Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Fähr- und Ro/Ro-Schiffe

Erstellt am: 11.09.2002 | Stand des Wissens: 22.05.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Ro/Ro-Schiffe sind gekennzeichnet durch lange, durchgehende Decks ohne Unterteilungen und eigene klappbare Umschlagrampen am Heck, zum Teil auch am Bug. Im europäischen Kurzstreckenverkehr werden sie in der Regel in der Schiffslängsachse auf feste Rampen aufgelegt.

Große Ro/Ro-Schiffe im Überseeverkehr werden mit langen Winkelrampen ausgestattet, die für den Umschlag direkt auf dem Kai aufliegen und so hafenseitig keiner besonderen Umschlageinrichtungen bedürfen [Dyna06, S.57f.].
Des Weiteren werden sogenannte Con/Ro-Schiffe auch im kombinierten Transport mit Beförderung zusätzlicher Container verwendet, sollte ein entsprechendes Ladungsaufkommen vorhanden sein [SHIP14, S.104]. 

Die Auslegung von Fährschiffen ist stark abhängig von dem geplanten Einsatzgebiet. Mit dem zunehmenden Gewicht der Ladungsbeförderung und der nach Abschaffung des Duty-free-Verkaufs im Verkehr zwischen EU-Ländern rückläufigen Bedeutung des Bordverkaufs hat sich das Konzept der Ro-Pax-Fähren in Europa weitgehend durchgesetzt. Es ist gekennzeichnet durch einen höheren Anteil an Ladungsdecks gegenüber dem für Passagiere vorgesehenen Schiffsraum. [SeHi05] Für die Linie Rotterdam-Hull wurden zum Beispiel zwei Schiffe mit 3355 Meter Fahrspurlänge und 1360 Passagierkapazität in Dienst gestellt. Bei diesen Schiffen wird die Frage eines schnellen Ladungsumschlags und der Durchlassfähigkeit der Straßenanbindung des Terminals zunehmend bedeutsam.

Der zurückgehende Anteil von Eisenbahnwaggons und -wagen im Fährverkehr bewirkt, dass reine Eisenbahnfähren zur Ausnahme geworden sind. Der Eisenbahnverkehr wird heute mit Kombifähren bedient, die wahlweise Waggons oder Straßenfahrzeuge befördern können.

Die Dienstgeschwindigkeiten von Neubauten sind sowohl bei Fähr- als auch bei Ro/Ro-Schiffen in den letzten 10 Jahren gestiegen und lagen in den letzten Jahren für Fährschiffen bei 24 Knoten und für Ro/Ro-Schiffe bei 20 Knoten. Die Geschwindigkeit wird insbesondere bei Fährschiffen wesentlich durch die Einsatzroute bestimmt. Es kommt hier darauf an, bei kurzen/mittleren Routen am Tag, bei langen Routen in der Woche einen oder mehrere komplette Umläufe zu gewährleisten. [Oppel05] Allerdings geht der Trend bei Ro/Ro-Fähren der Trend zum Slow Steaming, soweit dies die Routen erlauben [SHIP14].

Das besonders im Passagebereich wichtige Kriterium "Reisezeit" hat in den 90er-Jahren viele europäische Reedereien bewogen, Schnellfähren (Katamarane oder schnelle Monohull-Schiffe) mit Geschwindigkeiten im Bereich 30-42 Knoten auf kurzen und mittellangen Linien einzusetzen. Diese Schiffe bieten neben der Passagierbeförderung auch die Trajektierung von Pkw und zum Teil von Bussen, jedoch keinen Ladungstransport. Unter den rauen Einsatzbedingungen in Nord- und Ostsee lässt ihre Zuverlässigkeit zu wünschen übrig. Der eingeschränkte Komfort beschränkt zudem die Reichweite. Insgesamt bietet der Sektor der Schnellfähren jedoch viel Raum für weitere technische Fortschritte, Kosteneinsparungen und weitere Einsatzfelder.
Der Einsatz von Schnellfähren erfolgt oft in Kombination mit Frachtfähren mit beschränkter Passagierkapazität.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Technologie des Fähr- und Ro/Ro-Verkehr (Stand des Wissens: 22.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?8515
Literatur
[Dyna06] o.A. Breakbulk - Solutions, Trades and Operators, Alkmaar, 2006/04
[Oppel05] Oppel, J.-A. Die Entwicklung der Fähr- und Ro/Ro-Schifffahrt in der Ostsee, veröffentlicht in Märkte im Wandel - mehr Mut zu Wettbewerb : Festschrift zum 65. Geburtstag von Rolf W. Stuchtey, Ausgabe/Auflage 1, Peter Lang / Frankfurt a..M., 2005, ISBN/ISSN 3-631-52943-0
[SeHi05] Sea Highways Ltd. Future Trends in the Design of Ro-Ro and Ro-Pax Vessels Operating in the Southern Baltic, o.A., 2005/03
[SHIP14] o.A. SHIPPAX-MARKET2014, 2014
Weiterführende Literatur
[Holb03a] Holbach, G. DFDS-Frachtfähren Typ RO-RO 3900 von FSG, veröffentlicht in Hansa: international maritime journal, Ausgabe/Auflage 11/2003, Schiffahrts-Verlag / Hamburg, 2003/11, ISBN/ISSN 0017-7504
[WaOw00] Wang, J., McOwan, S. Fast passenger ferries and their future, veröffentlicht in Maritime Policy and Management, Ausgabe/Auflage H. 3, Taylor & Francis / London, 2000, ISBN/ISSN 0308-8839
[Sjös02] Sjöström, P. Ro-pax - the workhorse of today's ferry traffic, veröffentlicht in Scandinavian Shipping Gazette, 2002/03/08
[Ship06] o.A. Shippax Statistics & Outlook 06 - The Yearbook for Passenger and Ro-Ro Shipping, ShipPax Information / Halmstad, 2006, ISBN/ISSN 1403-3305
Glossar
Zugumlauf
Der Zugumlauf beschreibt das vollständige Abfahren eines festen Streckenzyklus (Kursverlauf, Haltepunkte etc.) im Rahmen des Fahrplanbetriebs. Die Dauer des Zugumlaufs ist nicht auf einen Kalendertag begrenzt, sondern kann auch längere Zeit in Anspruch nehmen.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?8290

Gedruckt am Sonntag, 12. Juli 2020 14:31:38