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Shared Space

Erstellt am: 27.06.2011 | Stand des Wissens: 07.11.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Shared Space (auch: "gemeinsam genutzter Raum", "Raum für alle", "geteilter Raum") beschreibt eine europäische "Gestaltungsphilosophie für innerstädtische Geschäfts- und Hauptverkehrsstraßen", die auf gegenseitige Verständigung der Verkehrsteilnehmer bei möglichst weitgehendem Verzicht auf Verkehrsregeln, Lichtsignalanlagen und Beschilderungen setzt [KEU05; Or11]. Die Shared Space-Philosophie zielt darauf ab [KEU05]
  • die gewohnt einseitige, auf den Verkehr ausgerichtete Gestaltungsweise durch Integration und Kombination der verschiedenen Funktionen des öffentlichen Raumes zu ersetzen,
  • den motorisierten Individualverkehr nicht zu verdrängen,
  • dass der Straßenraum wieder als Lebensraum anerkannt wird (Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung) und
  • dass soziale Umgangsformen die Interaktion der Verkehrsteilnehmer regeln.
Die Grundidee geht auf Hans Monderman (1945-2008) zurück und wurde versuchsweise in den Jahren 2004 bis 2008 im Rahmen des Infrastrukturförderprogrammes "Interreg IIIB North Sea Region Programme" in insgesamt sieben europäischen Gemeinden umgesetzt (Deutschland: Bohmte in Niedersachsen). [Or11] Potenzielle Abschnitte zur Umsetzung der Shared Space-Idee befinden sich vor allem in Bereichen wichtiger Nahziele der Versorgung. Folglich sind dies gerade auch für mobilitätseingeschränkte Personen attraktive und wichtige Ziele [HBVA11]. Der weitgehende Verzicht auf Lichtsignalanlagen, Markierungen und Beschilderungen sowie die nahezu niveaugleiche Ausgestaltung der Straßenräume birgt allerdings Gefahren und Nachteile für mobilitätseingeschränkte Personen. Die besondere Berücksichtigung ihrer Belange im Entwurfs- und Planungsprozess sowie eine für alle nutzbare Gestaltung ("Design für Alle") dieser Bereiche haben großen Einfluss auf den Erfolg und die Akzeptanz etwaiger Projekte [GFUV09; HBVA11]. Die Idee von Shared Space ist in der Öffentlichkeit und Fachwelt nicht unumstritten. So gab es lange Zeit kein Regelwerk mit Hinweisen zu Einsatzgrenzen oder Gestaltungsempfehlungen. Im Jahr 2014 hat die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) mit dem Wissensdokument "Hinweise zu Straßenräumen mit besonderem Querungsbedarf - Anwendungsmöglichkeiten des "Shared Space"-Gedankens" [FGSV14] ein ergänzendes Hinweispapier zu den bestehenden "Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen" (RASt06) herausgegeben, welches den aktuellen Stand des Wissens widerspiegelt. Auch die im Jahr 2011 erschienenen "Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (HBVA)" der FGSV enthalten gesonderte Empfehlungen für die "Straßenraumgestaltung in Anlehnung an das Shared Space-Prinzip" [HBVA11].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Straßenräume mit hohem Aufenthalts- und Querungsbedarf (Stand des Wissens: 07.11.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?375535
Literatur
[FGSV14] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Baier, Reinhold, Eilrich, Wolfgang, Gerlach, Jürgen, et al. Hinweise zu Straßenräumen mit besonderem Querungsbedarf - Anwendungsmöglichkeiten des "Shared Space"-Gedankens, veröffentlicht in Wissensdokumente (W 1), Ausgabe/Auflage FGSV 200/1, FGSV Verlag / Köln, 2014/06, ISBN/ISSN 978-3-86446-081-4
[GFUV09] Schmidt-Block, W., Behling, K., Böhringer D., Klingler, M. Anforderungsprofil zu blinden- und sehbehindertengerechten Ausgestaltung von Mischverkehrsflächen nach dem Konzept "Shared Space", Berlin, 2009
[HBVA11] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (H BVA), 2011/06
[IGS09] Gerlach, J., Kesting, T., Kettler, D., Leven, J., Boenke, D. Voraussetzungen für die Umsetzung von Gemeinschaftsstraßen in Weiterentwicklung des Shared Space-Prinzips unter Beachtung der großstädtischen Rahmenbedingungen der Freien und Hansestadt Hamburg, Neuss, 2009
[KEU05] Keuning Instituut, Senza Communicatie Shared Space - Raum für alle. Neue Perspektiven zur Raumentwicklung, Groningen (Niederlande), 2005
[Or11] Ortlepp, Jörg, Erfahrungen mit "Shared Space" und "Gemeinschaftsstraßen" in Deutschland, Berlin, 2011/10/06
Weiterführende Literatur
[BSV14] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Baier, R.,, Engelen, K.,, Klemps-Kohnen, A.,, Reinartz, A. Einsatzbereich und Einsatzgrenzen von Straßenumgestaltungen nach dem "Shared Space"-Gedanken, 2014/08
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?354989

Gedruckt am Freitag, 23. Oktober 2020 10:56:32