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Elektronisches Fahrgeldmanagement

Erstellt am: 15.01.2011 | Stand des Wissens: 11.03.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Elektronisches Fahrgeldmanagement (EFM) ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen rund um das elektronische Ticketing und umfasst damit sowohl Maßnahmen der Einführung elektronischer Bezahlsysteme, elektronischer Ticketmedien im Vertrieb des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) aber auch die Hintergrundsysteme beispielsweise zur Berechnung der Wegestrecke, der kundenspezifischen Abrechnung und des Clearings, die für die Einführung des elektronischen Tickets im ÖPNV erforderlich sind. Hauptziele des EFM sind die Erhöhung der Effizienz des Fahrscheinvertriebs und die Abschaffung von Zugangshemmnissen zum ÖPNV, die mit dem Vertrieb zusammenhängen.
Das EFM besteht nach Definition des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) aus folgenden drei Stufen [VDV01b]:
Stufe I Elektronisches Bezahlen: Verwendung elektronischer Karten, meist Chipkarten, als elektronische Geldbörse oder zum Fahrscheinerwerb an Automaten.
Stufe II Elektronisches Ticket: Elektronisches Medium, meist eine Chipkarte aber auch ein Mobiltelefon, auf dem ein virtueller Fahrschein abgelegt wird.
Stufe III Automatische Fahrpreisberechnung: Verwendung des elektronischen Mediums zur Identifikation und automatisierten Ermittlung des Fahrpreises auf Grundlage der in einem definierten Zeitraum (zum Beispiel Tag, Monat) zurückgelegten Strecken und weiterer festzulegender Bedingungen.
Das sogenannte "Handy-Ticketing" ist in diesem Zusammenhang keine Sonderform des elektronischen Ticketing, sondern ein weiteres elektronisches Medium im Spektrum des EFM.

Die Vorteile des EFM für die Verkehrsunternehmen liegen in:
  • Verringerung der Vertriebskosten, da die Geld- und Papierfahrscheinlogistik reduziert wird
  • Flexible Anpassung der Preisbildungssysteme an Kundenwünsche und Markterfordernisse
  • unter Umständen Beschleunigung des Fahrgastflusses in Bussen
  • Erhöhung der Kundenzufriedenheit durch Vereinfachung der Tarifsysteme
  • Abbau von Zugangshemmnissen für Gelegenheitsnutzer und somit Einnahmengenerierung
  • Verbesserung der Datenbasis durch Nutzung der generierten Quelle-Ziel-Daten [JANS08]

Die Vorteile des EFM für die Fahrgäste liegen in:
  • Verbesserung der Begreifbarkeit der Tarifsysteme
  • Beschleunigung des Fahrscheinerwerbs
  • Kostentransparenz
  • Vermeidung von Fehlentrichtungen
  • Komfortzugewinn durch Interoperabilität der Ticketing-Systeme unterschiedlicher Räume [JANS08]

Zwingende Voraussetzung für die Entfaltung dieser Vorteile ist jedoch die Schaffung einheitlicher und interoperabler Systeme. Um Insellösungen und Parallelentwicklungen zu vermeiden, wurde daher durch die Verkehrsunternehmen des VDV sowie Industrie- und Beratungsunternehmen die sogenannte "VDV-Kernapplikation elektronisches Fahrgeldmanagement" (VDV-KA) erarbeitet. Sie stellt einen gemeinsamen Standard für die Einführung eines standardisierten und interoperablen EFM dar [VDVKA].

Die Risiken für das EFM liegen in den hohen Investitionskosten für Systementwicklung, -aufbau und -verbreitung sowie in den möglichen Akzeptanzproblemen der Nutzer, die beispielsweise durch mangelndes Vertrauen in den Datenschutz oder in die Sicherheit der Technologie hervorgerufen werden.

Zur Sicherstellung der Standardisierung und Interoperabilität der Anwendungen in Deutschland hat das Bundesverkehrsministerium die Förderinitiative "(((eTicket Deutschland" ins Leben gerufen. Die VDV-KA wurde dabei als zwingende Voraussetzung für die Förderung von Forschungs- und Entwicklungs-Projekten übernommen. Im Rahmen dieser Förderinitiative wurden in Deutschland zahlreiche Projekte implementiert, die einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau und zur Erprobung von zentralen Anwendungen der VDV-KA sowie zur praktischen Erprobung des elektronischen Tickets im Fahrgastbetrieb leisteten [BMVBS10c].
Die Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten im elektronischen Fahrgeldmanagement für den Öffentlichen Verkehr werden seit 2006 durch Bundesmittel im Rahmen von verschiedenen Forschungsprogrammen gefördert.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Elektronisches Fahrgeldmanagement (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340325
Literatur
[BMVBS10c] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Mobilität21 - Kompetenznetzwerk für innovative Verkehrslösungen, 2010/12
[JANS08] Jozef Janssen Einführung und Aufbau des (((eTicket Deutschland, 2008/10/15
[VDV01b] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Telematik im ÖPNV in Deutschland / Telematics in Public Transport in Germany, Alba Fachverlag, Postfach 110150, Düsseldorf, 2001, ISBN/ISSN 3-87094-648-2
[VDVKA] VDV eTicket Service GmbH & Co. KG VDV-Kernapplikation - KA_Technische Spezifikation, 2010/08
Glossar
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?339460

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 20:42:50