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Wettbewerbsdeterminanten im Seehafenwettbewerb

Erstellt am: 05.03.2004 | Stand des Wissens: 31.03.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Der Erfolg eines Seehafens im Wettbewerb um Ladung hängt davon ab, wie gut der Hafen in der Lage ist, seine Funktion als Schnittstelle zwischen See- und Landverkehrsträgern in möglichst vielen Transportketten zu erfüllen. Dabei wird der Seehafen den größten Marktanteil gewinnen können, der von den Verladern als kostengünstiges und qualitätsoptimales Glied für ihre Logistikkette angesehen wird. Der Seehafen muss ein hohes Leistungsniveau bei niedrigen Kosten bieten.

Aufgrund der Schnittstellenfunktion lassen sich die Wettbewerbsdeterminanten der Seehäfen in vier Leistungsbereiche einteilen:
  • die seeseitigen Zufahrten und Anbindungen,
  • das Hinterland mit seinem Ladungsaufkommen,
  • die logistischen Anforderungen der Verlader und
  • die Leistungsfähigkeit des Seehafens und seiner Anlagen.
Die folgende Abbildung zeigt eine Aufgliederung der Wettbewerbsfaktoren in diese Wettbewerbsfelder.
Wettbewerbsdeterminanten der Seehaefen.PNGAbb. 1: Wettbewerbsdeterminanten der Seehäfen
Die einzelnen Faktoren sind durch die Seehäfen selbst in unterschiedlichem Grade beeinflussbar. Viele Faktoren sind umweltbedingt, von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen abhängig oder als naturgegeben kaum veränderbar.

Auch empirische Untersuchungen befinden die oben genannten Faktoren als die wichtigsten Wettbewerbsdeterminanten [TaHw05, YeSo05]:
  • die seeseitige Erreichbarkeit,
  • die Umschlagkosten und Hafengebühren,
  • das Ladungspotenzial im Hinterland und
  • die Produktivität des Seehafens.
Beim Ausbau und Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eines Seehafens ist eine ganzheitliche Sicht auf die Einflussfaktoren notwendig, eine Optimierung einzelner Faktoren wird nicht ausreichend sein. Hat ein Hafen ein großes Ladungspotential vorzuweisen, so werden Linienreedereien gewisse Restriktionen in der Erreichbarkeit des Hafens (vornehmlich der Wassertiefe) tendenziell eher hinnehmen und durch entsprechende Strategien zu mildern oder zu umgehen versuchen. Andererseits wird ein Hafen mit guter nautischer Erreichbarkeit und ausreichenden Wassertiefen immer Probleme bei der Akquisition von Linien haben, wenn kein ausreichendes Ladungspotential vorhanden ist [ISL03].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Wettbewerbsdeterminanten im Seehafenwettbewerb (Stand des Wissens: 23.03.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?113174
Literatur
[ISL03] o.A. Die Wettbewerbsentwicklung und Kooperationsmöglichkeiten der deutschen Seehäfen im Verhältnis zu den Seehäfen der anderen Anliegerstaaten im Verkehrsraum Ostsee, Bremen, 2003/01
[TaHw05] Tai, Hui-huang, Hwang, Cherng-chwan Analysis of Hub Port Choice for Container Trunk Lines in East Asia, veröffentlicht in Journal of the Eastern Asia Society for Transportation Studies, Ausgabe/Auflage Vol. 6, 2005
[YeSo05] Yeo, Gi-Tae , Song, Dong-Wook The Hierarchical Analysis of Perceived Competitiveness: An Application to Korean Container Ports, veröffentlicht in Journal of the Eastern Asia Society for Transportation Studies, Ausgabe/Auflage Vol. 6, 2005
Weiterführende Literatur
[ISLGII07] Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Global Insight (GII) Containerverkehrsmodell "Hafen Hamburg" zur Bestimmung der Marktposition des Hamburger Hafens in europäischen Hinterland- und Transhipmentregionen, Zusammenfassung, Bremen, 2007/11
Glossar
Hinterland Das Hinterland eines Seehafen ist das landeinwärts hinter dem Hafen liegende Territorium, welches durch die Herkunfts- und Bestimmungsorte der im Hafen abzufertigen Güter und Passagiere begrenzt wird. Seine Grenzen hängen von den Hinterlandverkehrsanbindungen ab und variieren nach Gutarten, den Umschlagkapazitäten, dem Schiffstyp und der Verkehrsinfrastruktur. Das Vorland eines Seehafens ist das seewärts vor dem Hafen liegende Territorium, welches durch die überseeischen Herkunfts- und Bestimmungsorte der Güter begrenzt wird.
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?76903

Gedruckt am Sonntag, 2. Oktober 2022 17:14:28