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Akteure im Rahmen des Mobilitätsmanagements an Schulen

Erstellt am: 08.10.2004 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Neben den Schülern lassen sich die Akteure des Mobilitätsmanagements an Schulen in vier Bereiche untergliedern [KHKK01; Krei02]:
  • Eltern,
  • Institutionen im Erziehungsbereich,
  • Institutionen im Mobilitäts- und Verkehrsbereich sowie
  • Sponsoren.
Eltern
Eltern prägen durch ihr Mobilitätsverhalten und die Organisation der Schulwege das Mobilitätsverhalten der Kinder; Kinder werden so oft an den Autoverkehr als natürliches Fortbewegungsmittel gewöhnt. Ängste vor Gefahren im Straßenverkehr und vor Kriminalität führen oft dazu, dass das selbstständige Zurücklegen des Schulweges von Kindern nicht gefördert wird. Hierbei ist bei einer Neuorganisation von Schulwegen besondere Rücksicht zu nehmen.
Institutionen im Erziehungsbereich
Die Rahmenregelungen für Lerninhalte setzen die Länder bzw. Kultusministerien. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat bereits 1994 beschlossen, dass "Mobilitätserziehung" mit den Aspekten Verkehrssicherheit, Sozialkompetenzen und Umweltaspekte Eingang in die Lehrpläne finden soll. In der Mehrzahl der Schulen ist jedoch auch heute noch die Mobilitätserziehung auf Verkehrssicherheitsarbeit beschränkt [Spit97]. Wichtig für eine erfolgreiche Befassung mit dem Thema ist, dass Lehrer und Schulleitung für das Thema sensibilisiert sind, geeignetes Lernmaterial bereitsteht und schulexterne Hilfen bei der Organisation unterstützend helfen (z. B. Ansprechpartner in Schulämtern, Verkehrsunternehmen etc.). Die Sensibilisierung der Lehrer kann über eine stärkere Integration in die Lehreraus- und -fortbildung erreicht werden [Spit97].
Institutionen im Mobilitäts- und Verkehrsbereich
Verkehrsthemen in der Schule werden in der Regel assoziiert mit der Verantwortung von Polizei und Verkehrswacht, da diese verkehrssicherheitspraktische Prüfungen an Schulen durchführen. Eine Sensibilisierung für Umwelt- und Sozialthemen findet dabei selten statt. Hierfür sollten Partner wie Verkehrsunternehmen (z. B. für einen Aktionstag "Busschule") und andere bedeutsamen Akteure des Verkehrs wie z. B. ADFC, VCD oder der ADFC angesprochen werden. Zudem ist es günstig, wenn Kontakte zur Verkehrsplanung der Kommune aufgenommen werden können, um Kindern Einblicke in Planungsprozesse zu geben und Mitgestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen bzw. zu initiieren. Hinsichtlich der Planung der Schülerbeförderung sollten auch die Aufgabenträger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) berücksichtigt werden [FGSV12].
Sponsoren/Öffentlichkeitsarbeit
Oftmals ist es hilfreich, für die Finanzierung und Bewerbung einzelner Aktivitäten (wie Sicherheitswesten etc.) z. B. örtliche Firmen, Gewerbeverbände, Banken, Versicherungen anzusprechen und zu integrieren.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement an Schulen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?112731
Literatur
[FGSV12] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) (Hrsg.) Leitfaden für den Schülerverkehr, Köln, 2012
[KHKK01] Koher, Sandra, Hensel, Anja, Kustermann, Waltraud, Karg, Georg Maßnahmen der Mobilitätserziehung, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrswissenschaft, Ausgabe/Auflage 03, Köln, 2001
[Krei02] Kreipl, Alexander Mobikids - Endbericht, München, 2002
[Spit97] Philipp Spitta Kinder im Verkehr - Neue Konzepte der Verkehrserziehung in der Primarstufe, Ausgabe/Auflage 2, VCD / Bonn, 1997
Weiterführende Literatur
[VCD03c] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. Die Mobilitätsfibel, Ausgabe/Auflage 1, Hannover, 2003/08
Glossar
Aufgabenträger
Die Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind nach dem Regionalisierungsgesetz des Bundes und den Nahverkehrsgesetzen der Länder kreisfreien Städten, Kreisen, Zweckverbänden, Verkehrsverbünden und Bundesländern, die für die Planung, Organisierung und Finanzierung des ÖPNV verantwortlich sind.
Aufgabenträger für den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) sind die Länder, die diese Aufgaben an Gesellschaften oder Zweckverbände delegieren können.
ADFC Der ADFC ist ein bundesweiter, gemeinnütziger Verein, der die Interessen von Alltags- und Freizeitfahrern vertritt. Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in der Verkehrsplanung, der Verkehrspolitik, dem Tourismus, dem Umweltschutz, der Technik/Sicherheit, dem Fahrraddiebstahlschutz sowie der Fahrradmitnahme in Öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei überprüft der ADFC beispielsweise auch die Qualität von Produkten der Fahrradindustrie und fördert den Radverkehr durch Zusammenarbeit mit Institutionen, Vereinen sowie Organisationen, die sich für mehr Sicherheit und Umweltschutz im Straßenverkehr einsetzen. Des Weiteren bietet der ADFC vor Ort Dienstleistungen wie Radtouren, Technikkurse, Kaufberatung als auch Verkehrsaktionen an.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?112937

Gedruckt am Mittwoch, 8. April 2020 16:04:17