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Auswirkungen von Lastzugkombinationen - Übersicht

Erstellt am: 01.04.2010 | Stand des Wissens: 14.10.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Im Folgenden werden die Auswirkungen von Lastzugkombinationen dargestellt und diskutiert. Bestandteile dieses Themas sind unteranderem folgende:
  • Straßeninfrastruktur
  • Verkehrsablauf
  • Befahrbarkeit von Verkehrsanlagen
  • Verkehrssicherheit
  • Umwelt
Eine wichtige Quelle ist die Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) aus dem Jahre 2016, welche im Rahmen des 'Feldversuch mit Lang-Lkw' entstanden ist. Zusammenfassend wurde dabei Folgendes festgestellt: Für die Straßeninfrastruktur ergeben sich beispielsweise Probleme bei Brücken [BASt16b, S. 1]. Hier können Beanspruchungen oberhalb kritischer Bemessungsgrenzen entstehen. Zudem werden an Tunnelanlagen höhere Anforderungen in Form besserer Sicherheitsausstattungen (im Brandfall) gestellt [BASt16b, S. 75-78]. Hinsichtlich des Verkehrsablaufes sind durch den Einsatz längerer Lastzugkombinationen auf Autobahnen keine gravierenden Probleme zu erwarten. Im nachgeordneten Straßennetz hingegen lassen sich negative Auswirkungen aufgrund der längeren Räumzeiten, um Beispiel an nicht signalisierten Knotenpunkten oder an Bahnübergängen, kaum vermeiden [BASt16b]. Untersuchungen der BASt haben gezeigt, dass Straßenanlagen nur von Lastzugkombinationen mit Nachlauflenkachse befahren werden können. Außerdem muss bei der Befahrung von Kreisverkehren mit einer Mitbenutzung von Flächen im Seitenraum und Sicherheitsräumen gerechnet werden [BASt16b, S. 106]. Innerörtliche Straßenknoten können selbst unter Weglassung sämtlicher Bewegungs- und Sicherheitsräume von langen Lastzugkombinationen nicht befahren werden [BASt16b, S. 106f.]. Bezüglich der Verkehrssicherheit kann sich eine Erhöhung der Fahrzeuggewichte und der Fahrzeuglängen negativ auf die Unfallschwere beziehungsweise die Unfallhäufigkeit auswirken [BASt16b]. Verbände, die für eine Einführung von Lastzugkombinationen plädieren, führen an, dass sich durch eine Einführung die Verkehrssicherheit zumindest nicht verschlechtert, da die Fahrzeuge über modernste Sicherheitstechnik verfügen.

Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf die Umwelt werden hierbei kontrovers diskutiert. Im Jahr 2007 sah das BMVBS die Lastzugkombinationen auf deutschen Straßen aus umweltpolitischen Gründen als kritisch an. Damals ging es allerdings um die Einführung von bis zu 60 Tonnen schweren Lkws. Im Jahr 2010 sprach sich das ehemalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS; mittlerweile das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur BMVI) jedoch deutlich für einen Einsatz der Gigaliner aus, wobei es dies vor dem Hintergrund des geringeren Gewichtes von bis zu 44 Tonnen für keinen Widerspruch zu dem Beschluss der Verkehrsministerkonferenz im Jahr 2017 sieht [Schw10; BMVI21v]. Befürworter der Gigaliner sehen im Einsatz von Lastzugkombinationen erhebliches Potenzial, insbesondere in Bezug auf den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge. Laut einer Studie des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr verringert sich trotz eines höheren Kraftstoffverbrauchs bei Gigaliners pro Fahrzeug wiederum der Kraftstoffverbrauch je transportierter Tonne um circa 32,5 Prozent und je transportiertem Kubikmeter um circa 32,8 Prozent im Vergleich zu einem herkömmlichen Lkw [FHBr07, S. 40]. Ferner wird argumentiert, dass sich die Anzahl sich im Einsatz befindender Fahrzeuge reduzieren wird. So ersetzen zwei Gigaliner drei herkömmliche Lkw, weshalb der Kraftstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß sinken würde [VDA06a; BASt16b, S. 75]. Kritiker hingegen befürchten, dass es durch Lastzugkombinationen zu einer zusätzlichen Verlagerung von Verkehr von der Schiene auf die Straße kommt. Dadurch würden die Schadstoffemissionen steigen und die Verkehrsbelastung würde zunehmen [ApS18a]. Nachfolgend werden die einzelnen Bereiche noch einmal in verschiedenen Sachberichten detaillierter dargestellt.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lastzugkombinationen im Straßengüterverkehr (Stand des Wissens: 12.10.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?221041
Literatur
[ApS18a] Allianz pro Schiene e.V., o.A. Wir werden die Lang-Lkw im Auge behalten, 2018/06
[BASt16b] Marco Irzik , Thomas Kranz, Jan-André Bühne , Klaus-Peter Glaeser, Sigrid Limbeck, Jost Gail , Wolfram Bartolomaeus , Andreas Wolf , Christof Sistenich , Ingo Kaundinya , Ilja Jungfeld , Uwe Ellmers , Janine Kübler , Hardy Holte , Rolf Kaschner Feldversuch mit Lang-Lkw, Bergisch Gladbach, 2016/11/01
[BMVI21v] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Lang-LKW fahren dauerhaft auf geeigneten Strecken, 2021/09
[FHBr07] Friedrich B., Hoffmann, S., Brackelmann, F. Auswertung des niedersächsischen Modellversuchs zum Einsatz von "GigaLinern", 2007
[Schw10] Schwarze, Till Die Gigaliner kommen, 2010/07/30
[VDA06a] VDA EuroCombi: Mehr Güter - Weniger Verkehr, 2006
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?308120

Gedruckt am Dienstag, 4. Oktober 2022 19:50:38