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Verkehrssicherheit auf dem Schulweg

Erstellt am: 08.10.2004 | Stand des Wissens: 14.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Verkehrssicherheit sowie die Sicherheit vor Kriminalität und Gewalt sind für Eltern von Schulkindern die wichtigsten Aspekte, nach der Verkehrsmittelalternativen für den Schulweg bewertet werden [Krei02].

Verkehrssicherheit

In der Abbildung 1 ist die Gesamtzahl der Schulwegunfälle als auch die Schulwegunfallraten von 1977 bis 2010 dargestellt. Ende der 1970er sowie Anfang und Mitte der 1990er Jahre sind die Unfallraten auf dem Schulweg angestiegen. Das Maximum wurde im Jahr 1998 erreicht. Die Schulwegunfallrate geht seit dem Jahr 2000 tendenziell zurück. Der Anstieg der Rate im Jahr 2010 ist durch den schnee- und eisglatten Winter begründet [DGUV11].


Bild1.pngAbb. 1: Gesamtzahl der Schulwegunfälle und Schulwegunfallraten 1977 - 2010 [DGUV11, S. 7] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Erhöhung der Verkehrssicherheit mit dem Ziel der Reduzierung der Toten und Verletzten im Straßenverkehr ist eines der zentralen Ziele der Bundesregierung und der Europäischen Union im Bereich des Verkehrs. Für eine erfolgreiche Schulwegsicherung werden definiert [GDV10a]:
  • verkehrsregelnde und bauliche Maßnahmen,
  • Verkehrserziehung und
  • Verkehrsüberwachung.
In der Abbildung 2 sind die Straßenverkehrsunfälle mit Todesfolge nach Art der Verkehrsbeteiligung der Jahre 1990 bis 2010 dargestellt. Der längerfristige Verlauf der tödlichen Pkw-Unfälle ist durch eine Zunahme Anfang und Mitte der 1990er Jahre, einer Stagnation mit großen jährlichen Schwankungen um die Jahrhundertwende und einer deutlichen Abnahme von 2003 bis 2007 gekennzeichnet.

Bild2.pngAbb. 2: Straßenverkehrsunfälle mit Todesfolge nach Art der Verkehrsbeteiligung 1990 - 2010 [DGUV11, S. 36] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Abbildung 2 ist zu entnehmen, dass die meisten tödlichen Straßenverkehrsunfälle bei dem Verkehrsmittel Pkw zu verzeichnen sind. Im Jahr 2010 folgen nachgeordnet die Zahl der tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer mit dem Fortbewegungsmittel Fahrrad und die Zahl der als Fußgänger beteiligten Verkehrsteilnehmer. Die wenigsten bis gar keine Straßenverkehrsunfälle mit Todesfolge sind bei dem Schulbus festzustellen.

Durch den hohen Anteil an Bringverkehr steigt das Verkehrsaufkommen v. a. im direkten Umfeld von Schulen zu Schulanfangszeiten stark an, so dass das Schulumfeld noch unsicherer wird und noch mehr Eltern die Kinder mit dem Auto bringen [Krei02, S. 17 ff.]. Eine Möglichkeit zur Aufhebung dieses Kreislaufes ist die Umsetzung von Mobilitätsmanagement und Verkehrserziehung an Schulen. Dadurch, dass mit mehreren Maßnahmen ein Einfluss auf das Verkehrsgeschehen im Schulumfeld genommen wird, kann der Anteil der Bringdienste verringert werden und hierdurch u. a. die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, die nicht mit dem Pkw zur Schule kommen, erhöht werden.


Sicherheit vor Kriminalität und Gewalt auf dem Schulweg

Zur Reduzierung der Kriminalität und Gewalt auf dem Schulweg wird vor allem auf die Bildung von Schülergruppen oder auf Begleitpersonen gesetzt. Durch eine Organisation von Gruppen zu Fuß gehender oder Rad fahrender Kinder, z. T. mit elterlicher Begleitung, wird das Potenzial an Belästigungen reduziert. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn wird der Einsatz von Begleitpersonen gefördert [STakt10]. Diese agieren entweder ehrenamtlich oder werden als Sicherheitspersonal durch den jeweiligen Verkehrsbetrieb gestellt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement an Schulen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?112731
Literatur
[BMVBS08i] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Unfallverhütungsbericht Straßenverkehr 2006/2007, 2008/09/09, ISBN/ISSN 0722-8333
[DGUV09] Efthimia Dima, Barbara Lipka, Kurt Scherer Straßenverkehrsunfälle in der Schüler-Unfallversicherung 2007, 2009/03
[DGUV11] Dima, E., Lipka, B., Scherer, K. Schülerunfallgeschehen 2010, München, 2011/12
[EU01] Kommission der Europäischen Gemeinschaften Die europäische Verkehrspolitik bis 2010 - Weichenstellungen für die Zukunft, Brüssel/Luxenburg, 2001/09/12
[GDV10a] k.A. Planerheft Schulwegsicherung, 2010, ISBN/ISSN ISSN 0724-3685
[Krei02] Kreipl, Alexander Mobikids - Endbericht, München, 2002
[STakt10] k.A. DB Schülerbegleiter, veröffentlicht in S-Takt, Ausgabe/Auflage Juli/August 2010, Mayer und Söhne Druck und Mediengruppe GmbH / Aichach, 2010
Weiterführende Literatur
[BAST12b] Gerlach, Jürgen , Leven, Tanja , Leven, Jens , Neumann, Annegret , Jansen, Theo Entwicklung, Verbreitung und Anwendung von Schulwegplänen, veröffentlicht in Berichte der Bundesantsalt für Straßenwesen, Unterreihe M - Mensch und Sicherheit, Ausgabe/Auflage Heft M 230, Carl Schünemann Verlag, Bergisch Gladbach , 2012/10
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?113022

Gedruckt am Montag, 24. Februar 2020 06:20:26