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Flugplanung und Flugvorbereitung

Erstellt am: 06.05.2008 | Stand des Wissens: 22.01.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Flugplanung verfügt über Instrumente wie das Luftverkehrsmanagement (Air Traffic Management - ATM), welches aus den Komponenten Luftraummanagement (Air Space Management - ASM), Verkehrsflussmanagement (Air Traffic Flow and Capacity Management - ATFCM - in Europa auch Network Manager) und der Flugverkehrskontrolle (Air Traffic Control - ATC) besteht. Während ASM den Luftraum koordiniert und Verkehrswege bereitstellt, ist das ATFCM für optimale Verkehrsflüsse zu oder durch Lufträume in den Zeiten zuständig, in denen die Nachfrage die verfügbare Systemkapazität übersteigt. Das ATFM greift somit in den regulativen Verkehrsfluss ein und versucht somit die günstigste Ausnutzung des Luftraumes zu gewährleisten - Minimierung der Verspätungen eingeschlossen. Das Aufgabengebiet des Network Managers umfasst auch die am aktuellen Flugtag stattfindende Slotvergabe (Slot allocation procedure). Die ATC lenkt und überwacht Bewegungen im kontrollierten Luftraum und auf dem Flughafen.

Der Flughafenbetreiber verfügt neben Instrumenten wie der Flugverkehrs- und Bodenkontrolle auch über das Gatemanagement. Die Aufgabe des Gatemanagements beinhaltet Planung, Entscheidung und Anweisung, wo Flugzeuge geparkt oder abgestellt werden sollen beziehungsweise auf welchem Standplatz (terminalfern oder -nah) sie abgefertigt werden sollen. Das Gatemanagement wird durch kurzfristige Planänderungen, Flugzeugmix, Wetter und politische Lage beeinflusst und erfährt Unterstützung durch Verkehrskoordinations- und Verkehrssteuerungssysteme. Gutes Gatemanagement ist an geringen Pannen und Zwischenfällen und einer kurzen Abfertigungs- und Rollführungszeit erkennbar.

Des Weiteren verfügt ein internationaler Großflughafen über ein Bodenverkehrsmanagement, welches sämtliche verkehrlichen Bewegungen koordiniert. Dessen Kapazität wird durch das Rollwegesystem, die zur Verfügung stehende technische Ausrüstung wie zum Beispiel Rollhilfen, die Anzahl der Arbeitsplätze und Arbeitskapazität der leitenden / ausführenden Personen bestimmt. Beeinflusst wird die Kapazität des Bodenverkehrsmanagements durch kurzfristige Planänderungen, dem Flugzeugmix und durch das Wetter.

Zur Umsetzung luftverkehrspolitischer Ziele verfügt der Staat über Beeinflussungsmöglichkeiten. Diese Instrumentarien der Luftverkehrspolitik können von administrativer, ordnungspolitischer oder finanzpolitischer Art sein und unter anderem in Form von Kooperationen und Beteiligungen auftreten. Ein Teil dieser immateriellen Luftverkehrsinfrastrukturelemente beeinflussen in erheblichem Maße die Luftverkehrskapazität. Unter der immateriellen Infrastruktur sind unstoffliche und unkörperliche Elemente zu verstehen, die für eine sichere Durchführung des Luftverkehrs notwendig sind (siehe Abbildung 1). Diese Elemente sind von geistiger Natur, entwickelt und festgelegt von verschiedenen Luftfahrtorganisationen.

Die Flugplanung und andere Vorbereitungsmaßnahmen sind den immateriellen Elementen zuzuordnen. Zu ihnen zählen auch Strukturen wie die horizontale und vertikale Separation des Luftraumes, Luftraumklassifizierungen und Ausdehnung des An- und Abflugbereichs sowie Instrumente der Flugsicherung, Fluggesellschaften, des Flughafens und der Luftverkehrspolitik, die die Rahmenbedingungen für die materiellen und personellen Elemente bilden.
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Abbildung 1: Immaterielle Luftverkehrsinfrastrukturelemente (nach [Mens13])
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherheitsaspekte im Flugbetrieb (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?87967
Weiterführende Literatur
[Mens13] Heinrich Mensen Handbuch der Luftfahrt, veröffentlicht in VDI-Buch, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Springer-Verlag / Berlin, Heidelberg, 2013, ISBN/ISSN 978-3-642-34401-5
[Maur03] Maurer, P. Luftverkehrsmanagement, R. Oldenbourg Verlag München Wien, 2003, ISBN/ISSN ISBN 3-486-27422-8
Glossar
Verkehrsfluss
Unter Verkehrsfluss versteht man die Anzahl der Fahrzeuge, die eine vordefinierte Verkehrs(quer)fläche pro Zeiteinheit durchfährt.
Luftverkehrskapazität Kapazität im Luftverkehr bezeichnet generell ein Maximum an Bewegungen (FZ, Pax) oder Nutzlast, was innerhalb eines angegebenen Zeitintervalls und festgelegter Qualität transportiert werden kann. (Falls anderweitig nicht erwähnt, wird die Kapazität in Zusammenhang mit FZ-Bewegungen als Standardwert verwendet. Die Kapazitätseinheit ist dann die Anzahl von FZ pro Zeitintervall.)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?261505

Gedruckt am Donnerstag, 17. Oktober 2019 18:20:28