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Ballastwasser von Seeschiffen

Erstellt am: 29.11.2010 | Stand des Wissens: 30.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Aufnahme von Ballastwasser aus dem Meer dient der Herstellung einer sicheren Wasserlage eines leeren oder teilweise abgeladenen Schiffs. Dabei werden in dem jeweiligen Seegebiet lebende Meeresorganismen (kleine Fische, Benthos- und Planktonorganismen oder auch pathogene Keime) aufgenommen. Sie können bei der Abgabe des Ballastwassers im nächsten Ladehafen unter Umständen günstige Lebensbedingungen vorfinden und dort lebenden Gesellschaften von Meeresorganismen beeinträchtigen. Mittlerweile haben sich auf diese Weise bereits zahlreiche Arten in fremde Meeresgebiete ausgebreitet. Der World Wilde Fund for Nature (WWF) schätzt, dass etwa 7.000 verschiedene Arten im Ballastwasser über weite Strecken transportiert und ausgetauscht werden [Ripp09, S. 314]. Diese fremden Meeresorganismen richten zum Teil erhebliche Schäden an [Lego06]: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) führte 2004 eine Erhebung durch, nach der beispielsweise der Schiffsbohrwurm seit 1993 in der Ostsee wirtschaftliche Schäden in Höhe von etwa 25 Millionen Euro verursacht hat. Die chinesische Wollhandkrabbe hat in deutschen Gewässern geschätzte 73,5 - 85 Millionen Euro Schäden verursacht [UBA17f].

Die International Maritime Organization (IMO) hat 1997 freiwillige Leitlinien zum Ballastwassermanagement in einer Resolution angenommen. Ein Übereinkommen über Kontrolle und Management des Ballastwassers und der Sedimente von Schiffen (BWM Convention) wurde 2004 verabschiedet. Diese ist zum achten September 2017 in Kraft getreten, nachdem Finnland ein Jahr zuvor als 52. Staat dem Abkommen beigetreten war [HaHa17].

Das Ballastwasserabkommen definiert zwei Standards:
  • Der in den ersten Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens zugelassene Ballast Water Exchange Standard (D-1) schreibt vor, dass aufgenommenes Ballastwasser auf hoher See bei einer Entfernung von mindestens 200 Seemeilen zur nächsten Küste und bei einer Wassertiefe von mindestens 200 m so ausgetauscht werden muss, dass ein volumetrischer Austauschgrad von mindestens 95 Prozent erreicht wird.
  • Im Ballast Water Performance Standard (D-2) wird die Anzahl an Wasserorganismen und Bakterien im auszutauschenden Ballastwasser nach einer Aufbereitung von Ballastwasser definiert als Reduzierung aller Organismen auf ein akzeptables Risikoniveau.
Die zwei Standards wurden definiert, da zur Zeit der Verabschiedung des Übereinkommens keine technischen Lösungen verfügbar waren, mit denen die Einhaltung der D-2-Grenzwerte gesichert werden konnte. Die Systeme zur Ballastwasseraufbereitung können nach ihrem Wirkprinzip in mechanische, physikalische und chemische Verfahren unterteilt werden, meist werden sie kombiniert eingesetzt. Die IMO hat 2010 bereits eine Liste von 27 grundsätzlich und 11 endgültig bestätigten (approved) Ballastwasser-Managementsystemen veröffentlicht [IMO10].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Umwelt- und Klimaschutz im Seeverkehr (Stand des Wissens: 08.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?408691
Literatur
[HaHa17] Hafen Hamburg Marketing e.V. (Hrsg.) Meilenstein für den maritimen Umweltschutz - Ballastwasserübereinkommen in Kraft, 2017/09/08
[IMO10] k.A. Emerging Ballast Water Management Systems, Proceedings of the IMO-WMU Research and Development Forum 26-29 January 2010 Malmö, Sweden, Malmö, 2010, ISBN/ISSN isbn 978-91-977254-5-3
[Lego06] Leppäkoski, Erkki , Gollasch, Stephan Risk Assessment of Ballast Water Mediated Species Introductions - a Baltic Sea Approach, Helsinki, 2006
[Ripp09] Ripperger, Siegfried Anwendungen der Filtration zur Behandlung von Ballastwasser, veröffentlicht in F & S Filtrieren und Separieren, Ausgabe/Auflage Jg. 23 (6), 2009
[UBA17f] Umweltbundesamt (Hrsg.) Ballastwasser-Übereinkommen: Keine Chance für blinde Passagiere, 2017/09/08
Weiterführende Literatur
[FiCo05] Firestone, J. , Corbett, J. J. Coastal and Port Environments: International Legal and Policy Responses to Reduce Ballast Water Introductions of Potentially Invasive Species, veröffentlicht in Ocean Development & International Law, Ausgabe/Auflage 36, Taylor & Francis Inc., , 2005, ISBN/ISSN 1521-0642
[RoSt10] OLENIN Sergej, ALEMANY Francisco, CARDOSO Ana, GOLLASCH Stephan, GOULLETQUER Philippe, LEHTINIEMI Maiju, MCCOLLIN Tracy, MINCHIN Dan, MIOSSEC Laurence, OCCHIPINTI AMBROGI Anna, OJAVEER Henn, ROSE JENSEN Kathe, STANKIEWICZ Monika, WALLENTINUS Inger, ALEKSANDROV Borys Marine Strategy Framework Directive - Task Group 2 Non-indigenous Species, veröffentlicht in JRC Scientific and Technical Reports (EUR collection), Publications Office of the European Union, 2010, ISBN/ISSN ISBN: 978-92-79-15655-7
[MART04a] Ehsan Mesbahi MARTOB - Onboard Treatment of Ballast Water (Technologies Development and Applications) and Application of Lowsulphur Marine Fuel, 2004/07/26

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?334628

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2019 11:21:32