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Luft- und Klimabelastung durch Güterverkehr

Erstellt am: 08.04.2003 | Stand des Wissens: 24.08.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Der Verkehr hatte im Jahr 2016 einen Anteil von 18,34 Prozent an den erzeugten Treibhausgasemissionen in Deutschland , wobei alleinig der Straßenverkehr bereits für 17,63 Prozent der verkehrlichen CO2-Emissionen verantwortlich war. Insgesamt hat sich die Klimabilanz Deutschlands seit den 1990er Jahren verbessert [UBA12c, S. 44]. In dem Zeitraum von 1990 bis 2016 wurden die Kohlendioxidemissionen um über 26 Prozent gesenkt [Uba16b, S.71] [Uba18]. Etwas anders sieht die Entwicklung im Straßenverkehrssektor aus: Die CO2-Emissionen stiegen hier bis 1999 geringfügig an, gingen dann aber (unter anderem durch Verbrauchssenkungen, die Verlagerung von Tankvorgängen ins Ausland oder die Substitution von Benzin durch Diesel) leicht zurück. Seit etwa 2007 stellte sich ein stagnierender Trendverlauf ein. Durch einen Wiederanstieg der Verkehrs- und Fahrleistung sowie durch den Rückgang der eingesetzten Biokraftstoffe lagen die CO2-Emissionen im Jahr 2016 mit 158,6 Millionen Tonnen deutlich über dem Ausgangsniveau in 1990 (152 Millionen Tonnen). Im Vergleich zum Vorjahr sind die CO2-Emissionen um 3,7 Millionen Tonnen gestiegen. Die durch den Verkehr in Deutschland verursachten CO2-Emissionen verteilen sich zu 58 Prozent auf den motorisierten Individualverkehr, zu 30 Prozent auf den Güterverkehr und zu knapp 10 Prozent auf den Luftverkehr [Stat13f, Uba18].

Die Verkehrsmittel verursachen gemessen pro Tonnenkilometer unterschiedlich viel Treibhausgas-, Stickstoffoxid- und Feinstaub-Emissionen (siehe Abbildung 1). Die Güterbahn weist dabei die beste Klimabilanz auf. Das Binnenschiff emittiert pro Tonnenkilometer zwar nur rund ein Drittel der Treibhausgase im Vergleich zum Lkw, jedoch sind die Werte bei Stickstoffoxiden und Feinstaub höher.
Emissionen GrundlagenBild.jpgAbb. 1: Emissionen und Energieverbrauch der Verkehrsmittel für das Bezugsjahr 2016 in Gramm pro Tonnenkilometer, eigene Darstellung nach [UBA18b] (Emissionen aus der Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger in Strom, Benzin und Diesel sind berücksichtigt)
Das Flugzeug weist im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln die schlechteste Klimabilanz auf. Dies wird insbesondere bei der Betrachtung des durchschnittlichen Energieverbrauchs pro Verkehrsaufwand der unterschiedlichen Verkehrsträger deutlich. Der Energieverbrauch pro Verkehrsaufwand im Güterverkehr beschreibt die Energie mit der Güter transportiert werden und wird auch als spezifischer Energieverbrauch bezeichnet. Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, liegt der spezifische Energieverbrauch des Flugzeugs rund achtmal höher als der spezifische Energieverbrauch des Lkw und rund 35-mal höher als beim Güterzug [Uba18a]. Dementsprechend hatte der Luftverkehr 2016 zwar nur einen Anteil von 0,22 Prozent an der Güterverkehrsleistung in Deutschland, jedoch lag der Anteil am Energieverbrauch bei 14,5 Prozent [BMVI17q, S. 244 ff.]. Der Anteil des gesamten Verkehrs am Energieverbrauch in der Bundesrepublik lag 2016 bei 29,2 Prozent [BMVI17q, S. 303].
Emissionen2014.JPGAbb. 2: Entwicklung des spezifischen Energieverbrauchs im Güterverkehr bis zum Jahr 2014 [Uba18a]
Rund ein Drittel der Stickstoffoxide (NOx-Emissionen) in Deutschland wird durch den Straßenverkehr verursacht. Fortschritte in der Abgasreinigung haben dazu beigetragen, die NOx-Belastung durch den Verkehr zu reduzieren. Im Jahr 2001 hatte der Verkehr noch einen doppelt so hohen Anteil (968 Tausend Tonnen) an den Stickstoffoxiden wie im Jahr 2015 (404 Tausend Tonnen) [BMVI17q].

Der Anteil der Feinstaubbelastung durch den Verkehr in Deutschland lag 2015 bei 12,5 Prozent. Der Anteil des Straßenverkehrs an der Feinstaubbelastung belief sich hierbei auf 11,3 Prozent [BMVI17q, S. 311 f.].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 19.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[BMVI17q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2017/2018, Ausgabe/Auflage 46. Jahrgang, 2017, ISBN/ISSN ISBN 978-3-87154-617-4
[Stat13f] statista. Das Statistik-Portal (Hrsg.) Verteilung der CO2-Emissionen durch den deutschen Verkehr im Jahr 2013 nach Verkehrsträgern, 2013
[UBA12c] Umweltbundesamt (Hrsg.) Daten zum Verkehr. Ausgabe 2012, 2012
[Uba16b] Strogies, Michael, Gniffke, Patrick Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2016, 2016/04, ISBN/ISSN 1862-4359
[Uba18] Gniffke, Patrick Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen - Fassung zur EU-Submission 15.01.2018, 2018/01
[Uba18a] Umweltbundesamt (Hrsg.) Endenergieverbrauch und Energieeffizienz des Verkehrs, 2018/05/14
[UBA18b] Umweltbundesamt (Hrsg.) Emissionsdaten, 2018/03/18
Weiterführende Literatur
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
[Halb02] Halbritter, Günter , Bräutigam, Rainer , Fleischer, Thorsten , Fulda, Ekkehard , Georgiewa, Daniela , Klein-Vielhauer, Sigrid , Kupsch, Christel Verkehr in Ballungsräumen, veröffentlicht in Beiträge zur Umweltgestaltung A 149, Erich Schmidt Verlag / Berlin, 2002, ISBN/ISSN 3 503 06686 1
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
NOx = Stickoxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs. Die wichtigsten Stickoxide sind Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Es sind gasförmige Verbindungen, die sich nur wenig in Wasser lösen. Die wichtigsten Stickoxid-Quellen sind natürliche Vorgänge, wie z. B. mikrobiologische Umsetzungen im Boden, sowie Verbrennungsvorgänge bei Kraftwerken, Kraftfahrzeugen und industrielle Hochtemperaturprozesse, bei denen aus dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft Stickoxide entstehen. Stickstoffdioxid ist ein Reizstoff, der die Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und des Atmungstraktes beeinträchtigt.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39787

Gedruckt am Freitag, 23. August 2019 15:10:41