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Barrieren für die Implementierung des Supply Chain Controlling

Erstellt am: 27.02.2015 | Stand des Wissens: 29.01.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Das Supply Chain Management steht für die Bestrebung von Unternehmen mit dem Hauptziel Kosten-, Zeit- und Qualitätsvorteile zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen und kommende Kundenwünsche zu erfüllen. Das Supply Chain Controlling wirkt sich als eine unterstützende Funktion auf das Supply Chain Management aus und ist durch eine hohe Heterogenität geprägt [West07].
Unternehmen und deren Netzwerke befinden sich in einem dynamischen Umfeld. Dies äußert sich beispielsweise durch sich ständig ändernde Kundenanforderungen. Eine Auswirkung ist, dass die Konfiguration der Netzwerke dynamisch ist, sich also zum Beispiel die Anzahl der Akteure und deren Zusammensetzung häufig ändern kann.
Die Unternehmensnetzwerke sind sachlich und zeitlich unbefristet und sind für mehrere Aufträge zuständig, wobei das Ergebnis verwertbare Produkte oder Dienstleistungen für den Markt liefert. Als Resultat hat dies eine hohe Vernetzungskomplexität zur Folge. Darum ist die Implementierung eines geschlossenen Konzepts für das Supply Chain Controlling kaum möglich [GöNe02]. Des Weiteren werden im Rahmen des Supply Chain Controlling häufig etablierte Controllinginstrumente verwendet, die eigentlich für Einzelunternehmen entwickelt wurden. Daher werden sie oft nicht den Anforderungen eines Controllings des gesamten Netzwerks gerecht [West07]. Ein weiteres Problem, das sich bei der Implementierung ergibt, ist, dass einzelne Unternehmen in diesem Netzwerk trotz Absprachen ausschließlich eigene Ziele verfolgen, sie stimmen ihre jeweiligen betrieblichen Funktionen mit ihren Partnern ab, legen diese jedoch nicht zusammen. [Kuge13, Haar08]. Auch die Machtverteilung innerhalb der Supply Chain und die Steuerung des Controllings können als Barriere wirken. Große Unternehmen innerhalb einer Supply Chain geben nur ungern einen Teil ihrer Kompetenzen zugunsten eines dezentral geführten Supply Chain Controllings auf. Sie streben vielmehr ein von ihnen geführtes, zentrales Controlling an. Ein weiteres Hauptproblem stellen dabei nicht vorhandene und nicht vergleichbare Informationen über Teilprozesse dar. Diese fehlenden Vergleichsmaßstäbe können somit nicht integriert und von den Beteiligten akzeptiert werden [Kumm12].
Als grundlegende Ursache der Hindernisse, die sich bei der Implementierung eines Supply Chain Controlling ergeben, ist das fehlende Vertrauen beziehungsweise vorhandene Misstrauen der Supply Chain Mitglieder untereinander [CoGa, S.18]. Misstrauen tritt häufig dann auf, wenn Lieferanten auch andere Abnehmer beliefern, die sich außerhalb der eigenen Supply Chain befinden, aber möglicherweise im gleichen Marktsegment tätig sind. Sichtbar wird dieses Misstrauen zum Beispiel häufig in der Zusammenarbeit von westlichen und asiatischen Unternehmen. Viele Unternehmen vertreten grundsätzlich die Ansicht, dass es zu Unsicherheiten und Informationslücken führt, wenn Informationen weitergegeben werden. Diese Vorbehalte sind nur durch vertrauensbildende Maßnahmen zu schließen. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass nur die Informationen weitergeben werden, die für ein bestimmtes Mitglied der Supply Chain von Bedeutung sind [Haar08]. Dennoch bleibt ein grundlegendes Dilemma: Ein Lieferant, der mit seinem Abnehmer in Preisverhandlungen steht, wird es nicht immer begrüßen, die Informationen über seine Kosten an den Abnehmer weiterzugeben [Fish97]. Zuletzt existieren noch eine Reihe von technischen Barrieren für die Implementierung des Supply Chain Controlling. So müssen Systeme zur Informationsweitergabe zwischen den einzelnen Akteuren der Supply Chain vorhanden und kompatibel sein [WeBa02a, GöNe02].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[CoGa] Corsten, Daniel , Gabriel, Christoph, , Supply Chain Management erfolgreich umsetzen Grundlagen, Realisierung und Fallstudien, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2004, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-642-18887-9
[Fish97] Fisher, M. What is the Right Supply Chain for Your Product?, veröffentlicht in Harvard Busines Review, Ausgabe/Auflage Nr. 2, 1997
[GöNe02] Göpfert, Ingrid , Neher, Axel Supply Chain Controlling. Wissenschaftliche Konzeptionen und praktische Umsetzungen., veröffentlicht in Logistik Management, Germa Press Verlag / Hamburg, 2002, ISBN/ISSN 1436-6231
[Haar08] von Haaren, B. Konzeption, Modellierung und Simulation eines Supply-Chain-Risikomanagements, Dortmund, 2008
[Kuge13] Kugeler, M. Supply Chain Management und Customer Relationship Management - Prozessmodellierung für Extended Enterprises, veröffentlicht in Prozessmanagement: Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung, Ausgabe/Auflage 7, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2013
[Kumm12] Kummer, Sebastian Supply Chain Controlling, veröffentlicht in Controlling und Management, Ausgabe/Auflage Vol 45, Gabler, 2012/07/19, Online-Referenz doi:10.1007/BF03249581, ISBN/ISSN 1614-1822
[WeBa02a] Weber, Jürgen , Bacher, Andreas , Groll, Marcus Der Einsatz der Prozesskostenrechnung als Controlling Instrument im Rahmen des Supply Chain Management - ein Stufenmodell, veröffentlicht in Logistik Management, Germa Press Verlag / Hamburg, 2002, ISBN/ISSN 1436-6231
[West07] Westhaus, M. Supply Chain Controlling. Definition, Forschungsstand, Konzeption, Ausgabe/Auflage Auflage 1., Gabler, 2007, ISBN/ISSN 3835006665
Glossar
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?444056

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2019 03:10:18