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Mobilitätskultur (Soft Policies)

Erstellt am: 25.04.2006 | Stand des Wissens: 06.12.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Intermodalität bleibt für die viele Verkehrsteilnehmer ein Geheimnis, solange sie nicht kommuniziert wird.
In dem vom BMVBS geförderten Forschungsprojekt "Entwicklung eines integrierten Konzepts der Planung, Kommunikation und Implementierung einer nachhaltigen, multioptionalen Mobilitätskultur" [ISOE06] wurde sich mit verkehrsmittelübergreifenden, multioptionalen Angeboten in der Stadt- und Verkehrsentwicklung beschäftigt. Die Nutzung des jeweils adäquaten, stadtverträglichen Verkehrsmittels braucht hiernach nicht nur die technischinfrastrukturelle Reife, sondern gleichzeitig Popularität und Attraktivität.

Ein Ergebnis des Projektes ist, dass nachhaltige Mobilitätskultur erst durch verkehrsmittelübergreifende, multioptionale Angebote entstehen kann. Mobilitätskultur bedeutet hierbei, die sogenannten weichen Faktoren, die mittels Kommunikations-Maßnahmen angesprochen werden können, in ihrem Zusammenwirken mit den sogenannten harten Maßnahmen und Infrastrukturen zu betrachten.

Dabei sind vier Formen der Kommunikation zu berücksichtigen [ISOE06, S. 152f.]:
  • Kommunikation zwischen Planung und Bürgerschaft (gegenseitiges Lernen),
  • Kommunikation als Inszenierung im Sinne von Imagebildung und emotionaler Kundenbindung,
  • Kommunikation der Verkehrsteilnehmenden untereinander (Selbstregulierung) sowie
  • Kommunikation zwischen beteiligten Akteuren, welche planen und gestalten.
Die Mobilitätskultur einer Stadt setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen [ISOE06]:
  • Den Einstellungen, Verhaltensweisen und Umgangsformen der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer: Da diese eng mit den lokalen Milieus und Lebensstilen verkoppelt sind, werden sie Mobilitätsstile genannt. Mobilitätsstile können sich lokal, regional, aber auch national unterscheiden.
  • Der städtischen Verkehrsplanung: Sie hat eine praktisch-materielle Seite, die sich in dem Verkehrsmittelangebot, Straßen und Schienen, Rad- und Fußwegen manifestiert. Aber es gibt auch die dahinterstehenden Konzepte und Leitvorstellungen, politischen Beschlüsse, Kompromisse und Verlautbarungen.
  • Den offiziellen und inoffiziellen städtischen Diskursen: Dabei geht es nicht nur um Mobilität und Verkehr, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, sondern auch um wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze, um die Bedürfnisse von Frauen, Männern, Kindern und Mobilitätseingeschränkten. Themen, die in den Zeitungen und Sendungen, auf Flugblättern und Plakaten, in Vorzimmern und Hinterzimmern besprochen, diskutiert oder propagiert werden.
  • Dem städtischen Raum: Dieser ist historisch gewachsen und durch Planung gestaltet. Er ist verbunden mit dem Image, den Bildern und Visionen einer Stadt. So gibt es beispielsweise die Universitäts-Stadt, die Banken-Stadt oder die Kaufmanns-Stadt. Auch historische, topographische und landschaftliche Bezüge bestimmen das Image einer Stadt, das Einfluss auf eine Mobilitätskultur haben kann: die Stadt am Fluss, die Museumsstadt, die Fahrradstadt.
Generell soll zu Perspektivwechseln zwischen den Verkehrsarten animiert und damit auch die Interaktion und Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmenden unterstützt werden. Wesentlich dabei ist, dass sowohl bei der Planung als auch bei der Kommunikation von neuen Angeboten, neuer Infrastruktur oder Services konsequent die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer eingenommen wird, insbesondere im Sinne eines "von Tür zu Tür Denkens". Kommunikative und planerische Maßnahmen werden so miteinander verschränkt und Kommunikation nicht nachträglich auf verschiedene Mobilitätsangebote und Infrastrukturmaßnahmen aufgesetzt, sondern als zentrales Element in allen Phasen berücksichtigt [ISOE06].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nichtmotorisierter Individualverkehr (Stand des Wissens: 11.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?481394
Soft Policies - Veränderung der Verkehrsmittelwahl zugunsten umweltfreundlicher Verkehrsmittel (Stand des Wissens: 17.01.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?192469
Literatur
[ISOE06] Institut für soial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH, Deffner, Jutta, Götz, Konrad, Schuber, Steffi, Potting, Christoph, Stete, Gisela, Tschann, Astrid, Loose, Willi Entwicklung eines integrierten Konzepts der Planung, Kommunikation und Implementierung einer nachhaltigen, multioptionalen Mobilitätskultur, 2006
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?192723

Gedruckt am Montag, 17. Mai 2021 21:48:28