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Ansätze zur Implementierung eines Supply Chain Risikomanagement

Erstellt am: 04.03.2015 | Stand des Wissens: 08.02.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Um den Problemen der Implementierung und Durchführung des Risikomanagements in einer Supply Chain entgegenzuwirken, müssen die Verantwortlichkeiten in einem Unternehmen sowie in der Supply Chain eindeutig verteilt werden. In einem großen Unternehmen sollte beispielsweise der Vorstand die strategisch wichtigste Rolle im Risikomanagement einnehmen. Dieser legt die wesentlichen strategischen Eckpunkte fest und definiert die Ziele, diskutiert diese und legt die Aufbau- und Ablauforganisation des Risikomanagements fest. Er hat weiterhin dafür zu sorgen, dass genügend personelle Ressourcen zur Verfügung stehen und dass ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Zudem sollte der Vorstand die notwendigen Gegenmaßnahmen einleiten lassen, wenn kritische Risiken identifiziert wurden [Ker09c].
Weiterhin können drei Implementierungsansätze für ein Risikomanagement identifiziert werden, die sich in ihrer Reichweite und Kooperationsintensität der Supply Chain Partner unterscheiden. Bei dem Risikomanagement in der Beschaffung werden auf Unternehmensebene die Risiken, die von der vorgelagerten Supply Chain ausgehen, identifiziert und analysiert. Dies trifft vor allem auf die Versorgungssicherheit, Kosten und Qualität der zu beziehenden Leistungen zu. Der zweite Ansatz zur Implementierung wird als Risikoanalyse in der Supply Chain bezeichnet. Hierbei wird die Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken gemeinsam durch mehrere Unternehmen verschiedener Wertschöpfungsstufen vorgenommen. Dieser Ansatz zeichnet sich durch eine erhöhte Kooperation der beteiligten Firmen aus, jedoch erfolgt dies eher informell und ohne systematische Einbindung. An dieser Stelle setzt der dritte Ansatz, das Supply Chain Risikomanagement an. Hier erfolgt die kooperative Analyse, Steuerung, Kontrolle und Kommunikation systematisch. Dies wird vor allem durch die unternehmensübergreifenden Prozesse des Risikomanagements und die enge Zusammenarbeit verdeutlicht [Kaju03]. Die nachfolgende Abbildung stellt die drei Ansätze gegenüber und verdeutlicht die Unterschiede. Es ist jedoch beachtlich, dass diese Ausprägungen in einer Supply Chain durchaus parallel ablaufen können, da nicht jede Kooperation mit den beteiligten Unternehmen die gleiche Intensität aufweist und keine einheitliche Vertrauensbasis existiert. Es ist daher abzuwägen, mit welcher Intensität ein Unternehmen in das Supply Chain Risikomanagement einbezogen werden soll [CLPa97]. Grundsätzlich gilt aber, dass Unternehmen eine Weiterentwicklung von dem Risikomanagement in der Beschaffung, über die Risikoanalysen in der Supply Chain bis hin zu einem umfassenden Supply Chain Risikomanagement anstreben sollten. Auf diese Weise können nach und nach Erfahrungen gesammelt und auf größere Betrachtungsbereiche übertragen werden [Kaju03].

Ansaetze im SCRMAbbildung 1: Implementierungsansätze im Risikomanagement [in Anlehnung an Kaju03]
(Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Vor allem im Bereich des Supply Chain Risikomanagement, in dem die enge Kooperation der Unternehmen eine Schlüsselrolle spielt, können viele Probleme durch institutionalisierte Risikomanager gelöst werden. Hierbei stellt jedes der beteiligten Unternehmen Risikomanager zur Verfügung, die untereinander kommunizieren. Zudem sollten alle Mitarbeiter ermutigt werden, Risiken systematisch zu melden. Hierbei fungieren die Risikomanager wiederum als Ansprechpartner. Dadurch können viele Erfahrungen gesammelt und untereinander ausgetauscht werden. Dieser Transferprozess kann durch ein geeignetes Wissensmanagement beschleunigt werden [Haar08, Ker09c, Rade05].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[CLPa97] Cooper, M., Lambert, D.M., Pagh, J.D. Supply Chain Management: More than a New Name for Logistics, veröffentlicht in The International Journal of Logistics Management, Ausgabe/Auflage 8(1997)1, 1997
[Haar08] von Haaren, B. Konzeption, Modellierung und Simulation eines Supply-Chain-Risikomanagements, Dortmund, 2008
[Kaju03] Kajüter, P. Instrumente zum Risikomanagement in der Supply Chain, veröffentlicht in Supply Chain Controlling in Theorie und Praxis: Aktuelle Konzepte und Unternehmensbeispiele, Ausgabe/Auflage Auflage 1., Gabler, 2003, ISBN/ISSN 3409124233
[Ker09c] Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten, Wolfgang Kersten Schlussbericht zum Projekt "Supply Chain Risk Management Navigator", 2009
[Rade05] Rademacher, H. W. Vertrauensmanagement: Eine Basis für Wissensmanagement, Braunschweig, 2005
Glossar
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?444508

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2019 10:46:20