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Struktur der deutschen Binnenschiffsflotte

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 29.03.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die Entwicklung der deutschen Binnenschiffsflotte nach Anzahl der Schiffe und Tragfähigkeit ist seit Jahrzehnten rückläufig (vergleiche Abbildung 1). Nach einem starken Rückgang in den 1970er und 1980er Jahren sowie nach der Wiedervereinigung ist sowohl Anzahl als auch Tragfähigkeit seit der Jahrtausendwende annähernd konstant. Trotz der starken Einbußen in den letzten Jahrzehnten bildet die deutsche Binnenschiffsflotte, nach der niederländischen, die zweitgrößte in der Europäischen Union [BVB09a].

2019BestandFrachtschiffe.JPGAbb. 1: Entwicklung der deutschen Binnenschiffsflotte (Anzahl und Tragfähigkeit der Frachtschiffe) [WSV18, S. 14]
Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) unterscheidet bei der Erhebung der Anzahl der Schiffe und der Tragfähigkeit im Wesentlichen zwischen folgenden Schiffstypen: Gütermotorschiffe (GMS), Tankmotorschiffe (TMS), Schleppkähne (Güter- und Tankschleppkähne) sowie Schubleichter (Güter- und Tankschubleichter). Am auffälligsten ist der Rückgang der Schiffszahl und der Tragfähigkeit bei Gütermotorschiffen. Während die WSV im Jahr 1970 noch 4.452 GMS verzeichnete, waren es im Jahr 2017 nur noch 782 Schiffe. Die Flotte der Tankmotorschiffe wuchs dagegen von 305 Schiffen im Jahr 2000 auf 375 TMS im Jahr 2017 an [WSV18].
Im Hinblick auf die Struktur der deutschen Binnenflotte ist festzustellen, dass rund drei Viertel der Flottenkapazität für den Transport von Trockengütern und knapp ein Viertel für Tankgüter verwendet werden. Dies lässt sich sowohl an der Anzahl der Binnenschiffe als auch an deren Tragfähigkeit erkennen (vergleiche Abbildung 2 und Abbildung 3). Etwa 60 Prozent der Ladekapazität entfallen auf Selbstfahrer und 40 Prozent auf Schubleichter und Schleppkähne, wobei die Transportkapazität der Selbstfahrer wegen ihrer größeren Produktivität höher ist.
2019Flotte1.JPGAbb. 2: Struktur der deutschen Binnenflotte nach Anzahl und Prozentsatz der Schiffe im Jahr 2015 [WSV18, S.2]
2019FlotteTragfaehigkeit.JPGAbb. 3: Struktur der deutschen Binnenflotte nach Tragfähigkeit der Schiffe im Jahr 2017 in Prozent [WSV18, S.4]
Neben der rückläufigen Schiffszahl ist die deutsche Binnenschiffsflotte durch zunehmende Überalterung gekennzeichnet (siehe Abbildung 4). Während die Altersstruktur im Jahr 2000 einen Mittelwert von 36,9 Jahren aufwies, lag der Altersdurchschnitt im Jahr 2017 schon bei 45,6Jahren. Dabei liegen die Gütermotorschiffe mit einem Alter von 63,1 Jahren deutlich über dem Durchschnitt, gefolgt von Schuten (59,9 Jahre) und Schubleichtern (36,3 Jahre). Am jüngsten sind die Tankmotorschiffe mit einem Durchschnittsalter von 23,7 Jahren (siehe Abbildung 4) [WSV18]. Dies ist auf den relativ hohen Verschleiß und den Übergang zu Doppelhüllenschiffen zurückzuführen. Da Verlader zunehmend Wert auf hohe Sicherheit beim Transport legen und häufig den Einsatz der Doppelhüllentechnik fordern, kam es hier zu entsprechenden Neuanschaffungen [PLANCO07a, Teil B, S. 56; ZKR09, S. 92f., WSV16, S.17 ff.].

2019FlotteAbb4.JPGAbb. 4: Altersstruktur der deutschen Binnenflotte von 1976 bis 2014 [WSV18, S.25]
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Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 03.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BVB09a] Bureau Voorlichting Binnenvaart Binnenschifffahrt: Gütertransport mit Power - Die Zukunft des Güterverkehrs und der Binnenschifffahrt in Europa 2010 - 2011, o.O., 2009
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[WSV16] Zentralstelle Schiffsuntersuchungskommission/Schiffseichamt Veränderungen des Schiffsbestandes der
deutschen Binnenflotte im Jahr 2015, 2016
[WSV18] Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes - WSV (Hrsg.) Veränderungen des Schiffsbestandes der deutschen Binnenflotte im Jahr 2017, 2018
[ZKR09] k.A. Marktbeobachtung der europäischen Binnenschifffahrt 2009-1, Marktbeobachtung Nr. 9, Situation von Angebot und Nachfrage im Jahr 2008 und Analyse der Konjunktur Mitte 2009, 2009/10
Glossar
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.
Tragfähigkeit Wasserverdrängung eines voll abgeladenen Schiffes abzüglich der Schiffsmasse. Umfasst die Massen von Besatzung, Passagieren, Ladung, Brennstoffen, Wasser und aller Vorräte.
übliche Abkürzungen:  Tons deadweighttdw), Dead weight tons)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123471

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 05:50:12