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Mobilitätanforderungen von Kindern und Jugendlichen

Erstellt am: 28.06.2006 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Kinder und Jugendliche haben spezifische Bedürfnisse und Anforderungen bezüglich ihrer Mobilität und somit an die Verkehrsplanung. In vielen Projekten kann es sinnvoll sein, Kinder und Jugendliche am Verkehrsplanungsprozess zu beteiligen [HSTR12]. Neben den positiven Effekten für alle Beteiligten ist hier der rechtliche Anspruch von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation hervorzuheben. Diese hat in den letzten Jahren keine Fortschritte erzielt, jedoch erhält das Thema durch Programme und Initiativen wie "Starkmachen für Kinderrechte" [BMFSFJ15] oder "jungbewegt - Für Engagement und Demokratie." [BeSt18] zunehmend Beachtung. Vor allem auf Gemeindeebene, in Planungen und in der Politik sollten in Zukunft grundlegende Fortschritte betreffend der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen erzielt werden [DKHW15, S. 15].
Unabhängig von der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Politik und Planung, werden verstärkt deren spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen in der Planungspraxis berücksichtigt.
Das aktuelle Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) "Hinweise zur Integration der Belange von Kindern in die Verkehrsplanung" [FGSV10a] zeigt die Anforderungen an Verkehrsanlagen für Kinder und Jugendliche auf und gibt Planungshinweise. Vor allem in der Straßennetzplanung sollte darauf geachtet werden, dass Netze der öffentlichen Straßen und Wege so gestaltet werden, dass sie selbständig von Kindern und Jugendlichen zu einem frühen Zeitpunkt (möglichst schon im Kindergartenalter) genutzt werden können. "Da Kinder alle Verkehrsmittel, mit Ausnahme des Autos, auch selbständig nutzen, sollten besonders Fußgänger- und Radverkehrsnetze engmaschig, direkt, geschlossen, komfortabel, attraktiv und sicher sein. Dabei sollten die wichtigen Ziele von Kindern und Jugendlichen (Schulen, Sportstätten, Freizeiteinrichtungen etc.) eingebunden sein. Die Querungsstellen von Fahrbahnen sollen eine entsprechende Sicherheit und Qualität aufweisen. Die Erreichbarkeit der Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sollten ebenfalls gesichert sein" [FGSV10a, S. 23].
In der nachfolgenden Tabelle sind Merkmale attraktiver Netze und Netzelemente aus Sicht der Kinder aufgeführt [FGSV10a, S. 24].
197115_Grafik_Attrative Netze und Netzelemente Aus Sicht der Kinder.PNGAbbildung 1: Merkmale attraktiver Netze und Netzelemente aus Sicht der Kinder [FGSV10a, S. 24]
Die Vorteile, die sich mit der Umsetzung dieser Kriterien in der Praxis ergeben, richten sich nicht nur an Kinder und Jugendliche. Als Resultat verbessert sich die Verkehrssicherheit, besonders für Fußgänger und Radfahrer im Allgemeinen. Es ist somit im Interesse der Kinder und Jugendlichen, aber auch im Interesse der Allgemeinheit, sich an der kindergerechten Dimensionierung von Verkehrsnetzen und Verkehrsnetzelementen zu orientieren.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilität von Kindern und Jugendlichen (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?195757
Literatur
[BeSt18] Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) "jungbewegt - Für Engagement und Demokratie.", 2018
[BMFSFJ15] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) Starkmachen für Kinderrechte, 2015/12/18
[DKHW15] Deutsches Kinderhilfswerk e.V. (Hrsg.) Kinderreport Deutschland 2015 - Rechte von Kindern in Deutschland, 2015, ISBN/ISSN 978-3-922427-35-3
[FGSV10a] FGSV-Arbeitskreis 1.1.1 "Gender und Mobilität" , Annette Albers, Karin Arndt, Gabriele Feller, Ulrike Huwer, Claudia Jürgens, Silvia Körntgen, Angelika Klein, Ursula Lehner-Lierz, Jörg von Mörner, Marcus Steirwald, Gisela Stete, , Hinweise zur Integration der Belange von Kindern in die Verkehrsplanung , 2010, ISBN/ISSN 978-3-941790-26-1
[HSTR12] Hochschule für Technik Rapperswil, IRAP Institut für Raumentwicklung (Hrsg.) Leitfaden für die Beteiligung Jugendlicher in der Planung, 2012/03
Weiterführende Literatur
[BMFSFJ06a] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) Nationaler Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland (2005-2010), Berlin, 2006/04
Glossar
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?197115

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2019 03:12:09