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Evaluation in der Verkehrsentwicklungsplanung

Erstellt am: 02.08.2013 | Stand des Wissens: 11.07.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Um im Rahmen eines Qualitätsmanagements sowohl die Qualität des Planungsprozesses als auch dessen umgesetzte Maßnahmen bewerten zu können, ist eine Auseinandersetzung mit den Methoden der Evaluation notwendig.
Der Ursprung der Evaluationsforschung in Deutschland liegt in den sozialwissenschaftlichen Bereichen, wie z. B. den Erziehungswissenschaften und der Psychologie, aber auch bei der Wirksamkeitskontrolle von Ausbildungs- und Trainingskonzepten der Wirtschaft [StoMey09, S. 30].
In der Verkehrsplanung wurde die Wirkungskontrolle bereits im "Leitfaden für Verkehrsplanungen" [FGSV01c] empfohlen und im Verkehrsplanungsprozess als fester Bestandteil der Umsetzung vorgesehen. Die Praxis beschränkte sich im Wesentlichen jedoch auf eine spezielle Form der Evaluation, bei der bereits vor der Maßnahmenumsetzung (Ex-ante-Evaluation), anhand von Modellen, die möglichen Wirkungen der Maßnahmen abgeschätzt und bewertet werden (Szenarienbewertung). Eine Kontrolle der angenommenen Wirkungsmodelle und der tatsächlichen langfristigen Wirkungen ist jedoch nur durch eine Evaluation nach der Umsetzung (Ex-post-Evaluation) realisierbar. Diese wird aber kaum durchgeführt [FGSV13, S. 29 f.].
Die "Hinweise zur Evaluation von verkehrsbezogenen Maßnahmen" [FGSV12b] und die "Hinweise zur Verkehrsentwicklungsplanung" [FGSV13] stellen die Evaluation als gestaltendes Instrument der Verkehrsplanung heraus, wonach die regelmäßige Evaluation zu einem effizienten und kontinuierlich betriebenen Planungsprozess beiträgt. Hinzu kommt, dass dadurch Maßnahmen besser legitimiert werden. Laut [FGSV12b, S. 6] können folgende Evaluationsziele erreicht werden:
  • Zielerreichungskontrolle
  • Wirkungskontrolle
  • Wirtschaftlichkeitskontrolle
  • Erfahrungstransfer
Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) unterscheidet bei der Evaluation in Planungsprozessen zwei Ansätze:
  1. die Prozessevaluation, die speziell die Arbeitsabläufe des Planungsprozesses prüft, ob "[...] die vorher definierten Ziele bezüglich Dauer, Prozessablauf, Beteiligung und Akzeptanz verfolgt und erreicht wurden" [FGSV13, S. 30]
  2. die Wirkungsevaluation, welche mit den festgelegten Zielen und den Erhebungsergebnissen einen klassischen Soll-Ist-Vergleich durchführt
Im Gegensatz zum Monitoring hinterfragt eine Evaluation jedoch auch die Ergebnisse des Vergleichs und bietet damit im Rahmen eines Qualitätsmanagements wiederum die Grundlage für Konsequenzen hinsichtlich der Maßnahmengestaltung.
Die Herausforderung bei der Durchführung einer Wirkungsevaluation von Verkehrsplanungen besteht darin, den Maßnahmen oder zumindest den Maßnahmenbündeln möglichst genau die beobachteten Wirkungen zuzuordnen und damit den Nettoeffekt zu ermitteln (s. Abbildung 1).

Zusammensetzung des Bruttoeffektes der MaßnahmenAbb. 1: Zusammensetzung des Bruttoeffektes der Maßnahmen [FGSV12b, S. 17]

Nur so ist es möglich, sachgerecht Konsequenzen hinsichtlich weiterer Maßnahmen zu ziehen. Während der Designeffekt durch stets gleiche Messinstrumente minimiert werden kann, sind die externen Störfaktoren nur zuverlässig durch Vergleichsgruppendesigns zu isolieren. Diese sind im Falle der Verkehrsentwicklungsplanung jedoch kaum anwendbar, da dafür Städte mit exakt gleichen Bedingungen gefunden werden müssen [FGSV12b, S. 18f.]. Um dennoch annähernd den Nettoeffekt darstellen zu können, ist ein umfangreiches Monitoring mit häufigen Erhebungen (Zeitreihenanalyse) notwendig. Bei der Anwendung derartiger Untersuchungsdesigns muss jedoch auf "[...] die eingeschränkte Aussagekraft hinsichtlich der Nettoeffekte und möglicher verzerrender Einflüsse [...]" [FGSV12b, S. 20] hingewiesen werden [FGSV12b, S. 20].
"Es darf nicht der Anschein erweckt werden, dass die Anwendung einer einfachen Zeitreihenbetrachtung oder eines Vorher-Nachher-Vergleiches präzise Aussagen zu den alleinigen Wirkungen der Maßnahme erlaubt" [FGSV12b, S. 20].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsentwicklungsplanung (Stand des Wissens: 11.07.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?415029
Literatur
[FGSV01c] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Leitfaden für Verkehrsplanungen, FGSV Verlag, Köln, 2001
[FGSV12b] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise zur Evaluation von verkehrsbezogenen Maßnahmen, Ausgabe/Auflage Ausgabe 2012, FGSV Verlag, Köln, 2012, ISBN/ISSN 978-3-86446-000-5
[FGSV13] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Ahrens, G.-A., Beckmann, K. J., Fleischer, A., Gertz, C., Hubrich, S., Jansen, U., Kemming, H., Kleinwächter, E., Koch, M., Koppen, G.-F., Lorenz, K., Meißner, A., Noßwitz, U., Ohm, D., Ott, R., Polzin, G., Schnüll, R., Thiemann-Linden, J., Wagner, V., Waßmuth, V., Hinweise zur Verkehrsentwicklungsplanung, Ausgabe/Auflage 2013, FGSV-Nr. 162, FGSV Verlag, Köln, 2013, ISBN/ISSN 978-3-86446-058-6
[StoMey09] Stockmann, R., Meyer, W. Evaluation, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Budrich Verlag, Opladen, 2009/12, ISBN/ISSN 978-3-8252-8337-7
Weiterführende Literatur
[Ahrens08] Ahrens, G.-A. Integrierte VEP - Anspruch und Wirklichkeit, veröffentlicht in Jubiläumsband "100 Jahre DVWG 1908 bis 2008, Sonderheft der Zeitschrift Internationales Verkehrswesen, DVV Media Group, Berlin, 2008

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?413986

Gedruckt am Mittwoch, 5. August 2020 15:12:43