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Nutzenüberschätzungen bei Megaprojekten

Erstellt am: 27.05.2011 | Stand des Wissens: 13.11.2018
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Neben Kostenunterschätzungen gibt es Ungenauigkeiten bei der Prognose der Nutzeneffekte. Nutzeneffekte hängen im Wesentlichen von der prognostizierten Verkehrsnachfrage ab. Vor allem bei Bahnprojekten kommt es bei neun von zehn zu einer Nachfrageüberschätzung in Höhe von durchschnittlich 40% (vgl. Abb. 1).
Davon weichen
  • 85% der Bahnprojekte um 20%,
  • 74% der Bahnprojekte um 40%,
  • und 41% der Bahnprojekte um mehr als 60% von ihrer Prognose ab [FlBrRo03, S. 26].
nutzenueberschaetzungen2.pngAbb. 1: Prozentuale Differenz zwischen tatsächlicher und prognostizierter Nachfrage, basierend auf der Analyse von 27 Bahn- und 183 Straßenprojekten [FlBrRo03, S. 27]
Im Gegensatz zu Bahnprojekten fällt die tatsächliche Verkehrsnachfrage bei Straßenprojekten durchschnittlich nicht geringer, sondern um 9% höher aus als erwartet. Dennoch treten bei der Hälfte der Straßenprojekte Abweichungen der prognostizierten Verkehrsnachfrage um mehr als 20% von der tatsächlichen auf. Ein Viertel der untersuchten Straßenprojekte wurden mit einer um +/-40% abweichenden Verkehrsnachfrage kalkuliert [FlBrRo03, S. 26]. 
Die besonders hohe Fehlkalkulation der Nachfrageentwicklung bei Bahnprojekten kann durch den ideologischen Wunsch der Politiker erklärt werden, mehr Verkehrsteilnehmer auf die Schiene zu bekommen und damit den Straßenverkehr zu entlasten. Dadurch besteht ein besonderer Anreiz, den Nutzen des Schienenprojekts möglichst hoch auszuweisen [PrFlWe08, S. 124f].
Als weitere Hauptgründe für Nachfrageüberschätzungen gelten: 
  • Zu optimistische Einschätzungen beratender Unternehmen und Projektträger
  • Unerwartete Änderungen exogener Faktoren (politisch, ökonomisch, sozial)
  • Unvollständige Datengrundlage
  • Unstetiges menschliches Verhalten und der Einfluss komplementärer Faktoren
  • Abhängigkeiten von weiteren Infrastrukturprojekten [FlBrRo03, S. 28ff]
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Planung und Bewertung von Megaprojekten im Verkehrsbereich (Stand des Wissens: 20.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?352432
Literatur
[FlBrRo03] Flyvbjerg, B.;, Bruzelius, N.;, Rothengatter, W. Megaprojects and Risk, Cambridge University Press/ Cambridge, 2003
[PrFlWe08] Hugo Priemus, Bent Flyvbjerg, Bert van Wee Decision Making on Mega-Projects - Cost-Benefit Analysis, Planning and Innovation, 2008, ISBN/ISSN 978-1845427375

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?352328

Gedruckt am Montag, 24. Februar 2020 05:58:34