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Kapazitätsengpässe der Straße als relativer Vorteil für den Kombinierten Verkehr

Erstellt am: 30.03.2010 | Stand des Wissens: 31.07.2019
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Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Fahrleistung auf bundesdeutschen Autobahnen ist von 213,3 Milliarden Kilometer im Jahr 2005 auf 237,3 Mrd. Kilometer im Jahr 2015 gestiegen. Trotz des leicht rückläufigen Bestandes an Pkw und Lkw über diesen Zeitraum stieg die Verkehrsleistung dieser Fahrzeuge an. Mit einer Zunahme um 20 Prozent auf 68,6 Milliarden Kilometer im Jahr 2015 gegenüber dem Jahr 2005 tragen Lkw (einschließlich Sattelzugmaschinen) überdurchschnittlich zu diesem Wachstum bei [BASt16a].

Der hohe Anteil des Straßenverkehrs an der gesamten Transportleistung im Güterverkehr liegt bei über 70 Prozent [StaBu15a]. Das Wachstum des Güteraufkommens sowie der zunehmende Transitverkehr sind zwei wesentliche Ursachen für die steigende Belastung überregionaler Straßen durch den Lkw. Bereits 2005 wurden in einer Studie auf insgesamt 1050 Kilometern des deutschen Autobahnnetzes teilweise erhebliche Engpässe festgestellt. Demnach sind von den Störungen neben den Autobahnen in den Ballungsräumen Hamburg, Berlin, Rhein-Ruhr, Frankfurt und München insbesondere die A1 zwischen Hamburg und Bremen und im weiteren Verlauf Teilstrecken bis Köln, die A5 südlich Gießen, die A3 zwischen Frankfurt und Nürnberg, die A6 zwischen Heidelberg und Nürnberg sowie die A8 zwischen Karlsruhe und München betroffen [PLANCO07a, S. 5ff.].
Eine Studie der deutschen Akademie der Technikwissenschaften e. V. [Acat06] kommt zu ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Lokalisierung der Engpassstellen. Darüber hinaus weist sie einen signifikanten Einfluss der Ost-West-Transitverkehre auf die Belastung der Straßeninfrastruktur in Deutschland nach, wie aus Abbildung 1 hervorgeht.
Transistverkehr_306395.pngAbb. 1: Entwicklung des Lkw-Ost-West-Transitverkehrs [Acat06, S. 27] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Diese Entwicklungen können nur zum Teil die relative Attraktivität des Kombinierten Verkehrs erhöhen. So werden gerade in eher von Überlastung gekennzeichneten Ballungsräumen Vor- und Nachläufe intermodaler Transporte auf der Straße durchgeführt, da auf der ersten und letzten Meile die Flexibilität des Lkw in der Regel unverzichtbar ist. Darüber hinaus wird es nur zu Verlagerungen vom durchgehenden Straßengüterverkehr auf Kombinationen mit anderen Verkehrsträgern kommen, wenn diese im Hinblick auf Kosten und Qualität ein gutes Angebot darstellen. Um Verkehrsengpässe zu verringern, konnte das Autobahnnetz Deutschlands von 2.478 km auf 12.993 km erweitert werden. "Der Bestand an Autobahnen mit sechs- oder mehr Fahrstreifen wuchs bis 2016 von 2.463 km auf 3.383 km. 40 % dieser Bauleistungen wurde in den neuen Bundesländern - hauptsächlich im Komplex der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit - realisiert. Darüber hinaus wurden rund 3.618 km Bundesstraßen aus- oder neugebaut." [Destatis16c]
Kaarte - Entwicklung der Autobahnen in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990Abb. 2: Entwicklung der Autobahnen in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990 [Destatis16c] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
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Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verlagerungspotenziale im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 23.10.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321702
Literatur
[Acat06] Acatech - Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e.V. Mobilität 2020. Perspektiven für den Verkehr von Morgen. Schwerpunkt: Strassen- und Schienenverkehr, Fraunhofer IRB Verlag Nobelstr. 12 70569 Stuttgart, 2006
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[StaBu15a] o.A. Kombinierter Verkehr 2014: Fachserie 8 Reihe 1.3, Ausgabe/Auflage Fachserie 8 Reihe 1.3, 2015/12/10
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Letzte Meile
Im Bereich der Telekommunikation bezeichnet die "letzte Meile", auch Teilnehmeranschlussleitung genannt, die Netzstrecke zwischen dem lokalen Verteilerkasten des entsprechenden Kommunikations-Unternehmens und dem Hausanschluss des Endkunden.
In der Logistik steht der Begriff für die Belieferung des Endkunden im Liefer- und Abholverkehr, also dem letzten notwendigen Transportvorgang.
Transitverkehr Unter Transitverkehr ist vor allem Güterverkehr zu verstehen, der durch ein Land hindurchführt, das nicht Ziel der Warensendung ist.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?306395

Gedruckt am Montag, 10. August 2020 18:01:42