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Hafenlogistik

Erstellt am: 29.10.2003 | Stand des Wissens: 25.02.2021
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Logistik war lange Zeit das Aufgabenfeld von Spediteuren und Transporteuren. Mit den erheblichen Veränderungen in der Logistikbranche haben sich auch viele Seehafenunternehmen zu komplexen logistischen Dienstleistern entwickelt und bieten heute eine umfassende Hafenlogistik aus eigener Hand an. Dabei beschäftigt sich Hafenlogistik mit der Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Materialflüssen und den dazugehörigen Informationsflüssen im System Hafen und seinen Schnittstellen zu zahlreichen Akteuren innerhalb und außerhalb des Hafengeländes.

Ausgehend von den traditionellen Tätigkeitsfeldern Umschlag, Lagerung und Distribution erfolgte eine Erweiterung in zwei Richtungen:
  • Hafenunternehmen übernehmen logistische Zusatzleistungen im Sinne von value-added-services
  • mitunter organisieren Hafenunternehmen auch andere Teile der vertikalen Transportkette, indem sie sich insbesondere im Hinterlandtransport engagieren
Für die landseitige Abfertigung, die Zwischenlagerung der Güter und den wasserseitigen Schiffsumschlag sind Terminalbetreiber (Umschlagsbetriebe) zuständig. Deren Kunden sind die Reedereien, die den Transport über den Seeweg gewährleisten. Zwischen Reedern und ihren eigentlichen Kunden können Schiffsmakler vermitteln, die Schiffsladungsraumkapazität und Transportbedarf zusammenbringen. Reeder beauftragen des Weiteren Klarierungsagenten, welche die An- und Abmeldung von Schiffen bei den zuständigen Behörden übernehmen, außerdem die Ausrüstung prüfen und gegebenfalls bei Reparaturbedarf am Schiff vermitteln [Jahn13, S.210].
Die Seehafenunternehmen übernehmen zusätzliche Aufgaben, die von Industrie- und Handelsunternehmen im Prozess des Outsourcing nicht mehr selbst ausgeführt werden. Dies hat zur Ansiedlung einer Vielzahl von Distributionszentren in Hafennähe geführt.

Des Weiteren sind neue Formen der hafenplatzübergreifenden Kooperation von Hafenunternehmen entstanden, bis hin zu Fusionen von Seehafenunternehmen konkurrierender Hafenstandorte [Brei00a].

Eine wichtige Rolle in der Hafenlogistik spielen integrierte Hafeninformationssysteme, die auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zurückgreifen. Sie ermöglichen den Hafenkunden einen umgehenden und unmittelbaren Zugriff auf Daten und Informationen zur Abwicklung eigener Transporte [ISL01a, S. 154-156].
Im Hamburger Hafen werden seit dem Frühjahr 2014 die Systeme PRISE (Port River Information System Elbe) und DIVA (Dynamische Information zum Verkehrs-Aufkommen) angewendet. Verantwortlich für die Entwicklung von PRISE ist das Hamburger Softwarehaus und Port Community Systems DAKOSY zusammen mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), EUROGATE, der Lotsenbrüderschaft Elbe, der Hafenlotsenbrüderschaft Hamburg und der Hamburg Port Authority (HPA). Durch PRISE werden unter anderem folgende Informationen und Dienste zur Verfügung gestellt: die Liegeplatzplanung und -anmeldung der Terminals, Statusinformationen zu den Schiffspositionen auf der Elbe ab Deutscher Bucht, die Schiffsanmeldungen der Elblotsen, die Zuständigkeitsmeldungen der Schlepper und Festmacher sowie die Wasserstandsvorhersagen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) [HaHa14]. Durch die DIVA-Tafeln im Hafen werden mit Auskünften von rund 300 Messstellen im Hafen versorgt, die zunächst im Port Road Management Center der HPA automatisch erfasst und ausgewertet werden. Durch die frühzeitige Information sollen Staus vor den Terminals und zusätzliche Wartezeiten reduziert werden. Tourenpläne können geändert oder eine Pause auf einem geeigneten Parkplatz eingeplant werden [HHLA14].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Literatur
[Brei00a] Breitzmann, Karl-Heinz, Prof. Dr., Wenske, Christian, Dr. Die Seehäfen Mecklenburg-Vorpommerns als Logistik und Distributionszentren, veröffentlicht in Beiträge und Informationen aus dem Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock, Ausgabe/Auflage Heft 9, Rostock, 2000, ISBN/ISSN 1433-0202
[HaHa14] Hafen Hamburg (Hrsg.) PRISE optimiert Zu- und Ablaufsteuerung von Grossschiffen auf der Elbe und im Hamburger Hafen, 2014/03/19
[HHLA14] HHLA Unternehmenskommunikation (Hrsg.) Schnelle Infos zur Verkehrslage, 2014/08/05
[ISL01a] o.A. Vernetzungspotenziale innerhalb der maritimen Wertschöpfungsketten am Schiffbau-, Seeschifffahrts- und Hafenstandort Deutschland, o.O., 2001/11/30
[Jahn13] Prof. Dr.-Ing. Jahn, Carlos Seeschiffsgüterverkehr, veröffentlicht in Verkehrs- und Transportlogistik, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Springer-Verlag Berlin, 2013/03
Glossar
Spediteur Spediteure fungieren als Intermediäre zwischen Versender und Transporteur bzw. Frachtführer. Sie „besorgen” den Transport. Hierunter fallen insbesondere die Festlegung auf Verkehrsmittel und die Beauftragung ausführender Unternehmen.
Outsourcing Beim Outsourcing (Fremdvergabe) werden Aufgaben oder Dienstleistungen, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören, ausgelagert, das heißt an externe Unternehmen abgegeben. Die Ausgliederung von Logistikaktivitäten ist die häufigste Form des Outsourcings. Das Wort leitet sich von 'outside' und 'resourcing' ab.
Value Added Service Unter einem Value Added Service (Mehrwertdienst/ Zusatzdienstleistung) wird ein Instrument der Servicepolitik verstanden. Der Value Added Service umfasst dabei alle produktbegleitenden Dienstleistungen. Hierbei handelt es sich um ein Leistungsbündel aus materiellen und immateriellen Komponenten, welches einer bestimmten Zielgruppe neben der Primärleistung, d.h. dem Kernprodukt, einen zusätzlichen Wert bzw. Nutzen, in Form einer Sekundärleistung, stiftet.
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.
Transportkette
Nach DIN 30781 eine Folge von technisch und organisatorisch miteinander verknüpften Vorgängen, bei denen Personen oder Güter von einer Quelle zu einem Ziel bewegt werden, im weiteren Sinne alle Transferprozesse zwischen Quelle und Senke.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?63552

Gedruckt am Freitag, 3. Februar 2023 02:02:39