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Fahrziele und Fahrtzwecke beim Carsharing

Erstellt am: 25.03.2004 | Stand des Wissens: 27.09.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Weglängenverteilung ist stark abhängig von den Quell-Ziel-Beziehungen der Carsharing-Fahrten [ifmo16b, S. 76].
Free-Floating-Fahrten werden vorwiegend innerhalb des Stadtzentrums unternommen. Je weiter die Quelle oder das Ziel von dem Stadtzentrum entfernt liegt, desto seltener nutzen die Carsharing-Kunden Free-Floating-Fahrzeuge. Eine Ausnahme außerhalb des Stadtgebietes können Ziele wie Flughäfen sein [ifmo16b, S. 76].
Bei Fahrten des stationsbasierten Carsharings lässt sich eine bimodale Verteilung der Ziele erkennen: Zum einen führen diese Fahrten größtenteils in Gebiete außerhalb der Stadt und zurück, wie zum Beispiel Ausflugsfahrten. Zum anderen werden auch viele Fahrten im Sinne von Erledigungsverkehr im innerstädtischen Bereich verzeichnet [ifmo16b, S. 76].
Laut einer Umfrage des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes stellen die meisten Carsharing-Mitglieder in München nur geringe Veränderungen beim räumlichen Aktionsradius fest mit leichter Tendenz zu einem Bedeutungsgewinn für den Nahbereich [MVV12].
Als Fahrtzwecke werden Free-Floating-Fahrzeuge primär für Fahrten nach Hause, zu Freizeit- und Urlaubszwecken und zur Arbeit beziehungsweise zur Ausbildung genutzt. Beim stationsbasiertem Carsharing sieht das Nutzungsmuster anders aus. Die Fahrzeuge werden zu mehr als zwei Drittel für Ausflugs-, Urlaubs- und Freizeitfahrten sowie für Einkäufe verwendet (siehe Abbildung 1). Ein Grund für die unterschiedlichen Nutzungen ist, dass beim Free-Floating-Fahrzeuge meist unkompliziert und nahe des Fahrtziels abgestellt werden können [ifmo16b].
57581_Fahrtzwecke.PNGAbbildung 1: Verteilung der Fahrtzwecke der Carsharing-Fahrten [ifmo16b, S. 78]
Carsharing eignet sich auch für die Bildung von Wegeketten zur Verknüpfung von Aktivitäten. Während im stationsbasierten System die Wegeketten mit Start und Ziel am Wohnstandort meist vorausgeplant sind, können Free-Floating-Fahrzeuge auch auch für die spontane Nutzung im Verlauf von Wegeketten eingesetzt werden [ifmo16b, S. 94].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[ifmo16b] Institut für Mobilitätsforschung (Hrsg.) Carsharing 2025 Nische oder Mainstream?, 2016
[MVV12] Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV) (Hrsg.) Klassisches CarSharing und ÖPNV in den MVV-Landkreisen - eine Win-Win-Beziehung, 2012/06/23
Weiterführende Literatur
[Koss02] Koss, Reinhard Car-Sharing als Beitrag zur Lösung der verkehrs- und umweltpolitischen Krise?, Verlag für Wissenschaft und Forschung GmbH, Berlin, 2002
[Pesc96] Pesch, Stephan Car-Sharing als Element einer Lean Mobility im Pkw-Verkehr - Entlastungspotentiale, gesamtwirtschaftliche Bewertung und Durchsetzungsstrategien, veröffentlicht in Buchreihe des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Universität Köln, Verkehrs-Verlag J.Fischer, Düsseldorf, 1996, ISBN/ISSN 3-87841-086-7
[Krie03] Krietemeyer, Hartmut, Dr. Effekte der Kooperation von Verbund und Car-Sharing-Organisation, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9, alba-Verlag, Düsseldorf, 2003
[Pete95] Markus Petersen Ökonomische Analyse des Car-Sharing, Wiesbaden, 1995
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?79404

Gedruckt am Freitag, 14. August 2020 16:30:04