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Demografische Entwicklung und Entwicklung der Mobilität im Alter

Erstellt am: 05.10.2012 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Nach [CoLN11] wird sich die Altersstruktur der Bevölkerung in den Industrieländern in den nächsten vier Jahrzehnten stark ändern. Im Jahr 2060 wird etwa jeder Dritte 65 Jahre oder älter sein (31,7 Prozent der Gesamtbevölkerung). Ein noch höherer Anstieg in diesem Zeitraum ist für Personen über 80 Jahre zu erwarten. Der Anteil der Altersgruppe der 80-Jährigen und älter wird sich in den Industrieländern von vier Prozent im Jahr 2010 auf 12,3 Prozent im Jahr 2060 erhöhen [Stat15g].

Die zunehmende Alterung und der anhaltende Geburtenrückgang sind auch in Deutschland Inhalt aktueller politischer sowie gesellschaftlicher Debatten. Neben wirtschaftlichen sowie finanziellen Auswirkungen des demografischen Wandels wird auch verstärkt die Verkehrssicherheit älterer Menschen thematisiert. Für Deutschland wird der Anstieg des Anteils der über 80-Jährigen bis 2050 auf 17 Prozent der Bevölkerung, bezogen auf das Basisjahr ab 2008, vorausgeschätzt [destatis09c].

Zugleich waren ältere Menschen noch nie so mobil. Sie sind es zunehmend mit ihrem eigenen Pkw. Zusätzlich macht sich im Straßenverkehr bemerkbar, dass derzeit die ersten Generationen in den Ruhestand gehen, die ihr Leben lang Auto gefahren sind und die, die Fahrt mit dem eigenen Pkw im Alter weder missen möchten oder oft auch nicht können: Sie haben ihr Leben darauf eingestellt und sind es gewohnt, Auto zu fahren. Zwei Facetten des gesellschaftlichen Wandels wirken hier zusammen: Die alternde Gesellschaft und die gerade bei den älteren Bevölkerungssegmenten noch weiter zunehmende mobile Gesellschaft [Schlag08]. Die Gründe hierfür sind unter anderem die steigende Lebenserwartung sowie verbesserte medizinische Möglichkeiten und dadurch auch ein tendenziell besserer Gesundheitszustand im Alter. Insbesondere auch das zunehmende Vorhandensein eines Führerscheins und die Pkw-Verfügbarkeit sowie verkehrsaufwendigere Lebensweisen führen dazu, dass die Zahl der Wege weiter steigt. Die heutige Generation der 65-Jährigen und älter behält länger ihren Führerschein und legt mehr Kilometer zurück als frühere Kohorten [Berry11].

Charakteristisch für das Mobilitätsverhalten, speziell älterer Kraftfahrer, ist zum einen die Reduktion der Gesamtfahrleistung [KuJa09]. Zum anderen meiden sie für sie risikoreiche Situationen, beispielsweise fahren ältere Autofahrer seltener bei schlechten Wetterbedingungen, während des Berufsverkehrs oder bei Nacht [Ball98; Schlag08]. Diese Erkenntnisse stehen im Einklang mit dem Modell der Selektiven Optimierung durch Kompensation (SOK) [BalBal90]. Studien zeigen, dass ältere Menschen über psychologische Kompetenzen verfügen, um mit den altersbedingten Leistungseinbußen ausgleichend umzugehen und ihre Fahrtenhäufigkeit sowie ihr Fahrmuster den wahrgenommenen altersbedingten Veränderungen anzupassen [Schlag08].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilität älterer Menschen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?399136
Literatur
[BalBal90] Baltes, P. B., Baltes, M. M. Psychological perspectives on successful aging: The model of selective optimization with compensation, veröffentlicht in Successful aging: Perspectives from the behavioral sciences, Cambridge University Press, New York, 1990, ISBN/ISSN 9780521374545
[Ball98] Ball, K., Owsley, C., Stalvey, B., Roenker, D. L., Sloane, M. E., Graves, M. Driving avoidance and functional impairment in older drivers, veröffentlicht in Accident Analysis & Prevention, Ausgabe/Auflage 30 (3), 1998
[Berry11] Berry, C. Driving in later life: options for reform, London, 2011
[CoLN11] Colombo, F., Llena-Nozal, A., Mercier, J., Tjadens, F. Help Wanted? Providing and Paying for Long-Term Care, 2011
[destatis09c] o.A. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung - Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Wiesbaden, 2009/11/18
[KuJa09] Kubitzki, J., Janitzek, T. Sicherheit und Mobilität älterer Verkehrsteilnehmer, München, 2009
[Schlag08] Schlag, B. (Hrsg.) Leistungsfähigkeit und Mobilität im Alter, veröffentlicht in Reihe "Mobilität und Alter" der Eugen-Otto-Butz Stiftung , Ausgabe/Auflage Band 03, Köln Verlag TÜV Rheinland, 2008, ISBN/ISSN 978-3-8249-1151-6
[Stat15g] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Bevölkerung Deutschlands bis 2060 - 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, 2015
Weiterführende Literatur
[SchBeck13] Beckmann, K. J. (Hrsg.), Boltze, M., Engeln, A., Gies, J., Ivisic, O., Johannsen, H., Moritz, J., Müller, G., Poschadel, S., Scheiner, J., Schlag, B. (Hrsg.), Schulze, C., Siegmann, J., Spellerberg, A., Stölzle, W., Topp, H., Weller, G. Mobilität und demografische Entwicklung, veröffentlicht in Reihe "Mobilität und Alter" der Eugen-Otto-Butz Stiftung , Ausgabe/Auflage Band 07, TÜV Media, TÜV Rheinland, Köln, 2013, ISBN/ISSN 978-3-8249-1757-0

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?399075

Gedruckt am Sonntag, 9. August 2020 00:45:42