Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Fähr- und Ro/Ro-Verkehrsmärkte

Erstellt am: 11.09.2002 | Stand des Wissens: 22.05.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Märkte des Fähr und Ro/Ro-Verkehrs umfassen sowohl Güter- als auch Passagierverkehr, wobei mit zunehmender Reiselänge der Anteil des Passagierverkehrs zurückgeht. Fähr- und Ro/Ro-Verkehr ist zumeist dem Kurzstreckenseeverkehr zuzuordnen. Auf kurzen Strecken werden im Güterverkehr überwiegend Lkw befördert. Mit steigender Reiseentfernung nimmt die Bedeutung von unbegleiteten Ladeinheiten (Trailer, Wechselbrücken, Kasetten) zu. Der europaweite Fähr- und Ro/Ro-Verkehr verteilt sich wie aus Tabelle 1 zu entnehmen ist:
Entwicklung Faehre und RoRo 2011_2017.PNGAbb. 1: Europaweiter Fähr- und Ro/Ro-Verkehr 2011-2016 in 1.000 Einheiten und Wachstum in Prozent (eigene Darstellung nach [SHIP12, S.14; SHIP13, S.14; SHIP14, S.25; SHIP15a, S. 25; SHIP16, S. 26; SHIP17, S.28; SHIP18, S. 28])
Im Ostseebereich sind die innerdänischen Verbindungen sowie die Verbindungen Dänemark-Deutschland und Dänemark-Polen für über zwei Drittel des gesamten Passagier- und Autoaufkommens in der Ostsee verantwortlich. Für den Lkw-Transport sind hingegen vor allem die schwedischen und finnischen Relationen relevant. Die wichtigste Relation im Nordseebereich ist Frankreich- Großbritannien, welche den Großteil des Verkehrs ausmacht. Auf dem zweiten Platz folgen die innerbritischen Verbindungen sowie die Verbindungen Großbritannien-Irland.  Der wichtigste Mittelmeermarkt sind die Verbindungen zwischen Italien und Griechenland.
Spezialmärkte des Ro/Ro-Verkehrs sind der Transport von Pkw und die Beförderung von Projektladungen, hier auch im interkontinentalen Verkehr. Grundsätzlich stellt der Verkehr zwischen zwei Häfen jeweils einen eigenen Relationsmarkt dar. Der Wettbewerb zwischen den Relationen erwächst einerseits aus der Möglichkeit des Verladers bzw. Passagiers, für einen Transport bzw. eine Reise von A nach B Routen über verschiedene Fähr- oder Ro/Ro-Linien zu wählen sowie andererseits aus der Möglichkeit des Reeders, die Schiffe auf verschiedenen Routen einzusetzen. 
Schiffe und Terminals bilden ein System, dessen Kapazität nur sprunghaft variiert werden kann. Dadurch erfordert ein Markteintritt erhebliche Investitionen und Anpassungen. Darüber hinaus ist die Lebensdauer der Schiffe meist geringer als die der Hafenanlagen, sodass aufgrund der fehlenden Standardisierung die Rampe und der Anleger häufig einen Engpass bilden [TZL07]. Nachfrageschwankungen sind daher nur in geringem Maße abbildbar. Für den wirtschaftlichen Betrieb einer Fährlinie mit marktgerechter Abfahrtsfrequenz ist meist ein relativ umfangreicher Passagier- bzw. Ladungsstrom erforderlich. Daher finden sich auch nur auf stark frequentierten Relationen mehrere Anbieter.
Die Kostenstruktur, insbesondere von Fährlinien, ist durch einen sehr hohen Anteil fixer Kosten bestimmt. Diese Merkmale bewirken, dass die Kapazitätsauslastung in hohem Maße die Wirtschaftlichkeit bestimmt. Zu ihrer Verbesserung wird eine aktive Preispolitik und Preisdifferenzierung verfolgt.
Angesichts der technischen Entwicklung zu größeren und teureren Schiffen und des verschärften Wettbewerbs u.a. durch feste Querungen wird erwartet, dass es einerseits zu einer zunehmenden Konzentration auf eine geringere Zahl großer Reedereien und andererseits zu einer verstärkten Kooperation zwischen den einzelnen Linien kommt. Zugleich wird der Unterschied zwischen Fähr- und Ro/Ro-Linien weiter verwischt.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Märkte des Fähr- und Ro/Ro-Verkehrs (Stand des Wissens: 28.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?284783
Literatur
[SHIP12] o.A. SHIPPAX-MARKET2012, 2012
[SHIP13] o.A. SHIPPAX-MARKET2013, 2013
[SHIP14] o.A. SHIPPAX-MARKET2014, 2014
[SHIP15a] Shiipax (Hrsg.) SHIPPAX-MARKET2015, 2015
[SHIP16] Shippax (Hrsg.) SHIPPAX-MARKET2016, 2016
[SHIP17] SHIPPAX (Hrsg.) SHIPPAX-MARKET2017, 2017
[SHIP18] SHIPPAX (Hrsg.) SHIPPAX-MARKET2018, 2018
[TZL07] ISL Baltic Consult, ISL , ISETEC II - Innovative Seehafentechnologien - Definitionsphase. Voruntersuchung / Programmbericht, 2007/06/08
Weiterführende Literatur
[Tesch05] Tesch, G. Beurteilung von Marktein- und -austrittsbarrieren auf Märkten des Fähr- und Ro/Ro-Verkehrs auf der Ostsee, veröffentlicht in Märkte im Wandel - mehr Mut zu Wettbewerb : Festschrift zum 65. Geburtstag von Rolf W. Stuchtey, Ausgabe/Auflage 1, Peter Lang / Frankfurt a.M., 2005, ISBN/ISSN 3-631-52943-0
[BrWe06] Breitzmann, Karl-Heinz, Prof. Dr., Wenske, Christian, Dr. Der Ostsee-Ro/Ro-Verkehr - Strukturen und Entwicklungstendenzen, veröffentlicht in 4. Baltisches Verkehrsforum, Berlin, 2006/10/06, ISBN/ISSN 3-937877-62-2
[Tesc02] Tesch, Gernot, Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs auf Märkten des Fährverkehrs, Lang / Frankfurt am Main [u.a.], 2002, ISBN/ISSN 3-631-38865-9
[OSC02] o.A. Ferries. World fleet and market prospects to 2012, Chertsey / Surrey, 2002
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Rollende Landstraße
Die Rollende Landstraße (RoLa) ist ein Produkt im Bereich des Schienengüterverkehrs. Sie stellt eine spezifische Form des begleiteten Kombinierten Verkehrs dar. Dabei werden Lastkraftwagen bzw. Sattelzüge mit Hilfe der Roll-On/Roll-Off-Technik auf einen Güterzug aus durchgehenden Niederflurwagen verladen und über eine bestimmte Strecke transportiert. Die Fahrer begleiten ihre Fahrzeuge i. d. R. in einem mitgeführten Reisezugwagen. In Europa wird die RoLa z. B. für alpenquerende Verkehre angeboten. Sie kann eine betriebswirtschaftliche und/oder ökologische Alternative zum Straßengütertransport sein.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?8353

Gedruckt am Dienstag, 7. Juli 2020 21:00:40