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Anflugverfahren

Erstellt am: 26.04.2004 | Stand des Wissens: 22.01.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im Nahbereich eines Flughafens verlassen Verkehrsflugzeuge das Routennetz und nähern sich im Sinkflug einer Landebahn. Um diese sicher zu erreichen, werden Instrumentenanflugverfahren konstruiert. Diese können entweder aus einer Führung mittels Radartechnik bestehen, erfolgen durch die Verwendung von Funknavigationshilfen oder sattelitengestützt über GPS (Global Positioning System). Ausgewiesen wird für jede Landebahn ein Standard- Instrumentenanflugverfahren (Standard Terminal Arrival Route - STAR), das abgeflogen werden kann. Von einem Anfangsanflugpunkt (Initial Approach Fix - IAF) werden die Flugzeuge auf die verlängerte Grundlinie der Landebahn geführt. Dabei muss der Verkehr, aus unterschiedlichen Richtungen kommend, hintereinander gestaffelt und zur Landebahn geführt werden.

Für Nicht-Präzisionsanflugverfahren finden das UKW-Drehfunkfeuer (VOR - VHF Omnidirectional Radio Range), das Ungerichtete Funkfeuer (NDB - Non-directional Beacon) und GPS- Wegpunkte Verwendung. Vorwiegend kommt heute das Präzisionsanflugverfahren Instrumentenlandesystem (ILS) zum Einsatz. Als geplantes Nachfolgesystem standardisierte die ICAO 1984 das sogenannte Mikrowellenlandesystem. Bei diesem System sind Anflugkurs und Gleitwegebene frei wählbar, wodurch zum Beispiel gekrümmte Anflugwege möglich sind, was wiederrum eine geringe Lärmbelastung nach sich ziehen kann. Zukünftig werden jedoch satellitenbasierte Anflugverfahren häufiger Verbreitung finden, da sie eine wesentlich kostengünstigere Alternative bieten. Ziel ist, durch optimierte Anflugstreckenführungen die Kapazität eines Flughafens zu steigern und in bewohnten Gebieten eine Lärmminderung zu erreichen. Die Flächennavigation (Area Navigation - RNAV) erlaubt, die Streckenführung im Flughafennahbereich günstiger zu gestalten, da Wegpunkte frei definiert werden können. Die Auslegung neuer RNAV-Anflugverfahren verbessert die Möglichkeiten zur verkürzten Routenführung und exakteren Staffelung bei hohem Verkehrsaufkommen.

Abbildung 1: Darstellung der Einflußmöglichkeiten auf den Flugverkehr durch sogenannte Directs im Nahverkehrsbereich bei einem RNAV-Anflugverfahren [ECTR03f]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherheitsaspekte im Flugbetrieb (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?87967
Literatur
[ECTR03f] k.A. Guidance Material for the Design of Terminal Procedures for Area Navigation (DME/DME, B-GNSS, Baro-VNAV & RNP-RNAV), Eurocontrol, Brüssel, Belgien, 2003/03
Weiterführende Literatur
[ECTR99] o. A. Guidance Material for the Design of Terminal procedures for DME/DME and GNSS Area Navigation, Eurocontrol, Brüssel, 1999/12
Glossar
UKW
Als Ultrakurzwellen (UKW) bezeichnet man elektromagnetische Wellen, die von einem Sender in einem Frequenzbereich zwischen 30 Megahertz bis 300 Megahertz abgegeben und mit einem Radiogerät empfangen werden können. In der Regel liegt die Reichweite eines UKW-Senders – je nach Sendeleistung und Empfängerstandort – bei bis zu 200 km. 
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
ICAO
Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation zur Vereinheitlichung und Regelung der Zivilluftfahrt durch Veröffentlichungen von Richtlinien und Empfehlungen.
VHF Very High Frequency (VHF) ist der Frequenzbereich zwischen 30 und 300 Megahertz.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?83135

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 06:54:22