Forschungsinformationssystem des BMVI

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Nutzen und Wirkungen der dynamischen Fahrgastinformation an Haltestellen, unterwegs und zu Hause zur Erhöhung der Akzeptanz des ÖPNV

Erstellt am: 04.02.2004
Autoren:   Hammer, Antje
Mühr, Stefan
Esters, Dirk
Schmidt, Ralf
Stöveken, Peter, Dr.-Ing.
Erscheinungsjahr / -datum:   2001/04/23
Verlag / Ort:   BPI-Consult GmbH
Zitiert als:   [BMVBW01aa]
Art der Veröffentlichung:   Projektbericht
Sprache:   deutsch
Sonstige Informationen:   Abschlussbericht des Fops-Projektes 70.510/1997
Review
Erstellt am: 05.02.2004 | Stand des Wissens: 13.02.2006
 
Ziel / Zweck
Ziel dieses Projektes war es, die aus Nutzersicht wesentlichen Kriterien bei der Bereitstellung dynamischer Fahrgastinformationen über Mobiltelefon zu identifizieren. Darauf aufbauend wurde ein Konzept für die Realisierung eines Informationssystems entwickelt und beispielhaft im Raum Hofheim umgesetzt. Aus Akzeptanzanalysen konnten Empfehlungen für weitere Entwicklungen abgeleitet werden.

Methodik und Durchführung
  • Literaturauswertung
  • Modellentwicklung
  • Befragung
Für den Modellversuch wurde ein Informationssystem konzipiert, das die Kommunikation zwischen Betreiber und Kunde über WAP-Technolgie sichert. Das Testgebiet war Hofheim im Taunus (Sitz des Rhein-Main-Verkehrsverbundes).

Es wurden 56 Fahrgäste und potenzielle Fahrgäste repräsentativ ausgewählt und mit Handys ausgestattet. Der Feldversuch über 6 Wochen fand im 4. Quartal 2000 im Verkehrsgebiet Hofheim statt.

Die Befragung der Testteilnehmer gliederte sich in vier Abschnitte:
  • schriftliche interviewergestützte Befragung zu Personen- und Verhaltensdaten (zu Beginn des Modellversuchs)
  • telefonisches Leitfadeninterview zu Erfahrungen und zwecks Betreuung der Teilnehmer (in der Mitte des Modellversuchs)
  • Tagebuchprotokoll zur Dokumentation von Verkehrsverhalten, Nutzung und Erfahrung mit der Fahrgastinformation per Handy (letzte Woche des 6-wöchigen Nutzungszeitraums)
  • schriftliche interviewergestützte Befragung zu Verhaltensänderungen und Erfahrungen im Modellprojekt (nach Ende des Modellversuchs)


Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Das entwickelte Informationssystem bindet statische Fahrplandaten (Soll-Daten) sowie dynamische Verkehrsdaten (Ist-Daten) der verkehrenden Stadt- und Regionalbuslinien sowie des SPNV ein. Untersuchungsraumspezifische Informationen der DB AG konnten nur als Soll-Daten bereitgestellt werden. Die Daten wurden auf einem WAP-Server verwaltet, wobei eine Aktualisierung der Ist-Daten im Minutentakt erfolgte. Von diesem Server konnten die Abfahrtzeiten über WAP-fähige Handys abgefragt werden. Dazu war auf dem Handy die Starthaltestelle auszuwählen und anschließend - je nach Kenntnisstand des Nutzers - eine Fahrtrichtung, Linie bzw. Zielhaltestelle zu bestimmen. Als weitere Eingabe ist der Abfahrtzeitraum festzulegen.

Die Akzeptanzanalyse führt zu den folgenden Ergebnissen:
  • 59 % der Probanden nutzten die Fahrgastinformation mindestens mehrmals wöchentlich,
  • 11 % gaben an, den ÖPNV häufiger zu nutzen (wie viel häufiger ist nicht angegeben),
  • 12 % gaben an, schon mal Zeit oder Ziel der Fahrt geändert zu haben; bei weiteren 25 % der Probanden stieg die Zufriedenheit, ohne dass jedoch das Mobilitätsverhalten geändert wurde,
  • 70 % der Probanden gaben an, dass sie bereit seien, für den Service zu bezahlen: Die Zahlungsbereitschaft je Abfrage lag durchschnittlich bei 9 Pfennig und damit unterhalb der tatsächlich auftretenden Kosten; insgesamt wurde eine abrufbezogene Abrechung von den Nutzern präferiert (unabhängig von der Dauer)
Aus Nutzersicht sind Erweiterungen des Systems bezüglich
  • der Ist-Daten aller ÖPNV-Verkehrsmittel,
  • der Umsteigeverbindungen,
  • des Verkehrsgebietes, zu dem Informationen bereitgestellt werden, sowie
  • der Reise- und Ankunftszeiten
    zu realisieren. Eine hohe Systemzuverlässigkeit und schnelle Datenbereitstellung sind für den dauerhaften Betrieb Grundvoraussetzung.
Trotz der aufgetretenen technischen Probleme mir dem Mobilfunknetz wird eine dynamische Fahrgastinformation über Handys sehr positiv bewertet und ein inhaltlicher und räumlicher Ausbau empfohlen. Dabei sollte eine deutschlandweit einheitliche Handhabung verfolgt werden.

Einordnung in die Forschung / Relevanz für die Politikberatung
Der getestete Dienst ist in seiner Menüführung und Gestaltung so ausgelegt, dass er nur bei einem regional beschränkten Informationsangebot funktioniert.

Eine Abschätzung des finanziellen Nutzens dieses Dienstes für ÖPNV-Anbieter ist im Rahmen des Projektes nicht erfolgt.

Weitere Aspekte
Die WAP-Technologie hat sich in Deutschland nicht flächendeckend durchgesetzt. Stattdessen werden große Hoffnungen in die UMTS-Technologie gesetzt, bei der "Location-Based-Services" die Eingabe und Ortung für derartige Dienste erleichtern sollen.
 

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?73590

Gedruckt am Samstag, 2. Juli 2022 02:04:03