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Der Dosis-Wirkungsansatz zur Bewertung von Externalitäten

Erstellt am: 13.08.2010 | Stand des Wissens: 19.08.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Der Dosis-Wirkungsansatz zur Bewertung von Externalitäten ist für den Fall unstrittiger oder gut belegter monetärer Folgen einer Emission die bevorzugte Bewertungsmethode. Zur Anwendung der Methode muss es aber möglich sein, jeder Konzentration, die auf einen Gegenstand, die Natur oder den Menschen wirkt, einen Schaden zuzuordnen.

Ein Beispiel sind Ernteausfälle durch NOx-Emissionen, welche sauren Regen zur Folge haben. Es lässt sich durch Laborbedingungen gut ein Ertragsunterschied für Nutzpflanzen bei unterschiedlichen NOx-Konzentrationen im simulierten Regenwasser nachweisen. Der Schaden durch Ernteausfälle lässt sich in etwa mit den Preisen des Weltmarktes für das Gut beziffern. Dieser Zusammenhang zwischen NOx-Konzentrationen und monetär bewertetem Ernteausfall wird Schadensfunktion oder Dosis-Wirkungsbeziehung genannt.

Der Dosis-Wirkungsansatz geht über direkte Eigentumsverluste hinaus. Schadensfunktionen können auch für die Kosten von erhöhten Erkrankungsraten aufgestellt werden. Hierbei werden die durchschnittlichen Aufwendungen für Ressourcen einer üblichen Behandlung der vermehrt entstehenden Krankheit als Kosten angenommen.
Die Erhöhung der Feinstaubkonzentration (PM10) um 10 µg/m3 verursacht zum Beispiel eine Erhöhung der Morbidität (vor allem Atemwegserkrankungen) um 0,5% bis 5,7% [AUPHEP04]. Eine Atemwegsbehandlung im Krankenhaus kostet im Schnitt etwa 2980 Euro bis 3600 Euro. Somit können bei einer bekannten Anzahl an Geschädigten die entstehenden externen Kosten durch eine Erhöhung der Feinstaubkonzentration, etwa durch den Neubau einer Fabrik, abgeschätzt werden.

Ein schwieriges, aber in der Praxis angewandtes Gebiet des Dosis-Wirkungsansatzes ist eine Erhöhung der Mortalität. Durch erhöhte Einwirkung von Lärm oder Schadstoffen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an Herzkreislauferkrankungen zu sterben. Dieser Erhöhung der Mortalität im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse Rechnung zu tragen ist heikel. Methodisch funktioniert sie jedoch ähnlich der Morbiditätskostenrechnung.
(Zur ethischen Betrachtung der ökonomischen Bewertung des Wertes des Lebens und ihrer Methode: UBA07g, Schleiniger06)
Dosis.jpgAbb. 1: Ausgewählte Bewertungsansätze in UNITE
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Theoretische Grundlagen externer Effekte (Stand des Wissens: 19.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?328955
Literatur
[AUPHEP04] Kommission für Reinhaltung der Luft (Österreichische Akademie der Wissenschaft) Austrian Project on Health Effects of Particulates, 2004
[Schleiniger06] Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, Zentrum für Wirtschaftspolitik , Prof. Dr. Reto Schleiniger, Jonas Blöchliger Der Wert des Lebens aus ökonomischer Sicht: Methoden, Empirie, Anwendungen, 2006/08
[UBA07g] Umweltbundesamt, Dr. Sylvia Schwermer Ökonomische Bewertung von Umweltschäden, Methodenkonvention zur Schätzung externer Umweltkosten, 2007/04
Glossar
NOx = Stickoxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs. Die wichtigsten Stickoxide sind Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Es sind gasförmige Verbindungen, die sich nur wenig in Wasser lösen. Die wichtigsten Stickoxid-Quellen sind natürliche Vorgänge, wie z. B. mikrobiologische Umsetzungen im Boden, sowie Verbrennungsvorgänge bei Kraftwerken, Kraftfahrzeugen und industrielle Hochtemperaturprozesse, bei denen aus dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft Stickoxide entstehen. Stickstoffdioxid ist ein Reizstoff, der die Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und des Atmungstraktes beeinträchtigt.
Externe Kosten Kosten, die nicht vom eigentlichen Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden und deshalb nicht in den Marktpreisen enthalten sind, werden als externe Kosten bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?328850

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 06:59:36