Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Vorgehensweise und Instrumente bei der Umsetzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements

Erstellt am: 31.10.2002 | Stand des Wissens: 29.08.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Vorgehensweise für die Entwicklung und Umsetzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements (BMM) ist nicht standardisiert. Da jedes Unternehmen "spezifische Anforderungen an die betriebliche Mobilität" aufweist, ist es unumgänglich, die Rahmenbedingungen entsprechend zu analysieren und individuelle Ziele zu formulieren [vgl. ivm10, S. 5]. "Um diese Ziele zu erreichen, können Einzelmaßnahmen oder umfassende Gesamtkonzepte zum Einsatz kommen" [ivm10, S. 5].
Es werden zwei verschiedene Vorgehensweisen unterschieden (vgl. [ILS01a]:
  • aktionsorientiertes Vorgehen: konkret definierte Ziele leiten eine einzelne Aktion, zum Beispiel die Beseitigung von Parkplatznot am Unternehmensstandort,
  • integriertes Vorgehen, ein systematisches Projekt mündet in einem Mobilitätsplan beziehungsweise einem Betriebsverkehrsplan [vgl. Schä96].
Eine aktionsorientierte Vorgehensweise ist mit geringerem Aufwand verbunden. Sie erfolgt eher kurzfristig und schrittweise, ist eher unsystematisch und besitzt eine geringere Reichweite als die integrierte Vorgehensweise. Eine integrierte Vorgehensweise ist zwar mit einem höheren Aufwand verbunden und benötigt längeren Vorlauf, ist damit allerdings auch ausgewogener und besitzt eine höhere Breitenwirkung. Darüber hinaus ermöglicht die integrierte Vorgehensweise die Erstellung eines Konzepts für einen längeren Zeithorizont (vgl. [ILS01a], S. 11).
Grundsätzlich kann die Vorgehensweise für das BMM in fünf Schritten beschrieben werden (vgl. [DIHK13], S. 7):

1. Analyse
2. Maßnahmenentwicklung
3. Umsetzung
4. Evaluation
5. Dauerhafte Integration

Ausgangspunkt der Analyse ist der unternehmenseigene Verkehrsbedarf, der anhand von Ausgaben und Verbräuchen gemessen werden kann. Teil der Analyse ist auch die Befragung der Beschäftigten zu ihrem Mobilitätsverhalten, sowie zu von ihnen bereits identifizierten Problemen. Die Maßnahmenentwicklung basiert auf den Ergebnissen der Analyse und sollte eine Kalkulation der Investitionskosten und Abwägung mit den zu erwartenden finanziellen, ökologischen und gesundheitlichen Vorteilen beinhalten. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in der zuvor abgestimmten Reihenfolge und unter kommunikativer Begleitung. Die Evaluation überprüft die Wirkung der Maßnahmen, gibt Möglichkeit zur Adaption und schafft gegebenenfalls eine Legitimation zur Weiterführung des BMM. Eine dauerhafte Integration des BMM im Unternehmen soll kurzfristige und beständige Verbesserungen ermöglichen.
Für den Erfolg des betrieblichen Mobilitätsmanagements ist eine personelle Verankerung unerlässlich. Die für die betriebsinterne Koordination des BMM zuständigen Beschäftigten werden als Mobilitätskoordinatoren oder auch als Mobilitätsbeauftragte bezeichnet. Sie verantworten die Einführung und Umsetzung der Maßnahmen und sind gleichzeitig Ansprechpartner für die Beschäftigten. Mobilitätsbeauftragte sollten eine zentrale Stelle im Unternehmen haben und die Unterstützung der Geschäftsleitung besitzen (vgl. [ILS01a], S. 11). Die Mittelstandsinitiative "Energiewende und Klimaschutz" bietet in Zusammenarbeit mit teilnehmenden Industrie- und Handelskammern eine fachliche Weiterbildung für Mobilitätsbeauftragte an (vgl. [DIHK13], S. 8). Ziel der Weiterbildung ist die Befähigung zur Erstellung eines Betrieb-spezifischen Mobilitätskonzepts.

Bei sehr großen Mitarbeiterzahlen mit einem hohen Anteil an Beratungstätigkeiten kann es sinnvoll sein, ein Mobilitätsbüro einzurichten (vgl. [BiFu00]). Das Mobilitätsbüro bündelt verschiedene bisher an getrennten Stellen eines Unternehmens verantwortete Aufgaben im Mobilitätsbereich an einer Stelle. Damit wird ein besserer Überblick über die mobilitätsbezogenen Belange sichergestellt und eine Erweiterung um neue Aufgaben erleichtert (vgl. [ILSISB00]).

