Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Luft- und Klimabelastung durch Güterverkehr

Erstellt am: 08.04.2003 | Stand des Wissens: 27.10.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Insgesamt hat sich die Klimabilanz Deutschlands seit den 1990er Jahren verbessert. In dem Zeitraum von 1990 bis 2014 wurden die Treibhausgasemissionen um 27,8 Prozent gesenkt. In den Jahren 2015 und 2016 stiegen die Emissionen wieder leicht an [BMU20]. Seit 2017 nehmen sie erneut ab, sodass im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 1990 die Minderung 40,8 Prozent betrug [BMUV21a]. Zu den Gründen für diese Entwicklung zählen die erfolgreiche Reform des europäischen Emissionshandels, der niedrige Gaspreis, der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie sowie die Abschaltung erster Kohlekraftwerksblöcke [BMU20].
Der Verkehr hatte im Jahr 2020 einen Anteil von 19,7 Prozent an den erzeugten Treibhausgasemissionen in Deutschland. Im Jahr 2019 waren es 20,2 Prozent und im Jahr 2018 19,4 Prozent [BMUV21a]. Die geringe Zunahme des Anteils ist darauf zurückzuführen, dass zwar sparsamere Fahrzeuge zum Einsatz kommen, gleichzeitig der Kfz-Bestand jedoch weiter zunimmt. Hinzu kommt der Rückgang der Anteile der übrigen Sektoren, zum Beispiel der Energiewirtschaft oder der Industrie [BMU20].
Mit über 96 Prozent hatte im Jahr 2019 der motorisierte Individualverkehr in Form von Pkw den größten Anteil an den Emissionen im Verkehrssektor. 35,5 Prozent sind wiederum auf straßengebundene Nutzfahrzeuge zurückzuführen. Der Luft-, Wasser- und Schienenverkehr hat jeweils einen sehr geringen Anteil von 1,4, 1,0 und 0,5 Prozent (siehe Abbildung 1) [BMU21b].


Emissionsquellen im Verkehr 2019.jpgAbb. 1: Emissionsquellen im Verkehr im Jahr 2019 [BMU21b]


Die Verkehrsmittel verursachen gemessen pro Tonnenkilometer unterschiedlich viele Treibhausgas-, Stickstoffoxid- und Feinstaub-Emissionen (siehe Abbildung 2). Die Güterbahn weist dabei die beste Klimabilanz auf. Das Binnenschiff emittiert pro Tonnenkilometer zwar nur rund ein Drittel der Treibhausgase im Vergleich zum Lkw, jedoch sind die Werte bei Stickstoffoxiden und Feinstaub höher. Die schlechteste Klimabilanz hat das Flugzeug, bei dem die Treibhausgasemissionen über sechsmal höher sind als beim Lkw. Dies ist auch auf den Energieverbrauch übertragbar [BMVI18s]. Der Luftverkehr hatte im Jahr 2020 zwar nur einen Anteil von etwa 0,2 Prozent an der Güterverkehrsleistung in Deutschland, jedoch lag der Anteil am Energieverbrauch bei etwa 8,7 Prozent [BMVI22b; Dest22o]. Der Anteil des gesamten Verkehrs am Energieverbrauch in der Bundesrepublik lag im Jahr 2020 bei circa 27,5 Prozent [BMVI22b].


Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel 2019.jpgAbb. 2: Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel für das Bezugsjahr 2019 in Gramm pro Tonnenkilometer, eigene Darstellung nach [BMU19c; UBA20r] (Emissionen aus der Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger in Strom, Benzin und Diesel sind berücksichtigt)


Seit dem Jahr 1995 konnten durch bessere Motoren, Abgastechnik und eine bessere Kraftstoffqualität die spezifischen Emissionen des Lkw gesenkt werden (siehe Abbildung 3). Während Schwefeldioxid-Emissionen sich bis zum Jahr 2019 um 99 Prozent verringerten, reduzierten sich die Kohlendioxid-Emissionen lediglich um rund 32,3 Prozent. Für die absoluten Kohlendioxid-Emissionen im Straßengüterverkehr ist zwischen den Jahren 1995 und 2019 trotz technischer Verbesserungen sogar ein Anstieg um 21 Prozent auszumachen, der mit der Zunahme der Verkehrsleistung zu begründen ist [UBA22e; UBA20r].


Spezifische Emissionen Lkw.jpgAbb. 3: Spezifische Emissionen Lkw [UBA22e]
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 28.10.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[BMU19c] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (Hrsg.) Klimaschutz in Zahlen: Der Sektor Verkehr 2019, 2019/05
[BMU20] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (Hrsg.) Treibhausgasemissionen gingen 2019 um 6,3 Prozent zurück, 2020/03/16
[BMU21b] Beyschlag,Linda , Bruhin, Arnold , Guidehouse , Kerres, Pia , Lotz, Bastian , Oppermann, Larissa , Sach, Thobias Klimaschutz in Zahlen, 2021/06
[BMUV21a] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (Hrsg.) Treibhausgasemissionen sinken 2020 um 8,7 Prozent, 2021/03/16
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[BMVI22b] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2021/2022, 2021/9
[Dest22o] Statistisches Bundesamt - Destatis (Hrsg.) Beförderungsmenge und Beförderungsleistung nach Verkehrsträgern, 2022/07/28
[UBA20r] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionen des Verkehrs, 2020/02/17
[UBA22e] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionen des Verkehrs, 2022/04
Weiterführende Literatur
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
[Halb02] Halbritter, Günter , Bräutigam, Rainer , Fleischer, Thorsten , Fulda, Ekkehard , Georgiewa, Daniela , Klein-Vielhauer, Sigrid , Kupsch, Christel Verkehr in Ballungsräumen, veröffentlicht in Beiträge zur Umweltgestaltung A 149, Erich Schmidt Verlag / Berlin, 2002, ISBN/ISSN 3 503 06686 1
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Verkehrsleistung
Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter oder Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] oder Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39787

Gedruckt am Montag, 5. Dezember 2022 21:13:00