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Verkehrssicherheit beim Entwurf von Kreisverkehren

Erstellt am: 22.01.2004 | Stand des Wissens: 29.04.2016
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Eine Sonderform des plangleichen Knotenpunktes ist der Kreisverkehr. Dabei werden die Fahrzeuge im Einrichtungsverkehr um eine Mittelinsel geführt.

Vorteile bietet die Lösung, da die Konfliktpunkte zwischen den einzelnen Verkehrsströmen gegenüber einer Kreuzung reduziert werden und die Verkehrsführung einfach und verständlich ist. Da an Kreisverkehren die zufahrenden Ströme nur den übergeordneten Strömen der Kreisfahrbahn Vorfahrt gewähren müssen, entfällt die vierstufige Rangeinteilung zugunsten einer verständlichen zweirangigen Vorfahrtregelung mit nur 8 Konfliktpunkten (bei Knotenpunkten mit 4 Armen und einstreifigen Zufahrten und Kreisfahrbahnen; im Gegensatz dazu 32 Konfliktpunkte bei herkömmlichen Kreuzungen, vgl. Abbildung 1). Besonders der Wegfall von Linksabbiegekonflikten wirkt sich positiv auf das Unfallgeschehen aus, so dass es nicht mehr zu Frontalkollisionen mit schweren Unfallfolgen wie an lichtsignalgeregelten Knotenpunkten kommt.

../71516/Konfliktpunkte_KVP1.JPGAbbildung 1: Vergleich der Konfliktpunkte an der herkömmlichen Kreuzung (ohne LSA) und am Kreisverkehr [ADAC05]



Auch die geringere Fahrgeschwindigkeit von etwa 20-30 km/h auf der Kreisfahrbahn für kleine Kreisverkehrsplätze (vgl. Abb. 2) hat eine deutliche Abnahme der Unfallschwere der Kfz-Kollisionen (insbesondere der gefährlichen rechtwinkligen und der frontalen Kollisionen) zur Folge, was sich auch positiv auf die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger auswirkt [FGSV06c].


Untersuchungen zu dieser Knotenpunktlösung zeigen, dass die Unfallkosten und Unfallraten gegenüber herkömmlichen plangleichen Knotenpunkten auf Grund der oben genannten geringeren Anzahl der Konfliktpunkte und des geringeren Geschwindigkeitsniveaus in der Regel niedriger liegen [Bril01a]. Große mehrstreifige Kreisverkehre hingegen sind im Vergleich zu kleineren Kreisverkehrsplätzen zu unübersichtlich und weisen ein höheres Gefahrenpotential auf (vgl. Abb. 2).

Aktuell werden neue Formen von mehrstreifigen Kreisverkehren untersucht, sogenannte Turbo-Kreisverkehre. Diese Bezeichnung stammt aus den Niederlanden und soll durch jeweils innenliegende Fahrstreifenadditionen die Kreisfahrbahn leistungsfähiger machen und die Möglichkeit mehrstreifiger Ein- und Ausfahrten eröffnen. Die Anlage ist so gestaltet, dass auf der Kreisfahrbahn keinerlei Fahrstreifenwechsel notwendig sind. Aus Gründen der Verkehrssicherheit sollten sie möglichst völlig unterbunden werden. In den Niederlanden verwendet man dazu massive Schwellen. In Deutschland kommen ganz überwiegend Fahrbahnmarkierungen zum Einsatz.

Zur Verkehrssicherheit sind die Erkenntnisse zu Turbo-Kreisverkehren noch uneinheitlich. Die Leistungsfähigkeit kann gegenüber einstreifigen Kreisverkehren deutlich erhöht werden. [BrGe15]


../71516/Unfallraten_KVP1.JPGAbbildung 2: Unfallraten und Unfallkostenraten verschiedener Knotenpunktsformen (innerorts und außerorts) im Vergleich [ADAC05]



Besonders der Umbau von Straßenknoten zu sogenannten Mini-Kreisverkehrsplätzen wurde in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Diese Anlagen zeichnen sich durch einen sehr kleinen Außendurchmesser (13 - 26 m) aus. Vorher-Nachher-Untersuchungen an Knotenpunkten, die zu Mini-Kreisverkehrsplätzen umgebaut wurden, ergaben einen Rückgang der Unfallrate um 30 % und der Unfallkostenrate um 60 % [Bril01a, Bril02].

