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Nachhaltigkeit im Kontext des Mobilitätsverhaltens an Schulen

Erstellt am: 08.10.2004 | Stand des Wissens: 25.10.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Nutzung des Automobils wird von Kindheit an als natürliches Fortbewegungsmittel erlebt: Kinder werden sicher und schnell im Pkw transportiert. Dabei wird der Pkw vornehmlich eingesetzt, weil er die Mobilitätsansprüche von Eltern mit überdurchschnittlich vielen Wegen am besten bedienen kann. Bringdienste erzeugen daher vor allem an Einrichtungen, die von Kindern aufgesucht werden, verstärkt Pkw-Verkehr, obwohl Kinder die eigenen Füße und das Fahrrad bevorzugen [FlHa04; Krei02].
94% der 7-13-Jährigen und 88 % der 14- bis 17-Jährigen verfügten 2017 über ein Fahrrad [MOID18, S.46] Von den 14- bis 17-Jährigen nutzen dieses aber nur 34 % täglich und 20 % wöchentlich. Von ebendieser Gruppe nutzen 50 % täglich und 14 % wöchentlich den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) [MOID18, S.68]. Der Pkw wird dagegen von 19 % täglich und von 36 % wöchentlich genutzt [MOID18, S.62].
Laut der bundesweiten Befragung Mobilität in Deutschland (MiD) - eine Befragung von rund 50.000 Haushalten zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) - sieht die Verkehrsmittelwahl / den Modal-Split für den Wegezweck Ausbildung/Schule wie folgt aus:
Verkehrsmittelwahl zum Zweck Abb. 1: Verkehrsmittelwahl zum Zweck "Ausbildung" [infas10
Anhand Abbildung 1 wird deutlich, dass ein großer Teil der Auszubildenden unter 10 Jahre mit dem Pkw zur Schule gebracht wird, obwohl sich diese in der Primarstufe zumeist in der näheren Umgebung des Wohnorts befinden. Erst mit fortschreitendem Alter verringert sich der Anteil der Bringdienste mit dem Pkw [infas10].
Die "Gewährleistung von Mobilität aller Bevölkerungsgruppen ohne [die Gefährdung der] Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen" [UBA05b, S. 17] wird mit dem Ausdruck "nachhaltige Mobilität" beschrieben. Ziel einer nachhaltigen Mobilitätsplanung ist es, negative Verkehrsauswirkungen zu reduzieren. Mobilitätsmanagement ist als nachfrageorientierter Verkehrsplanungsansatz darauf angelegt, dass Mobilitätsverhalten langfristig zu beeinflussen. Mit dem Ansatz "Mobilitätsmanagement an Schulen" soll u. a. versucht werden, Kinder und Jugendliche früh und altersgerecht für die Nutzung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu gewinnen und die Fixierung auf das Automobil im Erwachsenenalter aufzuweichen.
Kinder und Jugendliche sollen dabei nicht nur lernen, wie man sich im Verkehr "zu verhalten hat", sondern auch, welche Folgen nicht nachhaltiges Mobilitätsverhalten hat [FlHa04]. Zugleich soll durch eine altersgerechte Modifikation der Verkehrsangebote bzw. -strukturen unter konkreter Beteiligung von jungen Menschen die Nutzung des Umweltverbundes für Schüler attraktiver werden [ILS02b; BaWS03].
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement an Schulen (Stand des Wissens: 25.10.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?112731
Literatur
[BaWS03] Bauer, Ulla , Wank, Karin, Schäfer, Karl Heinz Systematische Kinderbeteiligung in der Verkehrsplanung, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, 2003/09
[FlHa04] Hacke, Ulrike, Flade, A., Dr. Dipl. Psych. Von der "klassischen" Verkehrs- zur zeitgemäßen Mobilitätserziehung, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Heft 7+8, 2004
[ILS02b] Bäumer, Doris, Gruß, Esther, Jansen, Ute, Schafarik, Gabriele Mobile Jugend - Ausgewählte Mobilitätsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, Dortmund, 2002
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[Krei02] Kreipl, Alexander Mobikids - Endbericht, München, 2002
[MOID18] Bundesministerium für Digitales und Verkehr Mobilität in Deutschland (MID 2017), 2018/12
[UBA05b] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V., Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd Nachhaltige Mobilitätserziehung in Schulen, Heidelberg, 2005/08
Glossar
Umweltverbund
Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen die öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Bus und Taxis), nicht motorisierte Verkehrsträger (Fußgänger und private oder öffentliche Fahrräder), sowie Carsharing und Mitfahrzentralen. Ziel ist es, Verkehrsteilnehmern zu ermöglichen, ihre Wege innerhalb des Umweltverbunds, anstatt mit dem eigenen Pkw, zurückzulegen. Zunehmend wird der Begriff Mobilitätsverbund genutzt.
Öffentlicher Personennahverkehr
Der öffentliche Personennahverkehr ist juristisch im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) definiert. Laut Paragraf 8, Absatz 1 und 2 umfasst der ÖPNV "die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Obussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen". Taxen oder Mietwagen können dieses Angebot ersetzten, ergänzen oder verdichten.
Der Begriff ÖPNV bezieht sich in der Regel auf Strecken mit einer gesamten Reiseweite von weniger als 50 Kilometern oder einer gesamten Reisezeit von weniger als einer Stunde. Das in einer Stadt oder Region erforderliche Nahverkehrsangebot und dessen Eignung hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird in einem Nahverkehrsplan definiert und festgehalten.
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?113005

Gedruckt am Montag, 28. November 2022 20:34:41