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Zuflussdosierung und -regelung als Mittel des Verkehrsmanagements

Erstellt am: 10.02.2004 | Stand des Wissens: 17.12.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Es lassen sich Zuflussdosierungen und Zuflussregelungsanlagen ("Ramp Metering") unterscheiden, mit denen primär die beiden folgenden unterschiedlichen Ziele verfolgt werden:
  • Zuflussdosierung zum Schutz städtebaulich sensibler Gebiete vor unverträglichen Verkehrsbelastungen [FGSV02].
    Durch die Begrenzung des Zuflusses zu kritischen Streckenabschnitten oder Netzbereichen lassen sich durch Überlastungen hervorgerufene negative Effekte verringern oder in weniger sensible Gebiete verlagern. Zuflussdosierungsanlagen können beispielsweise auch als Beschleunigungsmaßnahmen für den ÖPNV in Form einer dynamischen Straßenraum-Freischaltung dienen [BoSc06].
  • Zuflussregelung zur Steigerung bzw. Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit einer Verkehrsanlage [FGSV02].
    Zuflussregelungsanlagen werden zur Aufrechterhaltung eines stabilen Verkehrsflusses auf der durchgehenden Fahrbahn sowie zur Optimierung der Verflechtung einfahrender Verkehrsströme eingesetzt. Mittels Signalgeber wird der Zufluss auf Bundesfernstraßen verkehrsabhängig dosiert [BoSc06].
Insbesondere auf stark befahrenen Autobahnabschnitten tragen Zuflussdosierungen zur erhöhten Verkehrssicherheit und Verbesserung des Verkehrsflusses bei. Sie sorgen dafür, dass die Verkehrsstärke stets unterhalb der kritischen Kapazitätsgrenze verbleibt und sichern somit die Leistungsfähigkeit des Streckenabschnittes, indem Zusammenbrücke des Verkehrsablaufs (Staus) verringern werden. [Hink08a]
Beispiele für Zuflussregelungsanlagen sind Schilder, Fahrbahnmarkierungen und Lichtsignalanlagen, diese sollten Europaweit ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild haben und müssen den Verkehrsteilnehmern möglichst vorab durch Informationskampagnen nahe gebracht werden. Europäische Projekte sind "EURAMP Delierable 6.3" und "Centrico Ramp Metering Synthsis".