Inzwischen hat sich in vielen Fällen die Anlage von Minikreisverkehren im innerörtlichen Straßennetz sowohl hinsichtlich der Verkehrssicherheit als auch des Verkehrsablaufs bewährt. Als problematisch ist die in der Praxis recht uneinheitliche Anordnung von wichtigen Elementen, wie Fahrbahnteilern und Fußgängerüberwegen, einzustufen. Häufig werden aufgrund der mangelnden Flächenverfügbarkeit und der geringen Herstellungskosten wichtige Einsatzkriterien nur mangelhaft beachtet. Zu einer verkehrssicheren Gestaltung von Minikreisverkehren müssen daher die in den Richtlinien beschriebenen Randbedingungen vollständig eingehalten werden. [Baie14]
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Straßenverkehrssicherheit: Handlungsfeld Infrastruktur (Stand des Wissens: 29.04.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?64921
Literatur
[ADAC05] Tober, Jolanta , Stock, Ralf , Winkler, Ronald , Schwarzmann, Friedrich Der Kreisverkehr (Ein ADAC-Leitfaden für die Praxis), 2005/02, ISBN/ISSN Bestellnr. 283191.1
[Baie14] Baier, Reinhard u.a. Minikreisverkehre - Ableitung ihrer Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen, Wirtschaftsverlag NW, 2014/11/01, ISBN/ISSN 978-3956060960
[BrGe15] Brilon, Werner, Geppert, Axel Kapazitaet von grossen Kreisverkehren: Turbo-Kreisverkehre, veröffentlicht in Strassenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage Jg.59, Nr.2, 2015, 2015, ISBN/ISSN 0039-2219
[Bril01a] Bondzio, Lothar, Dr.-Ing., Brilon, W., Prof. Dr.-Ing. Untersuchung von Mini-Kreisverkehrsplätzen in Nordrhein-Westfalen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Kirschbaum, 1999/09
[Bril02] Bäumer, Hanno, Dipl.-Ing. , Flottmann, Oliver, Dipl.-Ing., Brilon, W., Prof. Dr.-Ing. Verkehrssicherheit an Mini-Kreisverkehrsplätzen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Kirschbaum, 2002/04
[FGSV06c] Arbeitsgruppe Straßenentwurf, Arbeitsausschuss: Stadtstraßen, Arbeitskreis: Kreisverkehre (FGSV) Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren, Ausgabe/Auflage 2006, FGSV-Nr. 242, FGSV-Verlag, Köln, 2006, ISBN/ISSN 3-937356-83-5
Weiterführende Literatur
[Halle99] Haller, Wolfgang, Dr.-Ing. , Lange, Johannes, Dr.-Ing. , Stellmacher-Hein, Dipl.-Geograph, Alrutz, Dankmar, Dipl. Ing. Verkehrssicherheit von Fußgängern und Radfahrern an kleinen Kreisverkehrsplätzen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 10, 1999/10
Glossar
LSA Lichtsignalanlagen LSA (umgangssprachlich: Ampeln) dienen der Steuerung des Straßenverkehrs, indem mittels Lichtsignalen ein bestimmtes Verhalten der Verkehrsteilnehmer angeordnet wird.
LSA Lichtsignalanlagen (LSA) dienen der Steuerung des Straßenverkehrs. Sie ordnen für Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten an, indem sie gesteuerte Signale abgeben. Umgangssprachlich werden sie auch häufig Ampeln genannt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?71516

Gedruckt am Dienstag, 20. November 2018 06:30:44