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Unfalldaten älterer Verkehrsteilnehmer

Erstellt am: 28.09.2012 | Stand des Wissens: 08.10.2020
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Verkehrssicherheit von älteren Menschen kann anhand von Unfalldaten beurteilt werden. Hierfür wurden die von dem Statistischen Bundesamt bereitgestellten Daten über die Straßenverkehrsunfälle von Deutschland des Jahres 2018 ausgewertet.

In der Abbildung 1 sind die Beteiligte bei Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden nach Altersgruppen dargestellt. Es wird deutlich, dass die höchste Beteiligung bei den 25- bis 45-Jährigen vorliegt und dann kontinuierlich mit zunehmendem Alter abnimmt. Demnach haben die älteren Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr, neben der Gruppe der unter 15-Jährigen, einen der geringsten Anteile an der Gesamtanzahl der an einem Verkehrsunfall mit Personenschaden.
Abbildung 1: Beteiligte im Jahr 2018 bei Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden nach Altersgruppe (eigene Darstellung nach [Dest19c], S. 34)
Die Differenzierung nach Altersgruppen der Hauptverursacher von Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden ist in der Abbildung 2 dargestellt. Die Verteilung der Anteile ähnelt der der Beteiligten. Auch hier haben die unter 15-Jährigen den geringsten Anteil aller Altersgruppen. Der höchste Anteil besteht wieder bei den 25- bis 45-Jährigen. Der Anteil nimmt mit zunehmendem Alter ab, so dass die älteren Menschen einen der geringsten Anteile haben.

Abbildung 2: Hauptverursacher*innen bei Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden nach Altersgruppen (eigene Darstellung nach [Dest19c], S. 35)
Der Abbildung 3 sind die Anteile der Fehlverhalten der Fahrzeugführer*innen nach Altersgruppen sowie Geschlecht zu entnehmen, die zu einem Straßenverkehrsunfall mit Personenschaden geführt haben. Unter Fehlverhalten der Fahrzeugführer versteht man: Verkehrstüchtigkeit, falsche Straßenbenutzung, nicht angepasste Geschwindigkeit, Nichtbeachtung der Vorrangregelungen und weiteres. Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren sind Vorfahrtsfehler, Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Ausfahren [DVV16]. Auch hier ergeben sich die gleichen Proportionen wie bei der Abbildung 1 und bei der Abbildung 2. Die 25- bis 45-jährigen Fahrzeugführer erweisen mit insgesamt 83.995 Fehlverhalten in dem Jahr 2018 den höchsten Anteil. Dieser nimmt auch hier mit zunehmendem Alter ab, so dass die 65-Jährigen und hochbetagten Fahrzeugführer mit 39.782 Fehlverhalten in demselben Jahr den geringsten Anteil haben [Dest19c]
Abbildung 3: Fehlverhalten der Fahrzeugführer bei Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden nach Altersgruppen und Geschlecht (eigene Darstellung nach [Dest19c], S. 40)
Ältere Menschen haben aus statistischer Sicht sowohl als Beteiligte, als Hauptverursacher und hinsichtlich des Fehlverhaltens von Fahrzeugführern im Vergleich zu den anderen Altersgruppen den geringsten bzw. neben der Altersgruppe der unter 15-Jährigen den zweitgeringsten Anteil. Dies ist jedoch vielmehr auf eine geringere aktive Verkehrsteilnahme von älteren Menschen als Kraftfahrer zurückzuführen. Setzt man die Unfallraten ins Verhältnis zur Anzahl der Führerscheininhaber jeder Altersgruppe, ergibt sich eine Badewannenfunktion. Diese zeigt, dass die Fahranfänger die höchsten Unfallraten aufweisen und diese erst ab einem Alter von 65 Jahren wieder ansteigen [Shi07].
Betrachtet man die Anzahl der Getöteten bei Straßenverkehrsunfällen, ergibt sich ein eher negatives Bild älterer Menschen im Straßenverkehr. Im Jahr 2018 waren von 3275 im Straßenverkehr getöteten Personen 1045 Personen im Alter von 65 Jahren und mehr [Dest19c, S. 30]. Die Entwicklung der Gesamtunfallzahlen und der Anteil älterer verunglückter Verkehrsteilnehmer an der Gesamtanzahl der Verunglückten lässt einen eher ungünstigen Verlauf der Verkehrsunfallzahlen bei Senioren erkennen. Dieser Verlauf ist in der Abbildung 4 abgebildet. Während im Jahr 2008 nur jeder 23,8 Prozent Unfallbeteiligte über 65 Jahre alt waren, waren im Jahr 2018 bereits 31,9 Prozent Unfallbeteiligte 65 Jahre alt und mehr [DVR17, DVR17a].

