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Formen des Carsharing

Erstellt am: 01.07.2011 | Stand des Wissens: 11.10.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Klassisches Carsharing (stationsbasiertes Carsharing) sieht vor, dass die Abholung sowie die Rückgabe der geliehenen Fahrzeuge an speziell angemieteten Parkplätzen (Stationen) erfolgt.

Free-Floating Carsharing wird auch flexibles oder stationsunabhängiges Carsharing genannt. Diese von Art von Carsharing ist größtenteils in den Großstädten verfügbar. Das geliehene Fahrzeug kann auf einem beliebigen Stellplatz in einem festen Nutzungsgebiet in der Stadt abgeholt und abgestellt werden, ohne an Stationen gebunden zu sein. Ausgenommen sind Firmen- und Anwohnerparkplätze [Cars18a]. Eine Reservierung ist nicht notwendig. Anhand einer Smartphone-App oder per Internet werden Fahrzeuge in der Umgebung angezeigt, die zur Verfügung stehen. Das Free-Floating Carsharing eignet sich für spontane Fahrten [bcs17d]. Da keine Grundgebühr existiert, sind die Tarife meist teurer als beim klassischen Carsharing [esta18]. Neueste Fahrzeugmodelle und auch rein elektrische Flotten kommen zum Einsatz.
Die großen Anbieter aus diesem Bereich heißen Car2go und DriveNow. Car2go von Daimler in Kooperation mit Europcar ist das erste Carsharing-Konzept ohne Stellplatzbindung in Deutschland und befindet sich außerdem in Österreich, den Niederlanden, Italien, Spanien, Canada, den USA und in China [car217a]. In München betreibt BMW gemeinsam mit MINI und Sixt "DriveNow" und kann in einigen Städten in Österreich, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien, Italien und Portugal genutzt werden [DNow11].

Seit dem Jahr 2012 existieren auch kombinierte Carsharing-Angebote, eine Verbindung aus dem klassischen Carsharing und der Free-Floating Varianten mit Kombination der Vorteile aus beiden Varianten. Kunden können ohne Systemwechsel den für sie gerade passenden Angebotstyp wählen [bcs1016].
Beim privaten Carsharing (peer-to-peer Carsharing) wird ein von einer Privatperson besessenes Fahrzeug zum Teilen angeboten. Dieser Form des Carsharings fehlt die rahmenvertragliche Regelung und somit muss jedes Mal ein neuer Vertrag abgeschlossen werden [bcs17d]. Dies ist vor allem für ländliche Gebiete eine gute Alternative, da dort klassisches Carsharing selten zu finden ist [Cars18a]. Einige Start-Ups wie zum Beispiel SnappCar in Berlin haben sich auf die Vermittlung von Mietern und Autobesitzern spezialisiert [snap18]. Mit ihrem sonst ungenutzten Fahrzeug können sich die Besitzer ein Zusatzeinkommen sichern. Die Preise der zu Verfügung stehenden Fahrzeuge entscheiden die Privatpersonen selber [esta18]. Ein Nachteil ist, dass die Privatperson die Anfrage ablehnen kann und die Fahrzeuge nicht durch den Vermittler überprüft werden [Cars18a].
Alle Carsharing-Angebote haben gemein, dass das Fahrzeug - im Gegensatz zu Mitfahrgelegenheiten oder Taxifahrten - selbst gelenkt wird und die gemeinschaftliche Nutzung nicht durch Teilen des Eigentums, sondern über einen temporären Besitzzugang erfolgt. Im Vordergrund steht aus verkehrsplanerischer Perspektive die Reduzierung der Stehzeit, während sich andere Formen der gemeinschaftlichen Autonutzung (zum Beispiel Ridesharing, Carpooling) durch simultane Nutzung (und folglich bessere Fahrzeugauslastung durch Besetzungsgraderhöhung) vom Carsharing abgrenzen [ifmo16b, S. 17].

Wissenslandkarten

Glossar
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[bcs1016] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Kombinierte CarSharing-Angebote - das Beste aus zwei Welten verbinden, 2016/10/31
[bcs17d] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Was ist CarSharing?, 2017
[car217a] Car2go (Hrsg.) Wie nutzt man car2go im Ausland? , 2017/08/08
[Cars18a] Carsharing-News.de (Hrsg.) Carsharing Varianten, 2018/02/01
[DNow11] DriveNow GmbH & Co. KG Internetauftritt Drive-Now, 2011
[esta18] e-Stations (Hrsg.) Mobil ohne eigenes Auto, 2018
[ifmo16b] Institut für Mobilitätsforschung (Hrsg.) Carsharing 2025 Nische oder Mainstream?, 2016
[snap18] SnappCar, (Hrsg.) Autos teilen in deiner Nachbarschaft, 2018
Weiterführende Literatur
[BAST04b] Loose, Willi , Mohr, Mario , Nobis, Claudia , et al. Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 114, Wirtschaftsverlag NW, Bergisch Gladbach, 2004/07, ISBN/ISSN 3-86509-144-X
[Stutz01] Stutzbach , Raabe , Pfriem , Becker Machbarkeitsstudie zum Forschungsvorhaben "Carsharing in der Fläche", Oldenburg/Dresden, 2001
Glossar
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
Peer-to-Peer Peer-to-Peer (P2P) Verbindung (engl. peer für 'Gleichgestellter', 'Ebenbürtiger') und Rechner-Rechner-Verbindung sind synonyme Bezeichnungen für eine Kommunikation unter Gleichen, hier bezogen auf ein Rechnernetz. In einem reinen Peer-to-Peer-Netz sind alle Computer gleichberechtigt und können sowohl Dienste in Anspruch nehmen, als diese auch zur Verfügung stellen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?355996

Gedruckt am Mittwoch, 19. Februar 2020 23:14:48