Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Grandfathering zur Allokation von CO2-Emissionsrechten

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 17.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Unter Grandfathering ist die kostenlose Vergabe von Emissionsnutzungsrechten an Alt-Emittenten zu verstehen. Vorteil dieses Verteilungsmodus ist der damit verbundene Bestandsschutz, der eine vergleichsweise hohe politische Durchsetzbarkeit verspricht [HaJü99, S. 4]. Nachteilig können sich hier Kosten- und damit Wettbewerbsnachteile für neu entstehende Unternehmen auswirken, falls der Staat keine Zertifikatsreserve für diese Neuemittenten vorhält. Unter verteilungspolitischen Maßgaben kann man die kostenlose Vergabe kritisieren, wie das z.B. Schellaböck/Petersen [ScPe99, S. 90] tun: Sie halten es für "unbefriedigend", dass durch Klimaschutz induzierte Knappheitspreise bei Grandfathering (und einem angenommenen Upstream-Handelssystem) den etablierten (Energie-)unternehmen geldwerte Vorteile bescheren, die bei einer Auktion der Emissionsrechte dem Staat/der Allgemeinheit zustünden. Auf die allokative Effizienz als wichtigster Zielgröße für ein Emissionshandelssystem hat das aber keinen Einfluss.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Handel mit CO2-Emissionszertifikaten (Stand des Wissens: 10.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?333632
Literatur
[HaJü99] Hansjürgens, Bernd Handelbare Umweltlizenzen - Funktionsbedingungen und Anwendungsmöglichkeiten, veröffentlicht in ZiF-Jahresbericht 1998/99, Bielefeld, 1999
[ScPe99] Petersen, Rudolf, Prof. Dr., Schallaböck, Karl Otto, Dr. Countdown für den Klimaschutz. Wohin steuert der Verkehr?, Wuppertal, 1999/07
Glossar
EU-Emissionshandelssystem Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) ist ein 2003 vom Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament beschlossenes marktwirtschaftliches Instrument, die im Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Anlagenbetreiber (zur Zeit sind etwa 11.000 Fabriken und Kraftwerke erfasst) müssen bei Überschreiten der ihnen fest vorgegebenen Emissionsberechtigungen Strafen bezahlen (100 Euro pro Tonne CO2), sofern keine Zertifikate zur Tilgung vorgelegt werden können. Diese Zertifikate vergeben solche Betreiber, die die o.g. Grenzwerte unterschritten haben. Die Nachweispflicht liegt in jedem Fall bei dem Anlagenbetreiber.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333577

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 07:41:09