Ablauf eines gebietsbezogenen MobilitätsmanagementsAbbildung 1: Ablauf eines gebietsbezogenen Mobilitätsmanagements [BBR04h, S. 84] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Darüber hinaus kann ein Audit (Vergleich zwischen gesetzten Standards und der aktuellen Umsetzung) als strategisches Instrument für Entscheider in Betrieben und Behörden genutzt werden, "um nachhaltige Strategien für die eigene Mobilität zu entwickeln" und eine "Verbindlichkeit für die Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen zu schaffen" ([IHK13a], S. 2). Nach einer erfolgreichen Begutachtung können Behörden und Unternehmen eine Auszeichnung erhalten, die ihnen eine vorbildliche Vorgehensweise im betrieblichen Mobilitätsmanagement bestätigt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) (Stand des Wissens: 30.08.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?488524
Literatur
[BBR04h] Prof. Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann, Armin Langweg, Thomas Wehmeier, Andreas Witte, Gebhard Wulfhorst Verkehrsaufwandsmindernde Strukturen und Dienste zur Förderung einer nachhaltigen Stadtentwicklung, Bonn, 2004
[BiFu00] Biesinger, Alfred, Funke, Torsten, Holzwarth, Jürgen M21 - Einführung neuer telematikgestützter Mobilitätsdienstleistungen für den Berufsverkehr, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik , Ausgabe/Auflage 10, Kirschbaum Verlag GmbH Siegfriedstraße 28 53179 Bonn, 2000, ISBN/ISSN ISSN 0039-2219
[DIHK13] DIHK Service GmbH (Hrsg.) Praxisleitfaden Betriebliches Mobilitätsmanagement, 2013
[IHK13a] Betriebliches Mobilitätsmanagement Südhessen
Audit "Betriebliches Mobilitätsmanagement", 2013
[ILS01a] Müller, Guido Betriebliches Mobilitätsmanagement
Status Quo einer Innovation in Deutschland und Europa unter besonderer Berücksichtigung der Kooperation von Unternehmen und Kommune, ILS des Landes Nordrhein- Westfalen Dortmund, 2001/11
[ILSISB00] Konsortium MOMENTUM und MOSAIC Mobilitätsmanagement Handbuch, Ausgabe/Auflage 1, Dortmund, Aachen, 2000, ISBN/ISSN 3-8176-1097-1
[ivm10] Mobilität im Unternehmen effizient gestalten
Strategien für kostensparende, energieeffiziente und umweltfreundliche Mobilität, 2010
[Schä96] Schäfer-Breede, Klaus Mobilitätsberatung für Unternehmen - Marktstudie zum Beratungs- und Servicebedarf auf dem Weg zum "Betriebsverkehrsplan", Ausgabe/Auflage 1, 1996
Weiterführende Literatur
[mobi98] mobilité Unternehmens und Kommunalberatung GmbH Leitfaden Betriebliche Mobilitätsberatung, Berlin, 1998
[FGSV01c] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Leitfaden für Verkehrsplanungen, FGSV Verlag, Köln, 2001
[ILS04b] Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen Mobilitätsmanagement - Mobilität besser organisieren!, 2004
Glossar
Mobilitätsplan
Der Mobilitätsplan ist das Planungsinstrument für die Einführung von Mobilitätsmanagement an bestimmten Standorten (zum Beispiel in Betrieben, Verwaltungen, Schulen). Manchmal wird er auch Betriebsverkehrsplan genannt.
Im Mobilitätsplan werden im Sinne eines Businessplanes Zeithorizonte, Zielsetzungen, Verantwortlichkeiten (betriebsintern und extern) und Ablauf der Umsetzung festgesetzt. 
Ziel ist die Umsetzung eines maßgeschneiderten Mobilitätskonzeptes für den Standort. Dazu bedarf es nicht notwendigerweise umfangreicher Pläne, sondern viel mehr eines strukturierten Herangehens. Der Mobilitätsplan schafft Transparenz für alle Beteiligten und hat eine koordinierende Funktion.
In abgeänderter Form kann ein Mobilitätsplan auch für ein ganzes Quartier oder bestimmte Zielgruppen aufgestellt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?18250

Gedruckt am Mittwoch, 8. April 2020 08:21:44