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Versätze und Einengungen

Erstellt am: 28.04.2004 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Versätze und Einengungen sind bauliche Maßnahmen im Rahmen eines Verkehrsberuhigungskonzeptes, die Kraftfahrer zu langsamerer Fahrweise veranlassen sollen. Die Wirkung dieser Gestaltungselemente im Straßenraum soll mit der Bebauung oder Bepflanzung harmonieren [Natz11, S. 351]. Versätze bzw. Einengungen kommen nicht nur auf der freien Strecke, sondern auch in Knotenpunktbereichen zum Einsatz. Da sie als "optische Bremsen" wirken und im Begegnungsfall zum Anhalten oder langsamerem Fahren zwingen, führen sie zu einer Verringerung der Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs in Längsrichtung. Versätze und Einengungen können zudem den Querungsweg für Fußgänger verkürzen [Natz11; RASt06].
1) Versätze
Fahrdynamisch wirken Versätze, wenn ihre Tiefe mindestens der Fahrgassenbreite entspricht [RASt06, S. 105]. Dies kann durch eine abwechselnde Anordnung von Parkständen auf der einen oder anderen Seite der Fahrbahn erreicht werden. In Altbaugebieten mit breiten Straßenzügen können auch Gehwegverbreiterungen vorgenommen, Radverkehrsanlagen oder Grünstreifen angeordnet werden (siehe Abbildung 1) [Natz11, S. 351].
Beispiele für die Anordnung von Versätzen zwischen Knotenpunkten (Einfacher Versatz, Inselversatz, Doppelversatz)Abb. 1: Beispiele für die Anordnung von Versätzen zwischen Knotenpunkten (Einfacher Versatz, Inselversatz, Doppelversatz) [RASt06, S. 105]

Bei der Anordnung von Versätzen in Knotenpunktbereichen müssen "Linksversätze zur besseren Erkennbarkeit der Rechts-vor-links-Regelung verwendet werden" (siehe Abbildung 2) [RASt06, S. 105]. Darüber hinaus sind die Schleppkurven der Bemessungsfahrzeuge (Feuerwehr oder Kommunalfahrzeuge) zu beachtetn, wobei der Begegnungsfall grundsätzlich ausgeschlossen wird [RASt06].
Beispiele für die Anordnung von Versätzen an Kreuzungen und EinmündungenAbb. 2: Beispiele für die Anordnung von Versätzen an Kreuzungen und Einmündungen [RASt06, S. 105]


2) Einengungen
Einengungen der Fahrbahn (siehe Abbildung 3) entstehen durch durch das Vorziehen von Seitenräumen oder durch den Einbau einer Mittelinsel. Sie haben eine ähnliche Wirkung wie Versätze können einseitig oder beidseitig angelegt werden. Einengungen dienen als Querungshilfe für Fußgänger und sind besonders wirkungsvoll in Verbindung mit Teilaufpflasterungen [VDAV90; SCHNA11]. "Die Länge der Einengung sollte 20 m nicht überschreiten". Um den Begegnungsfall Pkw/Pkw zu ermöglichen, sollte die verbleibende Fahrbahnbreite 4,10 bis 4,75 m betragen [RASt06, S. 27]. Allerdings kann es durch eine Einengung auf einen Fahrstreifen durch erneutes Anfahren wartender Fahrzeuge zu Lärm und Abgasbeeinträchtigungen kommen [Natz11].
Beispiele für EinengungenAbb. 3: Beispiele für Einengungen [Natz11]


Einengungen müssen bei Dunkelheit erkennbar sein, beispielsweise durch die Anordnung vertikaler Elemente, entsprechender Verkehrszeichen bzw. einer ausreichenden Beleuchtung [FGSV94; SCHNA11; Natz11].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?343772
Literatur
[FGSV94] Schellberg et al. Merkblatt über bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, 1994
[Natz11] Natzschka, H. Straßenbau - Entwurf und Bautechnik, Ausgabe/Auflage 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Vieweg+Teubner Verlag / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 2011, ISBN/ISSN 978-3-8348-1343-5
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
[SCHNA11] Schnabel, W., Knote, T., Korn, J., Lätzsch, L. Grundlagen der Straßenverkehrstechnik und der Verkehrsplanung - Band 1 Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 3., vollständig überarbeitete Auflage, 2011 Beuth Verlag GmbH Berlin-Wien-Zürich Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2011, ISBN/ISSN 978-3-410-17271-0 oder 978-3-7812-1815-4
[VDAV90] Verband der Autoversicherer Tempo 30 - Zonen Auswahl und Einrichtung, veröffentlicht in Empfehlungen der Beratungsstelle für Schadenverhütung, Ausgabe/Auflage Nr.8, 1990/03, ISBN/ISSN 0724-3685
Weiterführende Literatur
[Natz03] Henning Natzschka Strassenbau: Entwurf und Bautechnik, Teubner Verlag / Wiesbaden, 2003/10, ISBN/ISSN 3-519-15256-8
Glossar
Querungsanlage
Querungsananlagen beinhalten alle Maßnahmen an Fahrbahnen, die es insbesondere Fußgänger*innen ermöglichen, die Fahrbahn sicherer, schneller und komfortabler zu überqueren. Darunter fallen:
Bauliche Maßnahmen: Verschmälerung von Fahrstreifen, Rücknahme der Fahrstreifenanzahl, Verkehrsinseln, Teilaufpflasterungen, Vorziehen der Seitenräume, Gehwegnasen, Bordsteinabsenkungen, räumliche Trennung von nichtmotorisiertem und motorisiertem Verkehr, et cetera
Betriebliche Maßnahmen: Fußgängerüberwege (Zebrastreifen), Fußgängerfurten, Lichtsignalanlagen
Zusätzliche Maßnahmen: Tempolimits, Geschwindigkeitsüberwachung, Verkehrszeichen, Markierungen, gelbe Blinklichter, et cetera

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?83764

Gedruckt am Mittwoch, 23. September 2020 14:41:33