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Luftfracht

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 11.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Als Luftfracht werden Güter bezeichnet, welche mit Luftfahrzeugen transportiert werden [Koch12]. Hierzu zählt der Transport in reinen Frachtluftfahrzeugen, aber auch als Beiladefracht in Passagierluftfahrzeugen. Auch Zubringerdienste mittels LKW zwischen Flughäfen sind aus verkehrsrechtlichen Gründen mit Flugnummern belegt (sogenannte "Road Feeder Services").
Ausgangspunkt der Luftfrachtentwicklung war der schnelle und sichere Transport zeitkritischer, verderblicher und in Relation zu Gewicht und Volumen hochpreisiger Güter wie Zeitungen, Postsendungen, Nahrungsmittel, Pflanzen, Elektronik oder lebende Tiere. So kann die Luftfracht in drei Bereiche unterteilt werden [ErkJe08]:
  • Emergency-Traffic (Notfallsendungen): Kurzfristiger Transport von Gütern aufgrund einer Notlage wie beispielsweise dringend benötigte Medikamente oder Anlagen/Ersatzteile.
  • Routine-Perishable-Traffic oder Perishable-Cargo: Frachtgüter mit zeitlicher oder wirtschaftlicher Verderblichkeit wie Nahrungsmittel, tropische Fische, Blumen sowie Zeitungen, Zeitschriften.
  • General-Cargo: Alle Frachtgüter, die den anderen beiden Bereichen nicht zugeordnet werden können.
Heutzutage werden auch viele Waren als Luftfracht transportiert, welche nicht zeitkritisch sind, sodass der Luftfrachtverkehr in den letzten Jahren trotz erheblicher Transportkosten und kurzfristiger Einbrüche (Anschläge vom 11. September 2001, Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2007) Wachstumsraten bis zu 20 Prozent verzeichnete [IATA]. Entscheidende Vorteile der Luftfracht sind:
  • Schnelligkeit und Zuverlässigkeit,
  • Reduzierung von Lagerkosten durch mögliche Just-in-Time Lieferungen,
  • Zinsgewinn durch schnelleren Kapitalumschlag,
  • Reduzierung der Verpackungskosten, da im Vergleich zur Seefracht weniger stabile Verpackungen benötigt werden.
Der Luftfrachtmarkt verzeichnete in den letzten Jahren größere Wachstumsraten als der Passagierluftverkehr. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird im Mittel von einer jährlichen Zuwachsrate von 4,2 Prozent ausgegangen von 256 Milliarden ertrag-bringende Frachttonnenkilometer im Jahr 2017 auf 584 Milliarden im Jahr 2037 [BCA18b]. Für den asiatischen Wirtschaftsraum werden sogar noch höhere Zuwächse erwartet. Bezogen auf den Warenwert werden heute 40 Prozent des Welthandels über den Luftverkehr abgewickelt.

Das Dienstleistungsangebot der Luftfracht umfasst nicht nur den reinen Transport der Waren sondern auch die Zollabfertigung, Zustellung sowie Abholung der Ware und andere Zusatzdienstleistungen wie das Erstellen von Ausfuhrdokumenten (Ausfuhrdokumente, Papier - Zolldokument zur Transitabfertigung innerhalb der Europäischen Union). Solche Serviceleistungen werden normalerweise durch einen Dienstleister durchgeführt, der vom Absender oder Empfänger beauftragt wurde. Um im Luftfahrtbereich Dienstleistungen anbieten zu können, muss eine Registrierung als Agent der IATA vorliegen. Gegenwärtig wird neben den Luftverkehrsgesellschaften zwischen zwei Arten von Dienstleistungsanbietern in der Luftfrachtbranche unterschieden: Luftfahrtspediteure und Integratoren beziehungsweise Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Dienste) [ErkJe08].

Wissenslandkarten

Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Luftfracht (Stand des Wissens: 13.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?479041
Literatur
[BCA18b] Boeing Commercial Airplane Group (Hrsg.) World Air Cargo Forecast 2018-2037, 2018
[ErkJe08] Jens Erkes Der deutsche Luftfrachtmarkt - Eine Analyse der Entwicklungsmöglichkeiten, 2008
[IATA] IATA - International Air Transport Association (Hrsg.) Forecasts for the 2018-2022 period, 2018/03
[Koch12] Susanne Koch Logistik. Eine Einführung in Ökonomie und Nachhaltigkeit, Springer, 2012, ISBN/ISSN 978-3-642-15289-4
Glossar
Just-In-Time "Just-In-Time" (JIT) ist ein Transportservice, bei dem die Auslieferung von Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeführt wird. Der Kunde legt vorher fest, wann und wohin die Güter geliefert werden sollen. Häufig wird JIT in der Produktions-Logistik eingesetzt, um eine produktionssynchrone Beschaffung umzusetzen. Mit diesem Prinzip lassen sich beispielsweise Zwischenlager sparen und somit Kosten senken.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
KEP Kurier, Express, Paket - Bereich in der Transportwirtschaft, der als ein Teilmarkt in der Logistik angesehen wird. Anbieter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) transportieren vornehmlich Sendungen mit relativ geringem Gewicht (von ca. 2 kg bis ca. 31 kg) und Volumen, wie z.B. Dokumente, Päckchen und Kleinstückgüter. Große KEP Anbieter wenden sich auch vermehrt den Märkten der Kontraktlogistik und Fulfillment Dienstleistungen zu.
IATA Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung - IATA (International Air Transport Association) ist der weltweit tätige Verband der Verkehrsfluggesellschaften.
Feederverkehr Unter „Feederverkehr” versteht man den Zubringer- bzw. Verteilverkehr, z.B. den straßenseitigen Vor- und Nachlauf im Kombinierten Verkehr Straße-Schiene. Ausgeprägte Feederverkehre finden sich in der Seeschifffahrt, in der die Hub-Häfen der interkontinentalen Verkehre über Feederlinien mit kleineren Schiffen ein größeres Einzugsgebiet erschließen
Agent Software-System, das durch seine Intelligenz autonom für einen Anwender bestimmte Aufgaben durchführt. Für das Handeln intelligenter Agenten existieren zwei verschiedene Realisierungsprinzipien: entweder werden für eine definierte Anzahl an Situationen entsprechende Verhaltensregeln (z. B. wenn-dann) festgelegt oder die Agenten leiten ihre Aktionen durch Lernen aus vergangenen Situationen ab. Im Bereich des Electronic Commerce können Agenten bspw. umfangreiche Datenmengen nach passenden Angeboten durchsuchen und anschließende Buchungen ausführen. Für logistische Anwendungen ist es vorstellbar, daß Agenten automatisch verschiedene Dienstleistungsmodule (Modularisierung) durch Verhandlung mit Agenten von Markt-partnern kontrahieren und schließlich das Monitoring und ggf. ein dynamisches Routing bei der Transportdurchführung erledigen. Obwohl Agenten als Teilgebiet der (verteilten) künstlichen Intelligenz noch stark experimentellen Charakter besitzen, wird ihnen künftig ein hoher Stellenwert bei Planungs-, Entscheidungs- und Kontrollprozessen in der Logistik eingeräumt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478987

Gedruckt am Mittwoch, 1. April 2020 19:03:07