Hamburg , Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) (Hrsg.) Leitfaden Fahrradparken im Quartier: Empfehlungen für die Planung von Fahrradabstellanlagen auf privaten Flächen
, 2020/12
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
StVO Die Straßenverkehrsordnung  legt Regeln für sämtliche Straßenverkehrsteilnehmer fest und bildet somit eine Rechtsverordnung der Bundesrepublik Deutschland.
City Der in der Stadtforschung und im allgemeinen Sprachgebrauch für die Kennzeichnung des Stadtzentrums meist größerer Städte verwendete Begriff City ist nicht eindeutig, da er im Englischen eine völlig andere Bedeutung hat. Im englischen Sprachgebrauch kann der Begriff City für drei verschiedene Varianten stehen:
  1. allgemein für eine Großstadt,
  2. für eine historische Stadt mit Bischofssitz und Kathedrale,
  3. für eine Stadt mit königlicher Urkunde und zeremoniellen Privilegien.
Der deutsch Begriff der City leitet sich aus der frühen Konzentration von Bürofunktionen in der historischen City of London ab, da sich dort bereits im 18. Jahrhundert mit dem aufkommenden und rasch entfaltenden Banken- und Versicherungswesen der neue Typ des Bürohauses herausbildete, der den Prozess der Citybildung enorm beschleunigte. In erster Linie ist City ein Funktionsbegriff. Die City ist der zentralst gelegene Teilraum einer größeren Stadt mit einer räumlichen Konzentration hochrangiger zentraler Funktionen des tertiären und quartären Sektors.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?481946

Gedruckt am Sonntag, 4. Dezember 2022 19:13:09