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Einfluss der Qualitätsindikatoren Netz und Erreichbarkeit auf den Luftverkehr

Erstellt am: 23.02.2008 | Stand des Wissens: 30.11.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Flughäfen gewährleisten die internationale Vernetzung einer Region [Roeh07]. Die Qualitätsindikatoren Netz und Erreichbarkeit machen auf Ziel- und Problembereiche aufmerksam, die das Einzugsgebiet und damit die Erreichbarkeit von Flughäfen, die Verbindungen zwischen den Flughäfen sowie die Flughafenanbindung anderer Verkehrsmittel betreffen. Aus Sicht der Flughafenbetreiber, anderer Dienstleister und der Fluggesellschaften, betrifft dies in erster Linie die Flughafenkategorie, die Routenstruktur und dessen Flexibilität, Ausbau sowie die Kapazität [Mens13a].

Im Jahr 2015 gibt es in Deutschland 22 internationale zivile Verkehrsflughäfen, 16 Regionalflughäfen mit Linien- und Charterflugverkehr, etwa weitere 100 Regionalflughäfen ohne reguläre Flugangebote sowie mehr als 200 Sonderlandeplätze [ADV15a]. In Deutschland können 64 Prozent der Bevölkerung den nächstgelegenen Flugplatz innerhalb einer Stunde und 95 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 90 Minuten mit anderen Verkehrsmitteln erreichen [Mens13a, S. 149]. Die Erreichbarkeit der internationalen Flughäfen in Deutschland, berechnet nach dem Modell des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in PKW-Fahrzeiten, ist in Abbildung 1 dargestellt.
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Abbildung 1: Erreichbarkeit von Flughäfen [in Pkw-Fahrzeit] [BBSR15a]
Die Flughäfen Frankfurt/Main und München sind Hub-Flughäfen und somit wichtige Knotenpunkte im weltweiten Luftverkehrsnetz mit einer erheblichen Anzahl von Umsteige-Passagieren [Mens13a]. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt ein Prognosemodell zur Verkehrsmittelwahl, dass auf eine beliebige Flughafenanzahl und -kombinationen sowie Zugangsmodi anwendbar ist. Dieses Modell kann für die Entscheidungsfindung künftiger Flughafeninfrastruktur hilfreich sein (vergleiche Synthesebericht "Verkehrsmittelwahl zum Flughafen" in gleichnamiger Wissenslandkarte).
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Flughafennetze entwickelt, die sich in Abhängigkeit der nationalen Struktur, der Verkehrsbedürfnisse und der verkehrs- sowie unternehmenspolitischen Ansätze unterscheiden. Die verbreitetsten Netzstrukturen im Luftverkehr sind Direktverbindungen und Hub-and-Spoke-Systeme. Direktverbindungen  sind aufgrund der vielen Verbindungen sehr aufwendig, kostspielig und somit ineffizient. Vor allem für den Langstreckenverkehr haben sich die Hub-Flughäfen durch Reduzierung der Flugbewegungen als sinnvolle Lösung erwiesen. Die Passagiere wechseln von kleineren Zubringerflugzeugen auf Großraumflugzeuge, beziehungsweise umgekehrt. Bei der Umsetzung von Direktverbindungen würde dies bei den vorhandenen 22 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland 136 Verbindungen bedeuten. Direktverbindungen wären zwar für den Passagier bequemer, jedoch im Vergleich zu den Hub-and-Spoke-Netzen wesentlich kostenintensiver und umweltschädlicher [Mens13a, S. 143ff.].
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Abbildung 2: Vergleich von Hub-and-Spoke-System und Direktverbindungen, eigene Darstellung nach [Mens13a, S.144]

In Deutschland wird das Nachfrageaufkommen einer Region durchschnittlich von acht Flughäfen mit einer Standardabweichung von zwei Flughäfen bedient. In einem dezentralisierten Flughafensystem wie in Deutschland, wählen die Reisenden unter mehreren Flughafenoptionen. Die überwiegende Mehrheit, 67 Prozent der Passagiere, beginnen ihre Reise jedoch am nächstgelegenen Flughafen (vergleiche Synthesebericht "Einzugsgebiete von Flughäfen" in gleichnamiger Wissenslandkarte).
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Anforderungen an die Flughafenbereiche (Stand des Wissens: 10.01.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?165056
Merkmale des Luftverkehrs (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?249783
Literatur
[ADV15a] ADV (Hrsg.) ADV-Verkehrsstatistik, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) e.V., 2014
[BBSR15a] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Erreichbarkeit von Flughäfen, 2015
[Mens13a] Mensen, Heinrich Planung, Anlage und Betrieb von Flugplätzen, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2013/03, ISBN/ISSN 978-3-642-25861-9
[Roeh07] Röhl, K.-H. Das System der deutschen Flughäfen - fit für die Zukunft?, veröffentlicht in IW-Trends - Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung, Ausgabe/Auflage 34. Jahrgang, Heft 3/2007, Deutscher Instituts-Verlag / Köln, 2007
Weiterführende Literatur
[OrCh07] Christian Ordon Die Bedeutung des ÖPNV für die nachhaltige Sicherung der Mobilität in der Region Frankfurt Rhein-Main, 2007/06/04
[BMV09k] Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Hrsg.) Flughafenkonzept der Bundesregierung 2009, 2010/06/16
[MADV12] Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) e.V. (Hrsg.) Mitgliederinformation des ADV - Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen e.V., 2000/01
Glossar
Hub-and-Spoke
Hubs sind zentrale Umschlagpunkte über die Versand- und Empfangspunkte miteinander verbunden werden.
Die Empfangs- und Versanddestinationen werden auch als Speichen (Spokes) bezeichnet. Das heißt, eine Verbindungen wird nicht direkt durchgeführt, sondern über einen zentralen Knoten oder Umschlagspunkt. Es wird daher von einem Hub-and-Spoke-System oder Nabe-Speiche-System gesprochen.
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).
BBSR
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Das BBSR im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ist seit 2018 eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Es berät die Bundesregierung bei Aufgaben der Stadt- und Raumentwicklung sowie des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens. (BMVBS bis 2013, BMUB bis 2018)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?253123

Gedruckt am Donnerstag, 29. September 2022 02:55:27