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Ältere Radfahrer und deren Nutzungsansprüche

Erstellt am: 04.10.2012 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Ältere Radfahrer sind im Gegensatz zu Fußgängern im Straßenverkehr stärker gefährdet. Bei Senioren als Radfahrer ist das verkehrsleistungsbezogene Risiko um das 1,4-fache und das Todesrisiko um das 5,8-fache größer als bei der Personengruppe der 25- bis 64-Jährigen. Dabei gelten ältere Radfahrer nicht häufiger (jedoch auch nicht weniger) als Hauptverursacher eines Regelverstoßes als andere Altersgruppen. Die Unfallverursacher sind meist motorisierte Fahrzeugführer [Li05, S. 6 f.].

Folgende Maßnahmen sind ein Beitrag zur Verbesserung der Mobilitätsbedingungen von Radfahrern und können auch die Verkehrssicherheit von Senioren verbessern [Li05, S. 6 f.]:
  • verkehrsplanerische Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrssicherheit (u. a. Schaffung eines möglichst lückenlosen Netzes von Radverkehrsanlagen nach dem Stand der Wissenschaft, Gewährleistung der Sichtbeziehungen zwischen Radfahrern und dem motorisierten Individualverkehr),
  • Durchsetzung von Halte- und Parkverbot auf Radverkehrsanlagen (ggf. polizeiliche Überwachung),
  • stadtverträgliche Geschwindigkeit des Pkw-Verkehrs (ggf. polizeiliche Überwachung),
  • Durchsetzung der Schutzhelmpflicht,
  • seniorengerechtes Risikomanagement im Radverkehr (z. B. sicherer Richtungswechsel beim Linksabbiegen, Trockenübungen) sowie
  • Aufklärung anderer (insbesondere motorisierter) Verkehrsteilnehmer über Besonderheiten von älteren Radfahrern.

Als weitere wichtige Maßnahme gilt die Wissensvermittlung, insbesondere bezüglich der [GDV10b, S. 24 ff.]:
  • verkehrssicheren Ausstattung des Fahrrades (Bremsen, Licht, Bereifung),
  • verkehrssichere Bekleidung beim Radfahren (insbesondere bei schlechter Witterung und Sicht auf Sichtbarkeit sowie auf uneingeschränkte Beweglichkeit achten) sowie
  • beim Fahrradkauf (Anpassung des Fahrrades an den Menschen und dessen Bedürfnisse, z. B. bezüglich Ergonomie, Komfort, Sicherheit) und
  • der Bedeutung von Erholungszeiten, angemessene Fahrtgeschwindigkeit und Belastungsintensität.

Künftig werden die Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität - insbesondere für ältere Menschen - und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Netzplanung und Nutzung von Radverkehrsanlagen stärker zu berücksichtigen sein.

Mit Pedelecs bietet der Fahrradmarkt neue Entwicklungspotenziale. "Da für das Fahren von Pedelecs weniger Kraftaufwand erforderlich ist als bei herkömmlichen Fahrrädern, sind Pedelecs vor allem für ältere Menschen interessant" [BMVBW02c, S. 46]. Im Jahr 2011 wurden bereits 310.000 dieser Fahrzeuge verkauft. Insgesamt 24 % der Personen, welche einen Fahrradneukauf planen, erwägen den Kauf eines Pedelecs. In der Gruppe der Über-60-Jährigen erwägen dies sogar 54 % [BMVBW02c, S. 46].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Ansprüche älterer Verkehrsteilnehmer an die Infrastruktur / Verkehrsraumgestaltung (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?399156
Literatur
[BMVBW02c] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Nationaler Radverkehrsplan 2002-2012, 2002/04
[GDV10b] Degener, S., Freiberger, E.; Hendrich, S., Moderatorenhandbuch. Trainingsprogramm für Fahrradsicherheit und sicheres Rad fahren im Alter. , 2010
[Li05] Limbourg, M. Ansätze zur Verbesserung der Mobilitätsbedingungen für ältere Menschen im Straßenverkehr, veröffentlicht in in motion 2: Humanwissenschaftliche Beiträge zur Verkehrssicherheit und Ökologie des Verkehrs, 65PLUS - MIT AUTO MOBIL?, AFN und INFAR, Köln und Salzburg, 2005, ISBN/ISSN 3-9502010-1-7
Weiterführende Literatur
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Elektromobilität
Die Elektrifizierung der Antriebe durch Batterie- und die Brennstoffzellentechnologien. Im Kontext des "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" wird der Begriff auf den Straßenverkehr begrenzt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Personenkraftwagen (PKW) und leichte Nutzfahrzeuge, ebenso werden aber auch Zweiräder (Elektroroller, Elektrofahrräder) und Leichtfahrzeuge einbezogen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?399050

Gedruckt am Dienstag, 16. Juli 2019 20:23:00