Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Architekturen und technische Voraussetzungen für Gefahrguttelematik-Technologien

Erstellt am: 04.12.2013 | Stand des Wissens: 06.11.2017
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Aus technologischer Sicht sind die Grundlagen für eine fehlerfreie und sichere Datenübertragung und Datenbearbeitung im Sinne einer Informationstechnik (IT) -Architektur zu schaffen. Das gilt sowohl für die Leitzentralen als auch für die On-Board-Technik.
Die Entwicklung der Architekturen erfolgt unabhängig in verschiedenen Interessensgemeinschaften und Fachausschüssen der Normungsorganisationen. Daher sind die Architekturen noch nicht kohärent und abgestimmt.

Wie bei allen Technologie- und Software-Systemen sind auch in der Gefahrguttelematik Architekturen notwendig, um die Systeme und ihre Komponenten zu beschreiben. In der allgemeinen Intelligent Transport System (ITS) -Domäne gibt es bereits eine Vielzahl an Architekturen, die in vielerlei Hinsicht auch im Gefahrguttransport verwendet werden können. Im Rahmen des European ITS wird unter einer Rahmen-Architektur eine Reihe von hochkomplexen Prozeduren verstanden, die eine Integration von Anwendungen und Dienstleistungen ermöglichen. Architekturen umfassen in der Regel technische, organisatorische, rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte.
FRAME ist dabei ein Rahmenwerk und Leitfaden für die Entwicklung von ITS-Architekturen und wird als Grundlage für viele ITS-Architekturen verwendet. Aufgrund der einheitlichen Nutzung in Europa soll eine möglichst hohe Interoperabilität der einzelnen ITS gewährleistet werden. Die FRAME-Architektur (auch European (E) -Frame oder European ITS Framework Architecture genannt), welche aus dem "Keystone Architecture Required for European Networks" (KAREN) Projekt der Europäischen Union hervorgeht, ist die in Europa am weitesten verbreitete Architektur. Ihr amerikanisches Pendant ist die "United States National ITS Architecture".
Im Schienenverkehr bieten die Telematikanwendungen für "Fracht Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität" (TSI TAF) einige Architekturen an. Auch die electronical-Freight-Projekte nutzen Architekturen, die im Gefahrgutbereich Anwendung finden können.

Darüber hinaus gibt es einige Standards der "International Organization for Standardization" (ISO) mit einem Rahmen für Systemarchitekturen und Leitlinien für architekturbezogene Standardaufgaben, zum Beispiel die ISO 14813-1.
Aufgrund der hohen Anzahl an Akteuren und der großen Komplexität der Aufgabe ist gegenwärtig eine einheitliche Architektur schwer vorstellbar. Dennoch wird eine harmonisierte Nutzung einzelner Daten von allen Akteuren angestrebt [Albr12, S. 35]. Dazu gehört zum Beispiel die in [Albr13] entworfene und diskutierte Telematik-Systemarchitektur für den Einsatz eines elektronischen Beförderungspapiers zur Verbesserung des Notfallmanagements beim Gefahrguttransport.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gefahrguttelematik (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426262
Literatur
[Albr12] Albrecht Consult GmbH (Hrsg.) Studie zur Gefahrguttelematik - Schlussbericht, 2012/02
[Albr13] Albrecht Consult GmbH (Hrsg.) Telematik-Systemarchitektur für den Einsatz des elektronischen Beförderungspapiers und zur Verbesserung des Notfallmanagements bei der Beförderung gefährlicher Güter - Schlussbericht, 2013/07
Glossar
Telematik Der Begriff Telematik ist aus den Worten Telekommunikation und Informatik zusammengesetzt und bezeichnet Technologien, die Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik miteinander verknüpfen.
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
Technical Specification for Interoperability Die Technical Specification for Interoperability (TSI) machen für Teilsysteme bzw. Teile von Teilsystemen der transeuropäischen (Hochgeschwindikgkeits-)Eisenbahnsysteme Vorgaben, um deren grundsätzliche (technische) Eignung sowie die Kompabilität untereinander zu gewährleisten. Dabei handelt es sich um eine unionsrechtliche, technische Vorschrift der Europäischen Kommission.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?422935

Gedruckt am Mittwoch, 17. Juli 2019 05:18:09