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Personenluftverkehrsunternehmen

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 11.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Personenluftverkehrsunternehmen unterscheiden sich in ihrem Geschäftsmodell je nachdem ob sie Linien- oder Gelegenheitsverkehr durchführen, ob sie ihr Netz zentral (Hub-and-Spoke) oder dezentral (Punkt-zu-Punkt) organisieren, welche Reichweite sie anbieten (Kurz-, Mittel- oder Langstrecke), ob sie ihren Vertriebsfokus auf Geschäftsreisende oder Privatreisende ausrichten und ob sie als staatliches Eigentum im öffentlichen Auftrag oder als Privatunternehmen gewinnorientiert ausgerichtet sind. Einen Überblick über die aktuell größten Personenluftverkehrsunternehmen nach Verkehrsleistung gibt Abbildung 1.
Passagierfluggesellschaft.PNGAbb. 1: Auflistung Passagierfluggesellschaften [FlGl17]
Die wirtschaftliche Lage der Fluggesellschaften und des Luftverkehrsmarktes hängt wesentlich von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Der Abbau innerstaatlicher Regulierungen (Deregulierung) sowie der teilweise Abbau internationaler Wettbewerbsbeschränkungen (Liberalisierung) haben einen intensiveren und dynamischeren Wettbewerb zur Folge. Wo Wettbewerb herrscht, ist der Markt durch intensiven Preiswettbewerb gezeichnet, da die Kundenloyalität gering ist und das Ergebnis der Anbieter insbesondere von der Auslastung der vorhandenen Sitzplatzkapazität des Flugplans abhängig ist.
Die Ticketpreise sind seit der Liberalisierung kontinuierlich gefallen. Dies reflektiert Kosteneinsparungen und Produktivitätssteigerungen insbesondere durch Steigerung der Kapazitätsauslastung. Im Rahmen des Ertragsmanagements (englisch: Yield-Management) betreiben Luftverkehrsunternehmen zur Optimierung der Kapazitätsauslastung komplexe Yield-Management-Systeme. Abbildung 2 zeigt, dass die Auslastung der vorhandenen Sitze zwischen 1970 und 2010 von 55 Prozent um 20 Prozentpunkte erhöht werden konnte. Auch die tägliche Nutzungszeit der Flugzeuge konnte deutlich um durchschnittlich 2 Stunden erhöht werden konnte. Grund dafür ist beispielsweise die Verkürzung von Standzeiten (Turnaround-times) an den Terminals.
Kapazitaetsauslastung.pngAbb. 2: Steigerung der Kapazitätsauslastung und des Ladefaktors, Abbildung nach [IATA11]
Wesentlicher Nachfragetreiber für den Luftverkehr ist die Entwicklung des Welthandels und des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Einwohner eines Landes. In Zukunft wird ein starkes Wachstum des Personenluftverkehrs erwartet. Abbildung 3 fasst Prognosen von Boeing bis 2035 zusammen. Dem Bericht zufolge wird das jährliche Wachstum des globalen Luftverkehrs bei 4.8 Prozent liegen. Hauptursache ist der aufstrebende Luftverkehr in den asiatischen Wachstumsländern und im Mittleren Osten (siehe Fernost/Nahost). Für Deutschland prognostizierte das DLR im Jahr 2014 ein jährliches Durchschnittswachstum von 3.3 Prozent bis 2030 [DLR14].
Personenluftverkehr.PNGAbb. 3: Erwartetes Wachstum und Wachstumsraten von 2015 bis 2035 nach Boeing [BCAG16]
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Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Personenluftverkehrsunternehmen (Stand des Wissens: 11.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?479035
Literatur
[BCAG16] k.A. Current Market Outlook 2016-2035, 2016
[DLR14] k.A. Luftverkehrsbericht 2014, 2014
[FlGl17] k.A. World Airline Ranking, 2017
[IATA11] k.A. Vision 2050, 2011
Glossar
Hub-and-Spoke
Hubs sind zentrale Umschlagpunkte über die Versand- und Empfangspunkte miteinander verbunden werden.
Die Empfangs- und Versanddestinationen werden auch als Speichen (Spokes) bezeichnet. Das heißt, eine Verbindungen wird nicht direkt durchgeführt, sondern über einen zentralen Knoten oder Umschlagspunkt. Es wird daher von einem Hub-and-Spoke-System oder Nabe-Speiche-System gesprochen.
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).
Geschäftsmodell
Ein Geschäftsmodell besteht allgemein aus den drei Hauptkomponenten Nutzenversprechen (value proposition), Architektur der Wertschöpfung und Ertragsmodell.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478975

Gedruckt am Freitag, 18. Oktober 2019 10:33:44