Die Zuflussregelung ist ist jedoch nicht immer geeignet, beispielsweise wenn der Verkehrsfluss auf der Zuflussrampe zu hoch ist, führen Zuflussregelungsanlagen eher zu negativen Effekten auf Autobahnen und Ortsstraßen. [FGSV08b; Zufl12]
2016 waren auf Autobahnen in Nordrhein-Westfalen 97 Anlagen zur Zuflussregelung in Betrieb. [LSNRW16]
Untersuchungen zu Auswirkungen der Zuflussregelung an der A 40 haben zu den folgenden Erkenntnissen geführt:
  • Störungen und Unfälle mit Personenschaden treten im Bereich der Untersuchungsanlage deutlich seltener auf.
  • Das Geschwindigkeitsniveau auf der Hauptfahrbahn ist in kritischen Verkehrssituationen mit hohem Verkehrsaufkommen um zeitweise mehr als 10 Kilometer pro Stunde höher als ohne Zuflussregelung.
  • Geschwindigkeitseinbrüche werden häufig vermieden oder erheblich gedämpft.
  • Die Leistungsfähigkeit der Autobahn A 40 kann in kritischen Situationen besser ausgenutzt werden.
  • Negative Auswirkungen auf das nachgeordnete Netz treten nicht auf und
  • Die Akzeptanz der Maßnahme ist bereits nach wenigen Wochen sehr hoch. [BMVBW01ab]
International existieren kaum Möglichkeiten, um die Wirksamkeit verkehrsbeeinflussender Maßnahmen vor ihrer Implementierung (ex ante) abzuschätzen. Im Rahmen des Projektes "Begleitforschung und Ergänzung des Merkblatts "Ermittlung der Wirksamkeit von Verkehrsbeeinflussungsanlagen"" wurden neue Verfahren für Zuflussregelungsanlagen zur ex-ante Wirksamkeitsschätzung hinsichtlich Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit konzipiert [Wirk10].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Informationsbereitstellung und Steuerung des Verkehrsablaufs als Maßnahme des Verkehrsmanagements (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33575
Literatur
[BMVBW01ab] Stöcker, Konrad, Dr. , Trupat, Stefan Der Einfluss einer Zuflussregelung an Anschlussstellen auf die Verbesserung des Verkehrsflusses auf Autobahnen, veröffentlicht in Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Bundesdruckerei GmbH Bonn, 2001/01, ISBN/ISSN 0344-0788
[BoSc06] Schäfer, Petra K. , Wolfermann, Axel, Boltze, Manfred, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Leitfaden Verkehrstelematik, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Nr. 10, Deutscher Verkehrsverlag, Hamburg, 2006/10, ISBN/ISSN 0020-9511
[FGSV02] FGSV-Arbeitsausschuss 1.1 "Grundsatzfragen der Verkehrsplanung", FGSV-Arbeitsausschuss 1.7 "Sonderfragen des Stadtverkehrs" Verkehrsmanagement - Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen [FGSV-Arbeitspapier Nr. 56], veröffentlicht in FGSV-Arbeitspapiere, Ausgabe/Auflage 1. , 2002
[FGSV08b] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise für Zuflussregelungsanlagen (H ZRA), Ausgabe/Auflage 2008, Köln, 2008
[Hink08a] Hinkeldein, Daniel Verkehrsmanagement 2020: Wie verändern sich die Anforderungen an Verkehrsoperatoren?, 2008
[LSNRW16] Landesbetrieb Straßenbau NRW (Hrsg.) Telematik im Straßenverkehr, 2016
[Wirk10] Technische Universität München, Lehrstuhl für Verkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Fritz Busch, TRANSVER GmbH, Dr.-Ing. K. Bogenberger, Busch, F., Grosanic, S., Dinkel, A., Schieferstein, A., Stadler, M. Begleitforschung und Ergänzung des Merkblatts "Ermittlung der Wirksamkeit von Verkehrsbeeinflussungsanlagen" , 2010
[Zufl12] Europäische Kommission Verkehrsmanagementdienste ZUFLUSSREGELUNG Einsatzempfehlung, 2012/01
Weiterführende Literatur
[Niel01] Nielsen, Sven-Martin Beiträge des Verkehrssystem-Managements zum stadtverträglicheren Straßenverkehr - Straßenbenutzungsabgaben, Zufahrtbeschränkung und elektrisch angetriebene Stadtautos im Vergleich, TU Berlin Fachbereich Verkehrswesen und Angewandte Mechanik Institut für Straßen- und Schienenverkehr, 2001
Glossar
Verkehrsfluss
Unter Verkehrsfluss versteht man die Anzahl der Fahrzeuge, die eine vordefinierte Verkehrs(quer)fläche pro Zeiteinheit durchfährt.
ex ante lateinisch: im Voraus
Verkehrsstärke
Die Verkehrsstärke ist eine Kennzahl für die Stärke eines Verkehrsstroms an einem Querschnitt, gemessen in der Anzahl der Verkehrseinheiten, die diese Stelle pro Zeiteinheit passieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von Streckenbelastung, wenn sich die Quantifizierung des Verkehrsstroms alternativ auf einen betrachteten Streckenabschnitt und nicht auf einen Querschnitt bezieht.
Verkehrsstärke = Verkehrseinheiten am Querschnitt / Bezugsperiode
Gebräuchliche Einheiten für die Verkehrsstärke sind z. B. Fahrzeuge [Fzg] pro Tag [24h] oder Stunde [h] (z. B. durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke, kurz DTV [Fzg/24h])
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?74536

Gedruckt am Dienstag, 11. August 2020 21:49:56