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Auswirkungen des Klimawandels

Erstellt am: 25.03.2011 | Stand des Wissens: 20.09.2018
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute erkennbar. Die Winter sind deutlich milder geworden und die Sommer werden zunehmend heißer. In den vergangenen Jahren wurde zudem eine zunehmende Anzahl an extremem Wetterphänomenen verzeichnet. Die Erhöhung des Meeresspiegels führt neben Überschwemmungen zu einer Versalzung der Küstenregionen und mindert damit das verfügbare Frischwasser. Hitzeperioden und extreme Trockenheit erhöhen die Waldbrandgefahr und die abnehmende Wasserverfügbarkeit in trockenen Gebieten führt zu Hungersnöten in den ärmeren Regionen der Welt. Eine weitere Folge des Klimawandels ist die gestiegene Anzahl von schweren Stürmen, die Städte und ganze Landstriche verwüsten (vgl. [IPCC07, S. 38]).

Sollte eine Stabilisierung des Klimas nicht gelingen, ist mit hohen Folgekosten durch den Klimawandel zu rechnen. Eine solche Stabilisierung bedeutet, dass die Temperaturen weltweit um nicht mehr als 2 °C ansteigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnete in einer Simulation allein für Deutschland mögliche Folgekosten des Klimawandels in Höhe von 800 Mrd. Euro bis 2050 und bis zu 3 Billionen Euro bis zum Jahr 2100, wobei den Berechnungen eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 4,5 Grad Celsius zugrunde liegt [Quelle: Kemf07a].

Neueste Studien zu den ökologischen und ökonomischen Folgen des Klimawandels unterstreichen die dringende Notwendigkeit zu politischem Gegensteuern [vgl. IPCC_WG2]. Der Klimawandel ist eine internationale Problematik, die einer weltweiten Klimapolitik bedarf. Es ist damit zu rechnen, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer zukünftig zu den Haupt-Emittenten von CO2 gehören werden. Dies verdeutlicht die internationale Dimension dieser Thematik und verlangt nach schnellem Handeln der Politik.

Der Klimawandel wirkt sich nachteilig auf eine Vielzahl vorhandener Ökosysteme aus. Laut IPCC (2007) [IPCC_WG2] ist es "wahrscheinlich, dass die Widerstandsfähigkeit zahlreicher Ökosysteme in diesem Jahrhundert aufgrund einer noch nie da gewesenen Kombination von Klimaänderung, damit verbundener Störungen (z.B. Überschwemmungen, Dürre, Flächenbrände, Insekten, Ozeanversauerung) und anderer Antriebselemente des globalen Wandels (z.B. Landnutzungsänderungen, Verschmutzung, Übernutzung von Ressourcen) überschritten wird."

Die Auswirkungen auf die einzelnen Ökosysteme hängen sowohl von der zukünftigen Entwicklung der Treibhausgasemissionen und damit der Höhe der globalen Erwärmung, als auch stark von regionalen Faktoren ab. Insgesamt kann mit einer deutlichen Abnahme der Biodiversität gerechnet werden. Man geht bereits ab einer Erhöhung der mittleren globalen Temperatur von 1,5 bis 2,5°C von einem erhöhten Aussterberisiko für 20 - 30% der bisher untersuchten Pflanzen- und Tierarten aus. Ab einer Erwärmung von etwa 4°C wird mit einem Aussterben von über 40% der Arten gerechnet (zum Vergleich: die Einigung auf den "Copenhagen Accord" [Cop07] mit einem Erwärmungsziel von 2°C ist 2008 gescheitert). Bei unverändertem Emissionsverhalten ist von einer Temperaturerhöhung von etwa 3,5°C auszugehen (Siehe [WiSc10])

