Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Luft- und Klimabelastung durch Güterverkehr

Erstellt am: 08.04.2003 | Stand des Wissens: 30.08.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Der Verkehr hatte im Jahr 2018 einen Anteil von 19,41 Prozent an den erzeugten Treibhausgasemissionen in Deutschland [BMU19]. Im Vorjahr waren es 18,53 Prozent, wobei hierbei alleinig der Straßenverkehr bereits für 17,85 Prozent der verkehrlichen CO2-Emissionen verantwortlich war. Insgesamt hat sich die Klimabilanz Deutschlands seit den 1990er Jahren verbessert. In dem Zeitraum von 1990 bis 2014 wurden die Kohlendioxidemissionen um 27,8Prozent gesenkt, anschließend stiegen die Emissionen wieder leicht an, sodass die Minderung im Jahr 2017 gegenüber 1990 nur noch 27,5 Prozent betrug [Uba16b, S.71; Uba18]. Dieser Anstieg wird neben der konjunkturbedingt mehr Treibhausgase ausstoßenden Industrie vor allem auf den wachsenden Straßenverkehr und die dadurch gestiegenen Emissionen im Verkehrssektor zurückgeführt [Uba19e].

Durch einen Wiederanstieg der Verkehrs- und Fahrleistung sowie durch den Rückgang der eingesetzten Biokraftstoffe lagen die CO²-Emissionen im Straßenverkehrssektor im Jahr 2017 mit 160,1 Millionen Tonnen deutlich über dem Ausgangsniveau von 1990 (152 Millionen Tonnen). Im Vergleich zum Jahr 2016sind die CO²-Emissionen damit um 2,09 Millionen Tonnen angestiegen. Nach ersten Schätzungen sanken die Emissionen im Verkehrsbereich im Jahr 2018 um rund 5 Millionen Tonnen bzw. 2,9 Prozent, was mit den gestiegenen Preisen für Diesel und Benzin erklärt wird [BMU19a].

Der Straßengüterverkehr hatte im Jahr 2016 einen Anteil von 32,4 Prozent (51 315 Millionen Tonnen) an den CO²-Emissionen des Straßenverkehrs [Destatis18f]. Allgemein verteilen sich die durch den Verkehr in Deutschland verursachten CO²-Emissionen zu 58 Prozent auf den motorisierten Individualverkehr, zu 30 Prozent auf den Güterverkehr und zu knapp 10 Prozent auf den Luftverkehr [Stat13f, Uba18].
Die Verkehrsmittel verursachen gemessen pro Tonnenkilometer unterschiedlich viel Treibhausgas-, Stickstoffoxid- und Feinstaub-Emissionen (siehe Abbildung 1). Die Güterbahn weist dabei die beste Klimabilanz auf. Das Binnenschiff emittiert pro Tonnenkilometer zwar nur rund ein Drittel der Treibhausgase im Vergleich zum Lkw, jedoch sind die Werte bei Stickstoffoxiden und Feinstaub höher.
Bild_ID_39787.JPGAbb. 1: Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel für das Bezugsjahr 2017 in Gramm pro Tonnenkilometer, eigene Darstellung nach [UBA18b] (Emissionen aus der Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger in Strom, Benzin und Diesel sind berücksichtigt) 
Das Flugzeug weist im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln die schlechteste Klimabilanz auf. Dies wird insbesondere bei der Betrachtung des durchschnittlichen Energieverbrauchs pro Verkehrsaufwand der unterschiedlichen Verkehrsmittel deutlich. Der Energieverbrauch pro Verkehrsaufwand im Güterverkehr beschreibt die Energie mit der Güter transportiert werden und wird auch als spezifischer Energieverbrauch bezeichnet. Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, ist der spezifische Energieverbrauch des Flugzeugs rund achtmal höher als der spezifische Energieverbrauch des Lkw und rund 35-mal höher als beim Güterzug [Uba18a]. Dementsprechend hatte der Luftverkehr 2017 zwar nur einen Anteil von 0,23 Prozent an der Güterverkehrsleistung in Deutschland, jedoch lag der Anteil am Energieverbrauch bei 15,4 Prozent [BMVI18s]. Der Anteil des gesamten Verkehrs am Energieverbrauch in der Bundesrepublik lag 2017 bei 29,5 Prozent [BMVI18s].

KlimaSpezifischerEnergieverbrauch1.pngAbb. 2: Entwicklung des spezifischen Energieverbrauchs im Güterverkehr bis zum Jahr 2017 [Uba18a] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Knapp 40 Prozent der Stickstoffoxide (NOx-Emissionen) in Deutschland werden durch den Straßenverkehr verursacht. Fortschritte in der Abgasreinigung haben dazu beigetragen, die NOx-Belastung durch den Verkehr zu reduzieren. Im Jahr 2002 hatte der Verkehr noch einen doppelt so hohen Anteil (989 Tausend Tonnen) an den Stickstoffoxiden wie im Jahr 2016 (486 Tausend Tonnen) [BMVI18s].

Der Anteil der Feinstaubbelastung des Verkehrs in Deutschland lag 2016 bei 14,7 Prozent, wovon der Straßenverkehr bereits für 11,8 Prozent der Feinstaubbelastung des Verkehrs verantwortlich ist [BMVI18s].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 30.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[BMU19] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) Treibhausgasemissionen in Deutschland 2018 nach Gas und Kategorie, 2019/04/04
[BMU19a] Umweltbundesamt , Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) Klimabilanz 2018: 4,5 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, 2019/04/02
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[Destatis18f] Statitsisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) Umweltnutzung und Wirtschaft, 2018/09/19
[Stat13f] statista. Das Statistik-Portal (Hrsg.) Verteilung der CO2-Emissionen durch den deutschen Verkehr im Jahr 2013 nach Verkehrsträgern, 2013
[Uba16b] Strogies, Michael, Gniffke, Patrick Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2016, 2016/04, ISBN/ISSN 1862-4359
[Uba18] Gniffke, Patrick Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen - Fassung zur EU-Submission 15.01.2018, 2018/01
[Uba18a] Umweltbundesamt (Hrsg.) Endenergieverbrauch und Energieeffizienz des Verkehrs, 2018/05/14
[UBA18b] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionsdaten, 2018/03/18
[Uba19e] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionen des Verkehrs, 2019/05/31
Weiterführende Literatur
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
[Halb02] Halbritter, Günter , Bräutigam, Rainer , Fleischer, Thorsten , Fulda, Ekkehard , Georgiewa, Daniela , Klein-Vielhauer, Sigrid , Kupsch, Christel Verkehr in Ballungsräumen, veröffentlicht in Beiträge zur Umweltgestaltung A 149, Erich Schmidt Verlag / Berlin, 2002, ISBN/ISSN 3 503 06686 1
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
NOx = Stickoxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs. Die wichtigsten Stickoxide sind Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Es sind gasförmige Verbindungen, die sich nur wenig in Wasser lösen. Die wichtigsten Stickoxid-Quellen sind natürliche Vorgänge, wie z. B. mikrobiologische Umsetzungen im Boden, sowie Verbrennungsvorgänge bei Kraftwerken, Kraftfahrzeugen und industrielle Hochtemperaturprozesse, bei denen aus dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft Stickoxide entstehen. Stickstoffdioxid ist ein Reizstoff, der die Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und des Atmungstraktes beeinträchtigt.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39787

Gedruckt am Dienstag, 15. Oktober 2019 12:58:22