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Grundlagen des Supply Chain Management

Erstellt am: 30.10.2014 | Stand des Wissens: 01.02.2017
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker

Die in der Praxis angewandten Konzepte des Supply Chain Managements (SCM) können beschrieben werden anhand ihrer allgemeinen Konfigurationen, der inner- und zwischenbetrieblichen Schnittstellen und der betrachteten Wertketten von der Quelle bis zur Senke. Das SCM zielt dabei darauf ab, kettenübergreifende Optimierungspotenziale zu erschließen und einhergehend die Wirtschaftlichkeit der unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsprozesse zu erhöhen. Daraus resultieren mehrere Unterziele, wie die Erhöhung des Serviceniveaus für die Endverbraucher, eine durchgängige Kostensenkung über alle Wertschöpfungsstufen hinweg und die Erhöhung der Anpassungs- und Entwicklungsfähigkeit der Unternehmen, die durch eine integrierte Planung und Steuerung der Supply Chain erreicht werden sollen. [Gada09, S. 318ff.]

Die Erhöhung des Serviceniveaus für die Endverbraucher zielt auf eine verstärkte Kundenorientierung ab. Alle logistischen Aktivitäten der gesamten Wertschöpfungskette werden dabei auf die Bedürfnisbefriedigung der Kunden ausgerichtet und werden durch die Absatzmöglichkeiten auf dem Markt für das jeweilige Produkt ausgelöst und gesteuert (Pull-Steuerung). Eine integrierte Planung, begleitet durch einen standardisierten, transparenten Datenaustausch der beteiligten Unternehmen soll hierzu beitragen. Damit einhergehend ist ein besserer Kundenservice, insbesondere durch eine bessere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit ein angestrebtes Ziel des SCM. Um dies zu erreichen, müssen die Lieferzeiten und somit auch die Durchlaufzeiten reduziert werden. [Göpf02, S. 33-36]

Auch die durchgängige Kostensenkung über alle Wertschöpfungsstufen hinweg ist Ziel des SCM. Aufgrund einer langfristigen, auf Vertrauen basierenden Zusammenarbeit soll eine Win-Win-Situation entstehen, durch die die Unternehmen sich den Erfolg teilen und von Synergieeffekten profitieren können. Durch aufeinander abgestimmte Prozesse und Produktionspläne und dem besseren Informationsaustausch durch einheitliche Software und Datenvorhaltungssysteme zwischen den einzelnen Kettengliedern, können Kosten gesenkt werden. Auch die Senkung der Transaktionskosten, die bei aufeinanderfolgenden Tätigkeiten anfallen, sollen gesenkt werden. Durch einen effizienten Einsatz von Informationstechnologien sollen Prozesse neu modelliert und dabei die Zahl der Schnittstellen reduziert werden. [Wern08a, S. 5f.]

Aufgrund sich ändernder Bedürfnisse der Nachfrager, immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen und eines beschleunigten technologischen Wandels, müssen Unternehmen ihre Anpassungsfähigkeiten ausbauen. Man erhofft sich unter anderem durch die Eliminierung von nicht wertschöpfenden Zwischengliedern und höherer Transparenz der Prozesse, eine höhere Systemflexibilität zu erzielen, um so auf Nachfrageänderungen schnell reagieren zu können. Beispielhaft hierfür ist die Beschleunigung des "Time-to-Market". Time-to-Market entspricht der Zeitspanne zwischen der Verabschiedung einer Produktidee und der Verfügbarkeit des produktionsfähigen Produktkonzeptes. Durch SCM soll die Fähigkeit eines beziehungsweise mehrerer Unternehmen erhöht werden, Produktvariationen oder Neuprodukteinführungen schnell umzusetzen. [Proc01, S. 45-55]

Eng verbunden mit den Zielen des SCM ist die Reduzierung des Bullwhip-Effektes. Der Bullwhip-Effekt beschreibt das Problem einer Nachfrageverzerrung und -aufschaukelung in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungssystemen. Dies bedeutet, dass bereits kleine Nachfrageänderungen auf der Einzelhandelsstufe großvolumige Schwankungen auf den nachgelagerten Versorgungsstufen verursachen. Ursächlich für die Nachfrageschwankungen sind das Vorhalten von lokalen Bestands- und Sicherheitsreserven, die Verzögerungen bei der Weitergabe von Kundenbestellungen beziehungsweise Bedarfsanforderungen an die Lieferanten sowie der Zeitverzug im Informationsfluss, so dass sich die Bestellmengen von den Endkunden, über den Handel, die Hersteller bis hin zu den Lieferanten und Vorlieferanten immer weiter aufschaukeln. Durch eine verbesserte Planungsgenauigkeit und schnellere Informationsweitergabe in der gesamten Supply Chain wird eine Reduzierung dieses Effektes angestrebt. [Baum08, S. 124 und Wern08a, S. 5f.]
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[Baum08] Baumgarten, H. Das Beste der Logistik, Ausgabe/Auflage Auflage 1., Springer / Berlin, 2008, ISBN/ISSN 3540784047
[Gada09] Andreas Gadatsch , Grundkurs Geschäftsprozess-Management: Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker., Ausgabe/Auflage 6, Vieweg+Teubner, Wiesbaden, 2009/11, ISBN/ISSN 3834807621
[Göpf02] Göpfert, Ingrid Einführung, Abgrenzung und Weiterentwicklung des Supply Chain Managements, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1.Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[Klau02] Klaus, Peter, Prof. Die dritte Bedeutung der Logistik: Beiträge zur Evolution logistischen Denkens, Ausgabe/Auflage Edition Logistik; Band 1, Deutscher Verkehrs-Verlag / Hamburg, 2002, ISBN/ISSN 3-87154-273-3
[Proc01] Prockl, G. Supply Chain Management als Gestaltung überbetrieblicher Versorgungsnetzwerke - Eine Verdichtung von Prinzipien zur "Strukturation" von Versorgungsnetzen und Ansätze zur theoretischen Hinterfragung, Ausgabe/Auflage Edition Logistik, Band 2, Deutscher Verkehrs-Verlag, Hamburg, 2001, ISBN/ISSN 3-87154-268-7
[Wern08a] Werner, Hartmut Supply Chain Management. Grundlagen, Strategien, Instrumente und Controlling, Ausgabe/Auflage 3, Gabler, 2008, ISBN/ISSN 3834905046
[Zeie02] Zeier, Alexander Abschlussbericht des FORWIN-Projekts: Identifikation und Analyse branchenspezifischer Faktoren für den Einsatz von Supply-Chain-Management-Software. Anwendungsbeispiele, Würzburg, 2002
Glossar
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.
Bullwhip-Effekt Der Bullwhip-Effekt bzw. die Forrester-Aufschaukelung beschreibt ein Phänomen, bei der bereits kleine Auftrags- und Lagerbestandsschwankungen auf Einzelhandelsstufe großvolumige Schwankungen auf den nachgelagerten Versorgungsstufen in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsketten verursachen. Die Gründe für diese unerwünschte Aufschaukelung bestehen insbesondere in der verzögerten Übermittlung und Verarbeitung der Auftragsinformationen, der verzögerten Fertigung und Auslieferung der Produkte sowie im Vorhalten von lokalen Bestands- und Sicherheitsreserven. Auf diese Weise werden Bestellmengen der Endkunden, über den Handel, die Hersteller bis hin zu den Lieferanten und Vorlieferanten immer weiter aufgeschaukelt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?439688

Gedruckt am Sonntag, 25. August 2019 02:18:32