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Logistikeffekt

Erstellt am: 07.04.2003 | Stand des Wissens: 30.08.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Unter dem Logistikeffekt werden die verkehrsträgerspezifischen Wirkungen moderner Logistikkonzepte in Industrie und Handel verstanden. Somit hängt er eng mit dem Güterstruktureffekt zusammen. Der Logistikeffekt wird durch die Forderung nach
  • Zuverlässigkeit,
  • Flexibilität,
  • Integration in logistische Prozessketten und
  • Preisgünstigkeit logistischer Leistungen
ausgelöst [Aber94, S. 8; Aber03, S. 94].
Die Transportindustrie wird von der fortschreitenden Internationalisierung von Industrie und Handel beeinflusst. Günstige Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten, die Verringerung von Transportzeiten sowie die Öffnung nationaler Märkte führen zu einer immer stärkeren internationalen Arbeitsteilung und einer sinkenden Produktionstiefe von Industrieunternehmen, die letztlich zu mehr Güterverkehr führen. Eine sinkende Produktionstiefe geht zumeist mit der Auslagerung von Unternehmensfunktionen und der Konzentration der Unternehmen auf ihre jeweilige Kernkompetenz einher. Demnach werden Produkte immer seltener komplett von einem Unternehmen gefertigt. Vielmehr liefert beziehungsweise erhält ein Unternehmen Halb- und Fertigwaren, die zu einem Gesamtprodukt vervollständigt werden.

Eine Folge des internationalen Wettbewerbs besteht in der Umsetzung umfassender betrieblicher Rationalisierungsmaßnahmen und der damit einhergehenden Entwicklung innovativer Produktionsmethoden. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zu Beginn der 1990er vielfach zur Umsetzung sogenannter Lean Production Konzepte. Ziel dieser ist es, eine möglichst schlanke Produktion ohne jegliche Verschwendung während des Fertigungsprozesses zu realisieren. Hierfür wurden auch Belieferungskonzepte zwischen Unternehmen, Lieferanten und Kunden umstrukturiert. Unter dem Schlagwort "Just-in-Time" wurden bedarfssynchrone Belieferungsformen eingeführt. Wesentliches Ziel ist neben der Reduzierung von Lagerflächen und -kosten eine Vermeidung der durch die Lagerung von Gütern entstehenden Kapitalbindungskosten [Pann94; Strau97].
Just-in-Time wird häufig aufgrund der kleineren Sendungsgrößen und der daraus folgenden erhöhten Lieferfrequenz für eine Zunahme des Güterverkehrsaufkommens verantwortlich gemacht. Da ein Großteil der Waren aufgrund von räumlicher und zeitlicher Flexibilität auf der Straße von Lkw transportiert werden, hat das Just-in-Time Anlieferungskonzept keine gute Umweltbilanz. Andererseits geht Just-in-Time aufgrund der hohen logistischen Anforderungen mit einer Reduzierung der Anzahl an Lieferanten einher. Aus der damit verbundenen Konsolidierung resultieren vermehrt Komplettladungen, die wiederum eine Reduzierung von Güterverkehrsströmen bewirken können [Strau97]. Als positiver Aspekt von Just-In-Time gilt der sinkende Landschaftsverbrauch durch den Rückgang der traditionellen Lagerhaltung.

Auch auf Händlerseite existiert das Bestreben nach möglichst effizienter Lagerhaltung. Der Grund hierfür liegt in den hohen Mieten für Lagerflächen in den Innenstädten. Ferner sind die Händler bestrebt, einen großen Teil ihrer Ladenfläche als Verkaufsraum zu nutzen. Eine häufigere Belieferung ist die Folge [Strau97].
Der Logistikeffekt wird auch durch ein verändertes Konsumentenverhalten begünstigt. Steigende Anforderungen der Käufer hinsichtlich Warenverfügbarkeit, Aktualität und Frische führen wie bei Industrie und Handel zu steigenden Lieferfrequenzen und einem wachsenden Güterverkehrsaufkommen.

Der Logistikeffekt begünstigt vor allem den Straßengüterverkehr, welcher vor allem aufgrund seiner höheren Flexibilität und Preisgünstigkeit Vorteile gegenüber der Schiene geltend machen kann [Pfohl].


Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 30.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[Aber03] Aberle, Gerd, Prof. Dr. Transportwirtschaft. Einzelwirtschaftliche und gesamtwirtschaftliche Grundlagen, Ausgabe/Auflage 4, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, Wien, 2003, ISBN/ISSN 3-486-27289-6
[Aber94] Aberle, G. Makrologistische Rahmenbedingungen für den Aufbau von Logistikketten, Berlin, 1994
[Pann94] Pannek, G. , Talke, W. Güterverkehrszentren - Funktionalität und Handlungsbedarf, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 1994/3, 1994
[Pfohl] Pfohl, Hans-Christian Management der Logistikkette: Kostensenkung - Leistungssteigerung - Erfolgspotential, Erich Schmidt Verlag GmbH & Co KG/ Darmstadt, 1994/05
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
Weiterführende Literatur
[Bock03] Bockel, Roeland van Wirkung kommunaler Rahmenbedingungen auf den Wirtschaftsverkehr, veröffentlicht in Wirtschaftsverkehr in Städten - Wege aus der Krise, Ausgabe/Auflage Reihe B, Heft-Nr. 269, Berlin, 2003/11, ISBN/ISSN 3-933392-69-1
Glossar
Just-In-Time "Just-In-Time" (JIT) ist ein Transportservice, bei dem die Auslieferung von Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeführt wird. Der Kunde legt vorher fest, wann und wohin die Güter geliefert werden sollen. Häufig wird JIT in der Produktions-Logistik eingesetzt, um eine produktionssynchrone Beschaffung umzusetzen. Mit diesem Prinzip lassen sich beispielsweise Zwischenlager sparen und somit Kosten senken.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Kernkompetenz Die Fokussierung auf Kernkompetenzen (engl. Core competence) ist die Beschränkung der Unternehmensaktivitäten auf das wesentliche Geschäft, in der Regel verbunden mit dem Herauslösen gewinnreduzierender Aktivitäten, die auf spezialisierte Unternehmen übertragen werden, z. B. die Übertragung (Outsourcing) der Logistikfunktionen auf einen Dienstleister.
Güterstruktureffekt
Der Güterstruktureffekt beschreibt die Veränderung der Zusammensetzung des Verkehrsaufkommens im Entwicklungsprozess der Volkswirtschaften. Dabei findet die Umwandlung der Produktionsstruktur von Massengütern in hochwertige Stückgüter statt. Konträr dazu steht der Gütermengeneffekt, der durch eine relative Abnahme des Verkehrsaufkommens und eine gleichzeitige Zunahme der Tonnenkilometer gekennzeichnet ist.
Lean Production Unter Lean Production versteht man eine Maßnahme zur Senkung der Komplexität der Organisation im Unternhemen. Bei dieser Strategie der schlanken Produktion steht die durchgängige, integrierte Organisation für alle Unternehmensbereiche mit flachen Hierachieebenen sowie Projekt- und Teamorganisation im Vordergrung. Die Komplexität wird durch ein ganzheitliches Konzept für die Organisationsstrukturierung reduziert. Der Produktionsfaktor Mensch tritt in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39464

Gedruckt am Donnerstag, 17. Oktober 2019 19:40:58