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Pkw-Kosten bei der privaten Autonutzung

Erstellt am: 29.03.2004 | Stand des Wissens: 04.03.2021
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Bei den Kosten für Pkw werden fixe und variable Kosten unterschieden.
Fixe Kosten sind von der Verkehrsleistung des Pkw unabhängig. Sie setzen sich zusammen aus [ADAC03b; ADAC19b]:
  • Grundpreis/Wertverlust,
  • Kfz-Steuer,
  • Versicherung und
  • allgemeine Kosten (AU, TÜV, Stellplatz, Schutzbrief...).
Variable Kosten sind in ihrer Höhe weitgehend von der Fahrleistung abhängig. Ihr Anteil an den Gesamtkosten ist in den letzten Jahren zunehmend größer geworden. Sie setzen sich zusammen aus [ADAC03b; ADAC19b]:
  • Betriebskosten (Kraftstoff, Öl, Wäsche, Pflege) und
  • Werkstattkosten (Inspektionen, Ölwechsel, Reparaturen).
Die Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung von privaten Kraftfahrzeugen nehmen seit Jahren stetig zu. Auffällig sind bei der Kostenentwicklung die leichte Schwankung der Kfz-Versicherungsbeiträge, die deutlichen Erhöhungen der Kraftstoffpreise und die vor dem Jahr 2006 prozentual stark gestiegene, seitdem aber relativ konstante Kfz-Steuer (siehe Abbildung 1) [BMVI20g, S. 293]. [ZuMo18] errechnet circa 0,25 Euro (Stand März 2018) als wahre Kosten für einen Kilometer Autofahrt.
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Abbildung 1: Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung eigener Kfz, Kostenentwicklung für die Jahre 2001-2018 (eigene Darstellung nach [BMVI20g, S. 293])

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Abbildung 2: Preissteigerung bei Kauf der Pkw- und Kombifahrzeuge, Durchschnittsverbräuche und Ausgaben für Kraftstoffe [BMVI20g, S. 294, S. 298, S. 308]

Seit dem 1. Juli 2009 gilt für Neuwagen eine umgestaltete Kfz-Steuer nach der sich die Höhe der Steuer nach CO2-Ausstoß und Hubraum richtet. Dabei sank die Grenze, bis zu welcher der CO2-Ausstoß für die Steuer nicht berücksichtigt wird, bei einer Erstzulassung ab dem 1. Januar 2012 auf 110 Gramm pro Kilometer und bei einer Erstzulassung ab den 1. April 2014 auf 95 Gramm pro Kilometer [Zoll19]. Mit der kürzlich beschlossenen CO2-Abgabe soll ab 2021 eine Steuer auf jede Tonne verbrauchten CO2 erhoben werden. Diese beginnt bei zehn Euro und soll bis 2025 auf 35 Euro steigen. Diese Steuer wird jedoch nicht direkt beim Verbraucher, sondern bei den Raffinerien erhoben [Zeit19]. Jedoch reicht laut Umweltbundesamt dieser Preis bei weitem nicht aus, um im jeweiligen Sektor die notwendigen CO2-Emissionsminderungen zu erreichen. Beispielhaft für den Verkehrssektor, müsste die CO2-Abgabe bei 205 Euro pro Tonne CO2 beginnen und schrittweise weiter steigen, um im Jahr 2030 das Minderungsziel im Verkehrsbereich zu erreichen [UBA19k, S. 4]. Neben der CO2-Abgabe enthält der Preis für Kraftstoff auch die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer). Ihre Höhe ist abhängig von der Umweltverträglichkeit des Kraftstoffes und somit je nach Kraftstoffart verschieden. Die umweltverträglichsten Kraftstoffe werden dabei am geringsten besteuert [BMF19].
Inwieweit die Höhe des Kraftstoffpreises eine Auswirkung auf das Mobilitätsverhalten vor allem privater Haushalte hat wird immer wieder kontrovers diskutiert. [HaHa05] fassen in ihrem Artikel die Ergebnisse einer Studie zur Preiselastizität der Verkehrsnachfrage privater Haushalte zusammen. Danach reagieren die privaten Haushalte auf eine Reduzierung des Kraftstoffpreises um zehn Prozent mit einer Zunahme der Autonutzung um 3,2 Prozent. Eine Erhöhung der Preise um zehn Prozent hat dagegen eine Abnahme der Pkw-Verkehrsleistung um 2,9 Prozent zur Folge.
 
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Daten zur privaten Autonutzung (Stand des Wissens: 26.11.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312552
Literatur
[ADAC03b] Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC) ADAC Autokosten 2003, 2003
[ADAC19b] Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC) (Hrsg.) ADAC Autokosten - Berechnungsgrundlagen für die standardisierte Kostenberechnung, 2019/07
[BMF19] Bundesministerium der Finanzen (Hrsg.) Grund­la­gen­wis­sen zum Ben­zin­preis und sei­ner Ent­wick­lung, 2019/05/02
[BMVI20g] Radke, Sabine , Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Verkehr in Zahlen 2019/2020, 2019
[HaHa05] Haag, Günter, Hugo, Joachim, Hautzinger, H., Prof. Dr., Helms, Maja, Dr. Autofahren um jeden Preis?, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3, Deutscher Verkehrs-Verlag GmbH / Hamburg, 2005, ISBN/ISSN 0020-9511
[UBA19k] Umweltbundesamt (Hrsg.) CO2-Bepreisung in Deutschland - Ein Überblick über die Handlungsoptionen und ihre Vor- und Nachteile, 2019/08/29
[Zeit19] ZEIT ONLINE (Hrsg.) Klimaschutz: Kabinett beschließt neue CO2-Abgabe, 2019/10/23
[Zoll19] Generalzolldirektion (Hrsg.) Grundsätze der Kraftfahrzeugsteuer - Steuerhöhe, 2019
[ZuMo18] Randelhoff, Martin (Hrsg.) Die wahren Kosten eines Kilometers Autofahrt, 2018/03/21
Weiterführende Literatur
[Puls08] Puls, Thomas Externe Kosten - Wahrheit und Legende, 2008/09
[Böll19] Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.) Mobilitätsatlas 2019 - Daten und Fakten zur Verkehrswende, 2019/11
[UBA20a] Umweltbundesamt (Hrsg.) Umweltfreundlich mobil!
Ein ökologischer Verkehrsartenvergleich für den Personen- und Güterverkehr in Deutschland, 2020/12, ISBN/ISSN 1862-4804
Glossar
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist ene chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Betriebskosten Betriebskosten sind laufende Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erbringung von Verkehrsleistungen entstehen. Hierzu zählen bspw. Aufwendungen für Energie, Personal, Trassen- oder Mautgebühren.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?79650

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 20:15:08