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Luft- und Klimabelastung durch Güterverkehr

Erstellt am: 08.04.2003 | Stand des Wissens: 06.01.2021
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Insgesamt hat sich die Klimabilanz Deutschlands seit den 1990er Jahren verbessert. In dem Zeitraum von 1990 bis 2014 wurden die Treibhausgasemissionen um 27,8 Prozent gesenkt. In den Jahren 2015 und 2016 stiegen die Emissionen wieder leicht an. Seit 2017 nehmen sie erneut ab, sodass im Jahr 2019 gegenüber 1990 die Minderung 35,7 Prozent betrug. Zu den Gründe für diese Entwicklung zählen die erfolgreiche Reform des europäischen Emissionshandels, der niedrige Gaspreis, der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie sowie die Abschaltung erster Kohlekraftwerksblöcke [BMU20].
Der Verkehr hatte im Jahr 2019 einen Anteil von 20,25 Prozent an den erzeugten Treibhausgasemissionen in Deutschland. Im Jahr 2018 waren es 19,41 Prozent und im Jahr 2017 18,79 Prozent. Die geringe Zunahme des Anteils ist darauf zurückzuführen, dass zwar sparsamere Fahrzeuge zum Einsatz kommen, gleichzeitig der Kfz-Bestand jedoch weiter zunimmt. Hinzu kommt der Rückgang der Anteile der übrigen Sektoren, z.B. der Energiewirtschaft oder der Industrie [BMU20].
Mit über 60 Prozent hatte im Jahr 2017 der motorisierte Individualverkehr in Form von Pkw den größten Anteil an den Emissionen im Verkehrssektor. 35,6 Prozent sind wiederum auf straßengebundenen Nutzfahrzeuge zurückzuführen. Der Luft-, Wasser- und Schienenverkehr hat jeweils einen sehr geringen Anteil von 1,2, 1,0 und 0,6 Prozent (siehe Abbildung 1) [BMU19c].
Emissionsquellen im Verkehr 2017Abb. 1: Emissionsquellen im Verkehr 2017 [BMU19c]
Die Verkehrsmittel verursachen gemessen pro Tonnenkilometer unterschiedlich viele Treibhausgas-, Stickstoffoxid- und Feinstaub-Emissionen (siehe Abbildung 2). Die Güterbahn weist dabei die beste Klimabilanz auf. Das Binnenschiff emittiert pro Tonnenkilometer zwar nur rund ein Drittel der Treibhausgase im Vergleich zum Lkw, jedoch sind die Werte bei Stickstoffoxiden und Feinstaub höher. Die schlechteste Klimabilanz hat das Flugzeug, bei dem die Treibhausgasemissionen über sechsmal höher sind als beim Lkw. Dies ist auch auf den Energieverbrauch übertragbar. Der Luftverkehr hatte im Jahr 2017 zwar nur einen Anteil von 0,23 Prozent an der Güterverkehrsleistung in Deutschland, jedoch lag der Anteil am Energieverbrauch bei 15,4 Prozent [BMVI18s]. Der Anteil des gesamten Verkehrs am Energieverbrauch in der Bundesrepublik lag 2017 bei 29,5 Prozent [BMVI18s].
Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel für das Bezugsjahr 2019 in Gramm pro Tonnenkilometer (Emissionen aus der Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger in Strom, Benzin und Diesel sind berücksichtigt)Abb. 2: Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel für das Bezugsjahr 2019 in Gramm pro Tonnenkilometer, eigene Darstellung nach [BMU19c] [UBA20r] (Emissionen aus der Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger in Strom, Benzin und Diesel sind berücksichtigt)
Seit 1995 konnten durch bessere Motoren, Abgastechnik und eine bessere Kraftstoffqualität die spezifische Emissionen des Lkw gesenkt werden (siehe Abbildung 3). Während Feinstaub-, Stickoxid- und Schwefeldioxid-Emissionen sich bis 2018 um jeweils über 90 Prozent verringerten, reduzierten sich die Kohlendioxid-Emissionen lediglich um rund 33 Prozent. Für die absoluten Kohlendioxid-Emissionen im Straßengüterverkehr ist zwischen den Jahren 1995 und 2018 trotz technischer Verbesserungen sogar ein Anstieg um 22 Prozent auszumachen, der mit der Zunahme des Verkehrsaufwands zu begründen ist [UBA20r].
Spezifische Emissionen LkwAbb. 3: Spezifische Emissionen Lkw [UBA20r]
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Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 06.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[BMU19] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) Treibhausgasemissionen in Deutschland 2018 nach Gas und Kategorie, 2019/04/04
[BMU19a] Umweltbundesamt , Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) Klimabilanz 2018: 4,5 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, 2019/04/02
[BMU19c] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (Hrsg.) Klimaschutz in Zahlen: Der Sektor Verkehr 2019, 2019/05
[BMU20] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (Hrsg.) Treibhausgasemissionen gingen 2019 um 6,3 Prozent zurück, 2020/03/16
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[Destatis18f] Statitsisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) Umweltnutzung und Wirtschaft, 2018/09/19
[Stat13f] statista. Das Statistik-Portal (Hrsg.) Verteilung der CO2-Emissionen durch den deutschen Verkehr im Jahr 2013 nach Verkehrsträgern, 2013
[Uba16b] Strogies, Michael, Gniffke, Patrick Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2016, 2016/04, ISBN/ISSN 1862-4359
[Uba18] Gniffke, Patrick Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen - Fassung zur EU-Submission 15.01.2018, 2018/01
[Uba18a] Umweltbundesamt (Hrsg.) Endenergieverbrauch und Energieeffizienz des Verkehrs, 2018/05/14
[UBA18b] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionsdaten, 2018/03/18
[UBA20r] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionen des Verkehrs, 2020/02/17
Weiterführende Literatur
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
[Halb02] Halbritter, Günter , Bräutigam, Rainer , Fleischer, Thorsten , Fulda, Ekkehard , Georgiewa, Daniela , Klein-Vielhauer, Sigrid , Kupsch, Christel Verkehr in Ballungsräumen, veröffentlicht in Beiträge zur Umweltgestaltung A 149, Erich Schmidt Verlag / Berlin, 2002, ISBN/ISSN 3 503 06686 1
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39787

Gedruckt am Montag, 25. Januar 2021 16:57:10