Abbildung 4: Entwicklung der Zahl tödlich verunglückter Senioren und aller bei Straßenverkehrsunfällen von 1998 bis 2018 in Deutschland tödlich verunglückten Personen (eigene Darstellung nach [DVR17], [DVR17a])
Bei älteren Menschen ist eine der häufigsten Art der Verkehrsbeteiligung die als Fußgänger. Daher ist eine Betrachtung der bei einem Straßenverkehrsunfall getöteten Fußgänger differenziert nach den Altersgruppen sinnvoll. Dies ist in der Abbildung 5 dargestellt.

Abbildung 5: Getötete Fußgänger bei Straßenverkehrsunfällen nach Altersgruppe (eigene Darstellung nach [Dest19c], S. 30)
Aus der Grafik wird deutlich, dass die Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren mit 56,3 Prozent den höchsten Anteil aufweisen. Demnach ist mehr als jeder zweite im Straßenverkehr getötete Fußgänger 65 Jahre und älter.

Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilität älterer Menschen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?399136
Literatur
[Dest19c] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Verkehrsunfälle - Unfälle von Frauen und Männern im Straßenverkehr 2018, 2019/12/09
[DVR17] Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (Hrsg.) Ältere Verkehrsteilnehmer - Unfallgeschehen für ausgewählte Altersgruppen, 2017
[DVR17a] Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (Hrsg.) Unfallstatistik aktuell - Langfristige Entwicklung, 2017
[DVV16] Deutsche Verkehrswacht (DVW) e.V. (Hrsg.) Senioren - Unfallstatistik, 2016
[Shi07] Shinar, D. Traffic Safety and Human Behavior, Emerald Group, 2007
Weiterführende Literatur
[Sch07] Schönebeck, S. Entwicklung von Unfallzahlen und Jahresfahrleistungen in Deutschland, Bergisch-Gladbach, 2007
[DVR19a] Heer, Erhard Mit dem Fahrrad oder dem Pedelec unterwegs, 2019
[RWTH19] Initiative für sichere Straßen GmbH, Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr, RWTH Aachen, PTV Planung Transport Verkehr AG, Team Verkehrswissenschaft & Verkehrspsychologie der Deutschen Hochschule der Polizei, DTV-Verkehrsconsult GmbH (Hrsg.) Sicherere Straßen durch Früherkennung von Gefahrenstellen, 2019/07/19
[DVR19] Hoppe, Dennis sicher mobil, 2019
[ElVa04] Elvik, R., Høye, A., Sørensen, M., Vaa, T. The Handbook of Road Safety Measures, Ausgabe/Auflage Vol. second edition, Bingley. Emerald Publishing. Amsterdam, 2004
[destatis10b] Statistisches Bundesamt Verkehr. Verkehrsunfälle 2010, Ausgabe/Auflage Fachserie 8 Reihe 7, Wiesbaden, 2011/07/06
[destatis10c] Statistisches Bundesamt Verkehrsunfälle Zeitreihen 2009, 2010

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?398807

Gedruckt am Dienstag, 29. November 2022 06:32:57