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Cannabis und Verkehrssicherheit

Erstellt am: 07.04.2006 | Stand des Wissens: 07.04.2006
Auftraggeber / Förderer:   Bundesanstalt für Straßenwesen
Auftragnehmer:   Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Physiologische Psychologie
Klinikum der Universität Heidelberg, Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin
Projektpartner:   Müller, Christian P.
Topic, Bianca
Strohbeck-Kühner, Peter
Lutz, Beate
Skopp, Gisela
Aderjan, Rolf
Huston, Joseph P., Prof. Dr.
Projektnummer:   FE 82.238.2002
Projektstand:   abgeschlossen
Raumbezug:   Bundesrepublik Deutschland
Veröffentlichung:   [AlCo06] Cannabis und Verkehrssicherheit
Cannabis und Verkehrssicherheit (Mangelnde Fahreignung nach Cannabiskonsum: Leistungsdefizite, psychologische Indikatoren und analytischer Nachweis)

Das Ziel der vorliegenden Untersuchung zu den verkehrssicherheitsrelevanten Folgen des Cannabisgebrauchs war es, Daten zur potenziellen und tatsächlich verkehrsbezogenen Gefährlichkeit im Hinblick auf die Fahreignung zu evaluieren.
Im ersten Teil der Untersuchungen wurde eine detaillierte Analyse der vorhandenen Forschungsliteratur zu den neuropsychologischen und psychiatrischen Effekten des Cannabiskonsums durchgeführt, die sowohl die Konsistenz eines Beeinträchtigungsnachweises als auch die Qualität der vorhandenen Studien berücksichtigt hat. Die meisten konsistent nachgewiesenen Defizite wurden dabei für die Konsumsituation des "Gelegenheitskonsumenten nach akutem Konsum" gefunden. Für abstinente oder sich in der Residualphase befindliche Gelegenheitskonsumenten sind bisher keine Defizite auf Verhaltensebene konsistent nachgewiesen worden. Weiterhin wurden keine Hinweise gefunden, dass bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten nach akutem Cannabiskonsum oder während der Abstinenz mit stärkeren Verhaltensdefiziten zu rechnen ist, als bei Gelegenheitskonsumenten. Diese Befunde machen eine Unterscheidung zwischen gelegentlichen und regelmäßigen Cannabiskonsumenten bezüglich der zu erwartenden Verhaltensdefizite hinfällig.
Im zweiten Teil wurden als Cannabinoid-positiv ermittelte Fälle aus 3 Jahren (2000 - 2002), die im Straßenverkehr beobachtete Auffälligkeiten zeigten, unter Berücksichtigung der gemessenen Cannabinoid-Plasmakonzentrationen betrachtet. Dabei wurde geprüft, welcher Zusammenhang zwischen den analytisch ermittelten Konzentrationen an THC sowie seiner Metaboliten und den Auffälligkeiten, die im ärztlichen Blutentnahmeprotokoll und im polizeilichen Bericht vermerkt sind, besteht. Weder die Gesamteinschätzung der Auffälligkeiten durch die Polizei und den Blutentnahmearzt noch die Beurteilung des Beeinflussungsgrades durch den Arzt waren jeweils mit den Serumspiegeln an THC oder 11-OH-THC korreliert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich durch die Einschätzung des Beeinträchtigungsgrades von Polizei und Arzt Personen mit regelmäßigen und gelegentlichem Konsum nicht mit der notwendigen Sicherheit trennen lassen.
Forensisch-toxikologische Marker für zu erwartende verkehrrelevante Verhaltensdefizite nach Cannabiskonsum können aufgrund der fehlenden Korrelationen und der wenigen dazu vorhandenen Studien bisher nicht sicher identifiziert werden [Text entspricht der Kurzfassung des Forschungsberichts].
Ansprechpartner
Bundesanstalt für Straßenwesen
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Physiologische Psychologie
Klinikum der Universität Heidelberg, Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin
Literatur
[AlCo06] Müller, Chr. P. , Topic, B. , Strohbeck-Kühner, P. , Lutz, B. , Skopp, G. , Aderjan, R., Huston, Joseph P., Prof. Dr. Cannabis und Verkehrssicherheit, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen , Ausgabe/Auflage Heft M 182, 2006

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?190707

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 20:41:37