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Unbändiges Passagierverhalten (air rage)

Erstellt am: 28.06.2004 | Stand des Wissens: 08.11.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Bestimmungen im Luftverkehr verbieten Passagieren die Einmischung in die Arbeit der Kabinenbesatzung, die Einschüchterung, die Bedrohung oder den Angriff auf das Personal. Dennoch zeigen Passagiere an Bord von Flugzeugen unangemessenes, gefährliches und unbändiges Verhalten und können damit eine unmittelbare Gefährdung für alle an Bord befindlichen Personen darstellen. Unrechtmäßige Eingriffe in den Luftverkehr, die keinen terroristischen Hintergrund haben, werden auch als air rage bezeichnet. Zu den Gefahren, die durch solche "unruly" Passenger (unbändige Passagiere) entstehen zählen, gehören:
  • Belästigung und Angriff auf die Besatzung (Kabine und Cockpit)
  • Eingriff in den Flugverkehr oder direkt auf das Flugzeug
  • Unstimmigkeiten Streit und Angriff auf andere Passagiere.
Unbändige Passagiere treten tagtäglich auf und können meist durch die geschulten Besatzungsmitglieder beruhigt werden. Gesetzliche Vorschriften verlangen, dass während des Fluges die Cockpittür ständig verschlossen ist damit der Zugriff ins Cockpit erschwert wird. In kritischen Situationen werden auch andere Passagiere und mitfliegendes Sicherheitspersonal (Sky Marshals) zur Beruhigung oder Festsetzung der Personen zu Hilfe genommen. Unplanmäßige Landungen zur Übergabe der Personen an die Polizei sind nicht unüblich.
In Deutschland und anderen Ländern werden unrechtmäßige Eingriffe in den Luftverkehr unter Strafe gestellt. Unbändige Passagiere können mit empfindlichen Geldstrafen belegt werden und in schwerwiegenden Fällen mit Freiheitsstrafe belangt werden. [FAA01a] Die Kosten für Ausweichlandungen können diesen Passagieren von den Airlines und den anderen Passagieren auferlegt werden.
Zu den schwerwiegendsten Vorfällen zählte ein Vorfall im Jahr 2000 in der Nähe von Nairobi. Einem Passagier gelang der Zutritt in das Cockpit einer Boeing 747-400 der British Airways und es folgte ein gewaltsam herbeigeführter Sinkflug mit 5000 Fuß/Minute. In einem anderen Fall führte das Eingreifen der Passagiere, die einen Passagier von seiner Tat zurückhalten wollten, zum Tode des Unruhestifters. [Schw01b]

Ein wesentlicher Einflussfaktor für unbändiges Verhalten ist der Alkoholgenuss vor und während des Fluges. Im Vergleich zum Alkoholkonsum am Boden wirkt Alkohol in der Luft durch den geringen Luftdruck und die Enge in der Kabine schneller. Aus diesem Grund kann der konsumierte Alkohol das Unbehagen von Passagieren weiter verstärken und dabei zu abnormalen Verhaltensweisen beitragen. Neben den physiologischen Einflussgrößen können auch andere, zum Teil nicht beeinflussbare Randbedingungen zu Stresssituationen beitragen [Beeks00]:
  • Mangelnder Platz für Handgepäck
  • Flugverspätungen und Verpassen von Anschlussflügen
  • Unzufriedenheit mit dem Service
  • allgemeines Unwohlbefinden und persönliche Probleme des Passagiers
Zu den vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen zählen verbesserte Schulungen der Besatzungsmitglieder in Bezug auf den Umgang mit unbändigen Passagieren sowie eine Informationskampagne für Passagiere mit dem Hinweis auf die harte Ahndung dieser Vergehen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maßnahmen zur Erhöhung der Luftsicherheit (Security) (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?132104
Literatur
[Beeks00] Beeks, D. B. A study to determine the specific contributors to U.S. airline passenger air rage, 2000/12
[FAA01a] k.A. Statement-Air Rage, 2001/06/06
[Schw01b] Schwaab, P.W. Air Rage: Screaming for International Uniformity, veröffentlicht in The Transnational Lawyer, Ausgabe/Auflage Vol. 14, 2001/12
Weiterführende Literatur
[FSF97] k.A. FAA, Pilots and Flight Attendants Propose Measures to Reduce Passenger Interference with Cabin Crews, veröffentlicht in Cabin Crew Safety, Ausgabe/Auflage Vol. 32 No.3 1997, Flight Safety Foundation,, 1997/06, ISBN/ISSN ISSN 1057-5553

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?93717

Gedruckt am Samstag, 27. November 2021 18:39:12