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Beachtung stadtstruktureller, siedlungsstruktureller und sonstiger Randbedingungen in der Verkehrsentwicklungsplanung

Erstellt am: 14.08.2013 | Stand des Wissens: 11.07.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Wenn von Verkehrsentwicklungsplänen (VEP) die Rede ist, werden gemäß den Vorstellungen der EU (vgl. Sustainable Urban Mobility Plans) [Rupp12] und den Hinweisen [FGSV13] der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) integrierte Verkehrsplanungen auf hohem Niveau beschrieben. Doch nicht immer sind alle an sich wünschenswerten Untersuchungen leistbar und notwendig.
Je nach Typ und Größe des Planungsraumes sind die Ansprüche unterschiedlich, wie z. B. in [vgl. FGSV13, S. 39ff.]:
  • Flächengemeinden, Verwaltungsgemeinschaften und vergleichbaren kommunalen Strukturen
  • Klein- und (kleinen) Mittelstädten
  • Großstädten (und großen Mittelstädten)
  • Ballungsräumen
So verfügen kleine Städte und Gemeinden nicht über die finanziellen und personellen Ressourcen, um die notwendigen Daten für eine umfassende Verkehrsentwicklungsplanung zu erheben und mit Hilfe von rechnergestützten Verkehrsmodellen verarbeiten zu können. Sie müssen stattdessen auf qualitative Bewertungen zurückgreifen [FGSV13, S. 40]. Großstädte dagegen haben i. d. R. eigene Fachabteilungen, die über Verkehrsmodelle verfügen [FGSV13, S. 41].
Zudem unterscheiden sich die Anforderungen bzw. Zielvorstellungen. "Stehen bei kleinen Gemeinden mit mehreren Ortsteilen oft Fragen der Erreichbarkeit im ländlichen Raum und der Entwicklung sicherer Wegenetze im Vordergrund, sind es bei Mittelstädten eher Ortsumgebungen und verkehrsorganisatorische Fragestellungen im Kernbereich. In Großstädten und Ballungsräumen stehen vorrangig Aspekte der Mengenbewältigung (Staus, Engpässe) sowie der verkehrsbedingten Beeinträchtigung [...]" im Fokus [FGSV13, S. 38]. Unabhängig von der Größe des Planungsraumes sind koordinierende und strategische Verkehrsentwicklungsplanungen jedoch grundsätzlich immer empfehlenswert [FGSV13, S. 38 f.].

Abbildung 1 verdeutlicht den Einfluss der Größe des Planungsraumes auf das jeweilige Gewicht der statistischen bzw. der Maßnahmenebene.  In kleinen Gemeinden liegt der Bearbeitungsschwerpunkt i. d. R. auf der Maßnahmenebene, während in Ballungsräumen der strategische Teil von größerer Bedeutung ist. Exemplarisch werden im Bild für diese Ebenen typische Planungsaufgaben genannt [FGSV13, S. 21].

Gewicht von strategisch-konzeptioneller Ebene und Maßnahmenebene bei kleinen und großen PlanungsräumenAbb. 1: Gewicht von strategisch-konzeptioneller Ebene und Maßnahmenebene bei kleinen und großen Planungsräumen [FGSV13, S. 22] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Wichtig sind jedoch vor allem die regionalen Zusammenhänge in einem VEP. Obwohl die Planungshoheit an den Grenzen der Gemeinden endet, bestehen i. d. R. starke Verflechtungen z. B. zwischen Stadt und Region. Deshalb sind gemeinsame regionale Verkehrsentwicklungspläne zu empfehlen (vgl. horizontaler Integrationsaspekt) [FGSV13, S. 38 f.].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsentwicklungsplanung (Stand des Wissens: 11.07.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?415029
Literatur
[FGSV13] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Ahrens, G.-A., Beckmann, K. J., Fleischer, A., Gertz, C., Hubrich, S., Jansen, U., Kemming, H., Kleinwächter, E., Koch, M., Koppen, G.-F., Lorenz, K., Meißner, A., Noßwitz, U., Ohm, D., Ott, R., Polzin, G., Schnüll, R., Thiemann-Linden, J., Wagner, V., Waßmuth, V., Hinweise zur Verkehrsentwicklungsplanung, Ausgabe/Auflage 2013, FGSV-Nr. 162, FGSV Verlag, Köln, 2013, ISBN/ISSN 978-3-86446-058-6
[Rupp12] Rupprecht Consult - Forschung und Beratung GmbH The State-of-the-Art of Sustainable Urban Mobility Plans in Europe, 2012/09
Weiterführende Literatur
[Ahrens08] Ahrens, G.-A. Integrierte VEP - Anspruch und Wirklichkeit, veröffentlicht in Jubiläumsband "100 Jahre DVWG 1908 bis 2008, Sonderheft der Zeitschrift Internationales Verkehrswesen, DVV Media Group, Berlin, 2008

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?414973

Gedruckt am Montag, 10. August 2020 18:00:16