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Verminderung spezieller Zugangshemmnisse

Erstellt am: 27.02.2013 | Stand des Wissens: 14.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König

Für verschiedene Nutzergruppen reichen die allgemeinen Informationen über das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nicht aus. Sie benötigen gezielte Informationen oder persönliche Hilfe zur Verminderung spezieller Zugangshemmnisse. Immer häufiger werden von Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbünden und Aufgabenträgern verschiedene zielgruppenorientierte Angebote unterbreitet. Angeführt seien Kinder, Senioren und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
Insbesondere für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind Detailinformationen über Art und Umfang vorhandener Hindernisse und Schwierigkeiten auf der gesamten Reisekette erforderlich, um vorab selbst entscheiden zu können, ob sie eine Route trotz Erschwernissen entsprechend ihrer Einschränkung bewältigen können [Stuva12].
Wesentliche Informationen für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bieten meist die Internetseiten der jeweiligen Verkehrsunternehmen. Fahrgäste des Zweckverbandes Verbund Bremen/Niedersachsen (VBN) können sich dort beispielsweise ganz gezielt über die Ausstattung aller Bahnhöfe und deren Umgebung über sogenannte Stationssteckbriefe informieren. Dort wird ausgehend vom Bahnsteig und den Bahnsteigzuwegungen mit Hilfe von Plänen, Fotos und Luftbildaufnahmen sowie Informationstabellen detailliert über die Ausstattung mit  Automaten, Aufzügen, Fahrgastunterständen etc. informiert [BauKe09]. Wesentliche Details sind lagegenau dargestellt. Grundsätzlich erscheinen zu jeder Station folgende Inhalte:
  • Allgemeine Informationen
  • Bahnsteige
  • Empfangsgebäude
  • Vorplatz und Bahnhofsumfeld
  • Verknüpfungen zum ÖPNV oder zum ruhenden Verkehr  (Parkplätze, Fahrradabstellanlagen)
Gedruckte Faltblätter und Broschüren wie zum Beispiel der Haltestellen-Atlas der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) für Rollstuhlfahrer [DVB13] liefern zusammengefasst wichtige und detaillierte Hinweise. Damit kann in Verkaufs- und Servicestellen auf diese Angebote aufmerksam gemacht werden und die Nutzer können für sie relevante Informationen in einer kompakten Form ständig verfügbar bei sich tragen [Stuva12].
Weiterhin gibt es auch Stadtführer und -pläne, die von den Gemeinden oder Behindertenorganisationen für bestimmte Zielgruppen herausgegeben werden und Detailinformationen über den ÖPNV-Zugang enthalten.
Sensorisch beeinträchtigte Menschen sollten durch das 2-Sinne-Prinzips berücksichtigt werden. Die Bedeutung von ertastbaren, taktilen Fahrplaninformationen für Sehbehinderte nimmt jedoch aufgrund der inzwischen nutzbaren technischen Hilfsmittel, wie Smartphones mit Sprachausgabe, ab [Stuva12].
Schließlich bieten viele Verkehrsunternehmen Begleitdienste für ältere Menschen und behinderte oder mobilitätsbeeinträchtigte Personen an. Diese Kunden werden auf Wunsch von der Haustür bis zum Ziel und zurück durch geschultes Personal begleitet und beispielsweise bei der Bedienung von Fahrausweisautomaten sowie beim Ein- und Aussteigen unterstützt. Außer den Ticketkosten treten in der Regel dabei für den Fahrgast keine weiteren Kosten auf. Auch Körperschaften oder Landkreise können diesen Service anbieten. So ist auf Initiative des Kreises Unna ein Gemeinschaftsprojekt unter den Namen "VKU Tandem" von der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU), der ARGE Kreis Unna und vom Kreis selbst entwickelt und auch finanziert worden, bei dem ehemals Langzeitarbeitslose die bedürftigen Fahrgäste bei der Nutzung des ÖPNV begleiten [Unna13].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Zugangsstellen und -wege zum ÖPNV (Stand des Wissens: 15.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?409212
Literatur
[BauKe09] Baute, Stephan, Kerkhoff, Ralf Fahrgastinformation per Steckbrief, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Albaverlag Düsseldorf, 2009/11
[DVB13] Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) DVB-Haltestellenatlas für Rollstuhlfahrer, Ausgabe/Auflage 01.10.2012, 2013
[Stuva12] Boenke, Dirk Dr.-Ing., Girnau, Günter Prof. Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h., u.a. Barrierefreier ÖPNV in Deutschland, Ausgabe/Auflage 2., vollständig überarb. und erw. Aufl., Düsseldorf / Alba Fachverlag, 2012/08, ISBN/ISSN 978-3-87094-4
[Unna13] Kreis Unna , Der Landrat (Hrsg.) VKU-Tandem-ÖPNV-Begleitservice für Senioren, 2013/02/27
Glossar
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?405978

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 17:41:27