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Beispiel: Die "Tragik der Allmende"

Erstellt am: 13.08.2010 | Stand des Wissens: 15.06.2015
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Die "Tragik der Allmende" beschreibt das Problem begrenzter Ressourcen, welche zugleich frei verfügbar sind. Die Allmende bezeichnete im Mittelalter die Dorfwiese auf der jeder Dorfbewohner sein Vieh weiden lassen konnte. Die Allmende war also Gemeineigentum und durfte von allen frei benutzt werden. Dies führte in der Regel zu einer Übernutzung.
Die Allmende ist heute die Bezeichnung für alle Güter mit den Eigenschaften der Nicht-Ausschließbarkeit (jeder darf es nutzen) und der Rivalität im Konsum (wenn ein Akteur das Gut konsumiert, kann ein anderer dieses nicht mehr - oder nicht mehr im vollen Umfang - konsumieren).
Die Tragik besteht in dem Umgang des Menschen mit diesen Gütern. Ohne Absprachen oder höhere Instanz wird ein rationaler Entscheider sich so viel wie möglich von diesem Gut beschaffen, da entweder die Möglichkeit zum Weiterverkauf oder eine direkte eigene Nutzenerhöhung mit der Verwendung des Gutes einhergeht. Da sich erwartungsgemäß alle Individuen so verhalten, kann dies zu nachhaltigen Schäden an der Ressource führen. Die Überfischung der Weltmeere kann zum Beispiel mittelfristig zu einem Aussterben gewisser Arten und somit zu einem dauerhaften Verlust der Nutzungsmöglichkeiten dieser führen.

Weitere heute relevante Beispiele sind:

  • Die Nutzung der Atmosphäre als Senke für Schadstoffe und Treibhausgase
  • Öffentliche Straßen bei Staugefahr
  • Plünderung von Wildtierbeständen vor allem in Entwicklungsländern
  • Trinkwasservorkommen vor allem in Entwicklungsländern.
Lösungsansätze dieses Problems sind klassischerweise Quoten, Steuer oder Zertifikate die durch staatlich oder suprastaatlich durchgesetzte Strafen bei Verstößen implementiert werden. Auch die Verstaatlichung oder anderweitige eindeutige Eigentumszuteilung der Ressource kann eine Lösung sein.

Elinor Ostrom beschreibt den Ansatz der Selbstverwaltung der Betroffenen, welcher in nichtstaatlichen, dezentralen Institutionen oft effizienter sei als die staatliche Verwaltung. Voraussetzung für das Funktionieren sind glaubwürdige Selbstverpflichtung, klare Abgrenzung der Beteiligten und wirksame Kontrollmechanismen [Quelle: Ostrom99].
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Theoretische Grundlagen externer Effekte (Stand des Wissens: 15.06.2015)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?328955
Literatur
[Ostrom99] Elinor Ostrom Die Verfassung der Allmende, 1999
Glossar
Treibhausgase Diese in der Atmosphäre sich befindlichen Gase verhindern, dass langwellige Infrarotstrahlung auf direktem Weg von der Erdoberfläche ins Weltall gelangt. Sie verhalten sich wie Glasscheiben eines Treibhauses und heizen die Atmosphäre auf. Natürliche Treibhausgase:
  • Wasserdampf
  • Kohlendioxid
  • Ozon
  • Methan
  • Stickoxid
Vom Menschen gemachte Treibhausgase:
  • FKW
  • HFKW
  • FCKW
  • SF6

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?328924

Gedruckt am Dienstag, 20. November 2018 07:14:42