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Mittelinseln und Minikreisel

Erstellt am: 04.05.2004 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Eine geschwindigkeitsreduzierende Wirkung haben Mittelinseln in Verbindung mit Versätzen auf Strecken sowie Inseln in der Knotenpunktmitte, oft als Minikreisel ausgeführt [VDAV90].
1. Mittelinseln
Die Anlage einer Mittelinsel im Straßenraum führt zu einer punktuellen Einengung. Nur in Verbindung mit einem Versatz wird auch eine Geschwindigkeitsreduzierung erreicht [VDAV90]. Mittelinseln dienen oft als Überquerungsanlage für Fußgänger.
2. Insel in Kreuzungsmitte (Minikreisel)
Nach [FGSV06c] wird an Kreisverkehrsplätzen langsamer gefahren als an anderen Knotenpunkten der Grundform mit Bevorrechtigung einer Straße. Für die Bauart eines Kreisverkehrs sind neben gestalterischen Aspekten vor allem fahrgeometrische Verhältnisse im Kreuzungsbereich maßgebend. Bei der Planung derartiger Anlangen sind die Belange des Linienbusverkehrs sowie die der Kommunal- und Rettungsfahrzeuge zu berücksichtigen. Verbleibt unter Berücksichtigung der Schleppkurven von Bemessungsfahrzeugen eine ausreichende Restfläche, kann eine Abgrenzung durch Hochborde erfolgen. Als Alternative hierzu gelten Inselflächen, die durch eine Pflasterung gekennzeichnet und teilweise oder ganz überfahrbar sind. Die Gestaltung der Mittelinsel sollte sich an der jeweiligen Örtlichkeit orientieren [FGSV94].
Innerhalb bebauter Gebiete kommen auf Grund der vorherrschenden Platzverhältnisse vorzugsweise Minikreisverkehre zum Einsatz, deren Außendurchmesser zwischen 13 und 22 Meter betragen und deren Kreisinsel von Pkw nicht bzw. selten und von "LKW und Bussen ohne nennenswerte Probleme mit niedriger Geschwindigkeit überfahren werden kann" [RASt06 , S. 115 f.] Die Kreisinsel sollte mindestens einen Durchmesser von 4 Meter haben und durch einen 4cm bis 5cm hohen Bord eingefasst sein. Die Kreisinsel soll sich deutlich von der asphaltierten Kreisfahrbahn abheben [RASt06 , S. 117]. Minikreisverkehre können allerdings nach [FGSV06c] nur unter folgenden Voraussetzungen angeordnet werden:
  • Die Anlage eines Kleinen Kreisverkehrs ist auf Grund der Platzverhältnisse nicht möglich.
  • Der Knotenpunkt liegt innerhalb eines Bereiches mit begrenzter zulässiger Höchsgeschwindigkeit auf max. 50 km/h auf allen zuführenden Straßen.
Minikreisverkehre werden in allen Knotenzufahrten mit dem Zeichen Z 205 StVO beschildert sowie mit einem Zusatzschild, "auf dem drei schwarze Pfeile auf weißem Grund den Verlauf der Kreisfahrbahn symbolisieren" [MWMTV99b].
Die Anordnung eines Mini-Kreisels in Tempo-30-Zonen kann nach [MWMTV99b] einen Beitrag zur Einhaltung der zulässigen Höchsgeschwindigkeit leisten. Die "optische Unterbrechung" des Streckenverlaufes durch die Mittelinsel und deren Umfahrung führt zu einer Geschwindigkeitsdämpfung (siehe Abbildung 1). Besonders in Zeiten schwacher Verkehrsnachfrage führen Kreisverkehre [nach FGSV06c] zu günstigen Lärmemissionen. Als Ursache werden die geringe Geschwindigkeit, eine gleichmäßige Fahrweise sowie geringe Wartezeiten und vermiedene Haltevorgänge benannt. Der Kraftstoffverbrauch und auch die Schadstoffemmissionen sind daher günstig.
Kall - Mini-KreisverkehrsplatzAbb. 1: Kall - Mini-Kreisverkehrsplatz [MWMTV99b]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?343772
Literatur
[FGSV06c] Arbeitsgruppe Straßenentwurf, Arbeitsausschuss: Stadtstraßen, Arbeitskreis: Kreisverkehre (FGSV) Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren, Ausgabe/Auflage 2006, FGSV-Nr. 242, FGSV-Verlag, Köln, 2006, ISBN/ISSN 3-937356-83-5
[FGSV94] Schellberg et al. Merkblatt über bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, 1994
[MWMTV99b] Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen Empfehlungen zum Einsatz und zur Gestaltung von Mini-Kreisverkehrsplätzen, Düsseldorf, 1999/03
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
[VDAV90] Verband der Autoversicherer Tempo 30 - Zonen Auswahl und Einrichtung, veröffentlicht in Empfehlungen der Beratungsstelle für Schadenverhütung, Ausgabe/Auflage Nr.8, 1990/03, ISBN/ISSN 0724-3685
Weiterführende Literatur
[ADAC06a] Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC) Der Kreisverkehr: Informationen, Regeln, Tipps, München, 2006
[FGSV06c] Arbeitsgruppe Straßenentwurf, Arbeitsausschuss: Stadtstraßen, Arbeitskreis: Kreisverkehre (FGSV) Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren, Ausgabe/Auflage 2006, FGSV-Nr. 242, FGSV-Verlag, Köln, 2006, ISBN/ISSN 3-937356-83-5
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
[Natz11] Natzschka, H. Straßenbau - Entwurf und Bautechnik, Ausgabe/Auflage 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Vieweg+Teubner Verlag / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 2011, ISBN/ISSN 978-3-8348-1343-5
[StVO] Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)
[VwV-StVO] Verwaltungsvorschrift zur StVO
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Knotenpunkt
Ein Knotenpunkt im Verkehr ist ein Ort, bei dem sich mehrere Verkehrswege gleicher Art kreuzen oder ein Verkehrsweg in einen Verkehrsweg gleicher Art einmündet. In einem Verkehrsknotenpunkt befinden sich mehrere Verkehrsknoten von Verkehrswegen unterschiedlicher Art in unmittelbarer Nähe. In einem Verknüpfungspunkt kann der Übergang zwischen Fahrzeugen eines Verkehrssystems oder zweier verschiedener Verkehrssysteme erfolgen.
StVO Die Straßenverkehrsordnung  legt Regeln für sämtliche Straßenverkehrsteilnehmer fest und bildet somit eine Rechtsverordnung der Bundesrepublik Deutschland.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?84804

Gedruckt am Mittwoch, 23. September 2020 15:19:17