Eine besondere Bedeutung kommt aus zwei Gründen auch Ökosystemen mit hohem Baumbestand wie Regenwaldgebieten zu [Quelle: BaRe09, S. 72]. Erstens sind Regenwälder mit ihrem besonderen Artenreichtum für die Biodiversität besonders bedeutende Ökosysteme [Quelle: MaAr08]. Zweitens führt ein Rückgang des weltweiten Baumbestandes dazu, dass weniger CO2 in der Biomasse gebunden wird (siehe auch Syntheseberichte Rückkopplungseffekte, Boreale Nadelwälder der Nordhalbkugel und Regenwald im Amazonas). Besonders gefährdet sind die semi-ariden Tropen des Amazonasgebietes, die sich durch prognostizierten Niederschlagsrückgang und Temperaturerhöhung zu Savannengebieten umwandeln könnten.
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Literatur
[BaRe09] Bauer, Barbara , Rekacewicz, Philippe , Halimi, Serge , Stieglitz, Joseph Atlas der Globalisierung, Taz/Berlin, 2009
[IPCC_WG2] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), M.L. Parry, O.F. Canziani, J.P. Palutikof, P.J. van der Linden , C.E. Hanson (eds) Contribution of Working Group II to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA., 2007
[IPCC07] Parry, M.L., , O.F. Canziani, , J.P. Palutikof , and Co-authors Technical Summary. Climate Change 2007: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, 2007
[IPCC07a] Solomon, S., , D. Qin, M. Manning, , R.B. Alley, , T. Berntsen, , N.L. Bindoff, , Z. Chen, , A. Chidthaisong, , J.M. Gregory, , G.C. Hegerl, , M. Heimann, , B. Hewitson, , B.J. Hoskins, , F. Joos, , J. Jouzel, , V. Kattsov, , U. Lohmann, , T. Matsuno, , M. Molina, , N. Nic Technical Summary. In: Climate Change 2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, 2007
[Kemf07a] Claudia Kemfert Klimawandel kostet die deutsche Volkswirtschaft Milliarden, veröffentlicht in DIW Wochenbericht, Ausgabe/Auflage 11/07, 2007/03/14
[MaAr08] Malhi, Yadvinder, Aragao, Luiz E. O. C., Galbraith, David, Huntingford, Chris, Fisher, Rosie, Zelazowski, Przemyslaw, Sitch, Stephen, McSweeney, Carol , Meir, Patrick Exploring the likelihood and mechanism of a climate-change-induced dieback of the Amazon rainforest, veröffentlicht in Procedings of the National Academy of Sciences, Ausgabe/Auflage vol. 106, no. 49, 2008/12
[WiSc10] Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Wicke, Lutz, Schellnhuber, Hans Joachim, Klingenfeld, Daniel Nach Kopenhagen: Neue Strategie zur Realisierung des 2°C max Klimazieles, veröffentlicht in PIK Report, Ausgabe/Auflage No. 116, 2010/04
Rechtsvorschriften
[Cop07] Copenhagen Accord
Glossar
Biomasse Biomasse umfasst:
  • Reststoffe wie z.B. Restholz, organische Abfälle (Biomüll, Gülle etc.), Stroh sowie
  • Energiepflanzen wie z.B. Raps, schnell wachsende Baumarten, Energiegetreide, Miscanthus.
IPCC Mandat Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), wurde ins Leben gerufen, um Entscheidungsträgern und anderen am Klimawandel Interessierten eine objektive Informationsquelle über Klimaänderungen zur Verfügung zu stellen. Der IPCC betreibt selbst keine Wissenschaft und überwacht keine Klimadaten oder -parameter. Seine Aufgabe besteht darin, die aktuelle wissenschaftliche, technische und sozioökonomische Literatur, die weltweit zu dem Thema publiziert wird, umfassend, objektiv, offen und transparent zusammenzutragen und zu bewerten. Das Themengebiet reicht vom Risiko menschengemachter Klimaänderung über ihre beobachteten und projizierten Auswirkungen bis hin zu Anpassungs- und Minderungsoptionen. IPCC-Berichte sollten politisch neutral sein, obgleich sie sich objektiv mit politisch relevanten wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Faktoren befassen müssen. Sie sollten hohen wissenschaftlichen und technischen Standards genügen und möglichst eine Vielzahl an Meinungen und Fachkenntnissen sowie eine breite geographische Verteilung widerspiegeln. Wer ist IPCC? Der IPCC ist ein wissenschaftliches zwischenstaatliches Gremium, das von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ins Leben gerufen wurde. Es besteht aus:
  • Den Regierungen: der IPCC steht allen WMO- und UNEP-Mitgliedsstaaten offen. Deren Regierungen nehmen an IPCC-Vollversammlungen teil, auf denen die wichtigsten Beschlüsse über das Arbeitsprogramm gefasst werden und Berichte angenommen, verabschiedet und genehmigt werden. Sie sind außerdem an der Begutachtung der IPCC-Berichte beteiligt.
  • Den Wissenschaftlern: hunderte von Wissenschaftler aus der ganzen Welt tragen zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter bei.
  • Den Menschen: als ein Gremium der Vereinten Nationen strebt der IPCC nach der Förderung der UN Entwicklungsziele.
Die IPCC-Arbeitsgruppen und Task Forces Der IPCC hat zurzeit 3 Arbeitsgruppen und die Task Force on National Greenhouse Gas Inventories. Die Arbeitsgruppen und die Task Force haben klar umrissene, vom Ausschuss verabschiedete Mandate, und ihre Aktivitäten werden von je zwei Ko-Vorsitzenden geleitet. Sie werden je von einem Sekretariat (Technical Support Unit, TSU) und dem Arbeitsgruppen- bzw. Task Force-Vorstand unterstützt. Arbeitsgruppe 1 befasst sich mit den "Wissenschaftlichen Grundlagen von Klimaänderung", Arbeitsgruppe 2 mit "Auswirkungen, Anpassung und Verwundbarkeiten" und Arbeitsgruppe 3 mit der "Verminderung des Klimawandels". Das Hauptziel der Task Force besteht in der Entwicklung und Verfeinerung einer Methode zur Berechnung von und Berichterstattung über nationale THG-Emissionen und -Entnahmen. Zusätzlich zu den Arbeitsgruppen und der Task Force können weitere Task Forces und Leitungsgremien eingerichtet werden, um bestimmte Themen für einen begrenzten Zeitraum oder auch länger zu behandeln. Arbeitsgruppe 1: www.ipcc-wg1.unibe.ch/index.html Arbeitsgruppe 2: www.ipcc-wg2.gov/ Arbeitsgruppe 3: www.ipcc-wg3.de/ Quelle: Deutsche IPCC Koordinierungsstelle
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?345768

Gedruckt am Donnerstag, 18. Juli 2019 04:32:22